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Valle de Lys: Gletscher, Golf und Goversee
Lifestyle 4 Min. 10.09.2019

Valle de Lys: Gletscher, Golf und Goversee

Alpenpanorama vom Feinsten: Die Sicht vom Goversee aus ist atemberaubend.

Valle de Lys: Gletscher, Golf und Goversee

Alpenpanorama vom Feinsten: Die Sicht vom Goversee aus ist atemberaubend.
Foto: Frank Weyrich
Lifestyle 4 Min. 10.09.2019

Valle de Lys: Gletscher, Golf und Goversee

Kulturelle und landschaftliche Vielfalt lockt Besucher nach Norditalien. Entsprechend viel zu entdecken gibt es bei einer Tour im oberen Valle de Lys.

Von Frank Weyrich 

Wer auf der Suche nach einem abgelegenen Alpental ist, das auch noch heute nur mit einer langen, teils anspruchsvollen Anreise zu erreichen ist, dem sei das obere Lystal empfohlen. Das Tal liegt in der autonomen italienischen Region Aostatal.

Geprägt von Jahrhunderten als Teil der französischsprachigen Region Savoyen, besteht die Provinz bis heute auf ihre offizielle Zweisprachigkeit. Das obere Lystal wiederum hat noch eine weitere Eigenheit: Hier, rund 30 Kilometer von der Ebene entfernt, haben sich vor gut 700 Jahren alemannische Sprachgruppen, die sogenannten Walser, niedergelassen. So kommt es, dass sich bis heute vier Berggemeinden weiterhin als Walsergemeinden bezeichnen. Nicht von ungefähr sieht ihr Wappen dem des schweizerischen Kantons Wallis auf der anderen Seite der Berge zum Verwechseln ähnlich. Der Name Lystal wiederum stammt vom Bach Lys, der aus dem Lysgletscher im Monte-Rosa-Gebirgszug entspringt.

Von den Walsern geprägt

Wenn man aus der Ebene ins Tal hochfährt, kommt man zunächst nach Issime, in die erste der vier Walsergemeinden. Weiter oben führt die Straße durch den Ort Gaby. Der Hauptort des oberen Lystals heißt Gressoney-Saint-Jean und liegt auf 1 400 Metern Höhe, während der Namensvetter Gressoney-La-Trinité einige Straßenkurven höher liegt. Zu Zeiten, als das Walsertiitsch hier noch die vorherrschende Sprache war, sprach man denn auch von Greschoney-Unterteil und Greschoney-Oberteil. Heute sind die Spuren der deutschsprachigen Vorfahren zwar noch allgegenwärtig, aber im Alltag hat das Italienische längst die Oberhand gewonnen.


Die fotoscheuen Schafe würdigen das Matterhorn keines Blickes. / Foto: Frank WEYRICH
Das Matterhorn im Blick
Eine Wanderung in den Walliser Alpen am Fuß eines Schweizer Wahrzeichens verspricht spektakuläre Aussichten.

Luigi Chiavenuto, Bürgermeister der 800-Seelen-Gemeinde von Gressoney-Saint-Jean, erklärt die Sprachsituation: „Das Tiitsch wird nur noch in wenigen Familien gesprochen, vor allem in etwas entlegenen Siedlungen. Viele Einwohner können sich auf Französisch unterhalten, und in der Schule wird die Sprache auch unterrichtet, die Umgangssprache ist aber eindeutig Italienisch.“

Zwar versucht ein Gesetz, die Kultur und Sprache der Walser zu schützen und zu erhalten, doch durch Mischheiraten verliert sich das Tiitsch immer mehr. „Es ist zwar begrüßenswert, dass man versucht, diesen Teil unserer Identität zu schützen, aber wenn nichts mehr da ist, kann man auch nichts mehr schützen“, bedauert Chiavenuto.

Schlendert man durch die Gassen des Ortes, so kann die sprachliche Bezeichnung der Straßen von einer Ecke zur nächsten ändern. Zunächst kommt man durch die Rue Deffeyes, um sodann auf den Piazza Umberto zu gelangen, bevor man den Obre-Platz erreicht. Am Schulgebäude hingegen sucht man Italienisch vergebens. Hier steht, wohlbemerkt in altdeutscher Schrift, auf der einen Seite, „Kindergarten und Volksschule“ und auf der anderen Seite „Ecole maternelle et élémentaire“.

Dass das obere Lystal mehr als sprachliche Verwirrung zu bieten hat, nämlich jede Menge Wintersport, beweisen nicht nur die unzähligen Skipisten und die Loipen: Am Ortseingang verkünden große Poster die Unterstützung für Greta Laurent und Francesco De Fabiani, die Kinder des Ortes sind und bereits auf je zwei Olympiateilnahmen im Skilanglauf zurückblicken können.

Die grüne Lunge

Im Sommer lockt hingegen der Lago Gover – auch als Goversee oder Lac Gover bekannt. Er ist die grüne Lunge des Ortes und bietet nicht nur glasklares Wasser, sondern auch Erholungsmöglichkeiten für Jung und Alt. Von hier aus hat man einen sagenhaften Blick sowohl auf die Viertausenderkette rund um den Lyskammgletscher als auch auf das Château Savoie.

Ein Muss für Besucher: Das Château Savoie wurde von Königin Margherita von Savoyen erbaut.
Ein Muss für Besucher: Das Château Savoie wurde von Königin Margherita von Savoyen erbaut.
Foto: Shutterstock

Stolz blickt Bürgermeister Chiavenuto hinüber auf eine der Hauptsehenswürdigkeiten seiner Gemeinde. „Die ehemalige Königin Margherita von Savoyen hat das Schloss erbauen lassen. Nach dem Abschluss der Arbeiten im Jahre 1904 weilte sie regelmäßig hier bis zu ihrem Tod 1926. Davor hatte sie bereits öfters das Tal besucht und bei den befreundeten Baronen Beck-Peccoz gastiert.“ Die Monarchin war ihrer Zeit durchaus voraus, da sie eine begeisterte Bergsteigerin war. Im August 1893 hatte sie von Gressoney aus die 4 555 Meter Signalkuppe erstiegen, um die dort gerade erbaute Berghütte persönlich einzuweihen. Diese bis heute höchste Berghütte in den Alpen trägt denn auch den Namen Capanna Margherita.

Wintersport im Hochgebirge

Auch heute ist der letzte Ort im Lystal, Stafal, mit seinen Gondelbahnen Ausgangspunkt sowohl für Gebirgstouren als auch für anspruchsvollere Alpinwanderungen im Monterosa-Massiv. Die klassische Aufstiegsroute startet an der Bergstation der Kabinenseilbahn auf der Punta Indren in 3 275 Metern Höhe. Von dort aus eröffnet sich das gesamte Gebiet, wo sich ein Viertausender an den Nächsten reiht, wobei der höchste die Dufourspitze ist. Mit ihren 4 634 Metern ist sie auch die höchste Erhebung der Schweiz, wobei die offizielle Grenze zu Italien nur 150 Meter davon entfernt verläuft.

Im Winter erlauben die Liftanlagen die Verbindung zu den angrenzenden Tälern und erschließen unter dem Namen „Monterosa Ski“ ein Gebiet mit insgesamt 180 Kilometer Skipisten. Etwas weiter talabwärts in Richtung Gressoney-Saint-Jean können Golfliebhaber vor grandioser Kulisse an ihrem Handicap feilen. Diesen Ausblick können wohl nur die wenigsten Spieler auf ihrem Platz genießen. 


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