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Urlaub im Schneechaos
Lifestyle 5 Min. 17.01.2019

Urlaub im Schneechaos

Schnee auf den Straßen stellt Autofahrer im Winter vor Probleme.

Urlaub im Schneechaos

Schnee auf den Straßen stellt Autofahrer im Winter vor Probleme.
Foto: dpa
Lifestyle 5 Min. 17.01.2019

Urlaub im Schneechaos

In den Alpen sind derzeit viele Straßen gesperrt, Urlauber sitzen teils fest. Rechte und Pflichten, die Reisende in der momentanen Wetterlage beachten sollten.

von Jessika Maria Rauch

Für Skifahrer ist Neuschnee normalerweise ein Segen. In diesen Tagen wird er angesichts der angespannten Lage in den Alpen jedoch für viele zum Fluch. Das „Luxemburger Wort“ hat Experten zur Rechtslage der Urlauber befragt, die von der aktuellen Situation betroffen sind.

Viele Urlauber kommen aufgrund gesperrter Straßen derzeit gar nicht ans Reiseziel – oder sie sind aufgrund der Bilder von eingeschneiten und lawinengefährdeten Regionen verunsichert, möchten ihre Reise lieber absagen. Doch unter welchen Voraussetzungen ist dies überhaupt möglich, ohne dass Stornokosten anfallen? Und was passiert, wenn die Heimreise nicht möglich ist und der Urlaub verlängert werden muss?

Höhere Gewalt

Allgemein gilt das aktuelle Schneechaos als außergewöhnlicher Umstand, verursacht durch höhere Gewalt. Das bedeutet in den meisten Fällen, dass keine Entschädigungsansprüche geltend gemacht werden können und der Reisende auf die Kulanz der Vertragspartner angewiesen ist. Grundsätzlich haben Pauschalurlauber bessere Karten, aufgrund von extremen Schneefällen, die den Urlaubsort für mehrere Tage unerreichbar machen, vom Vertrag zurückzutreten, sofern die Gefährdung zum Zeitpunkt der Buchung nicht voraussehbar war. Bei organisierten Busreisen werden, wie Demy Schandeler für seine Angebote bestätigte, ungeplante Übernachtungen während der Anreise sowie bis zu drei zusätzliche Nächte durch verspätete Abreisen kostenseitig übernommen.

Individualtouristen gefordert

Wer individuell bucht, hat es schwerer, denn er ist an die Stornierungsbedingungen des Hoteliers gebunden. Diese können Urlauber unter Umständen teuer zu stehen kommen, im schlimmsten Fall sind hundert Prozent der Kosten zu tragen, auch wenn die Reise nie angetreten oder unfreiwillig abgebrochen wurde. Ist die Abfahrt von zu Hause bereits erfolgt und ergeben sich während des Aufenthalts Probleme, ist man umso mehr auf die Kulanz des Gastgebers angewiesen – sowohl beim frühzeitigen Abbruch, als auch bei einer ungeplanten Verlängerung des Urlaubs. Ein Recht auf Preisnachlass hat man zwar nicht, aber Anbieter zeigen sich mitunter wohlwollend.

In Österreich gelten Sonderregeln: Bei den rund 1 400 Mitgliedern, die der Österreichischen Hotelvereinigung angeschlossen sind, entstehen laut Rechtsexperten keine Stornokosten. Allerdings muss die Anreise zum Hotel tatsächlich unmöglich sein – wie das etwa bei gesperrten, abgelegenen Tälern der Fall ist. Wer über einen Umweg zum Urlaubsort gelangen kann, storniert meist nicht kostenlos. Ist der Ort grundsätzlich erreichbar, aber das Skigebiet geschlossen, sind die Chancen für kostenlose Stornierungen oder eine Preisminderung besonders gering.

Schlechte Aussicht für Skifahrer

Wenig entgegenkommend zeigen sich für gewöhnlich Skiliftbetreiber im Hinblick auf den Skipass. Hier gibt es in der Regel kein Geld zurück. Umstände höherer Gewalt – wie Extremwetter mit Lawinengefahr – können die Betreiber dazu ermächtigen, Skigebiete zu schließen, ohne dass Kosten erstattet werden müssen.

In der Schweiz gibt es allerdings einen Versicherungsschutz, wie die Zermatt Bergbahnen AG dem „Luxemburger Wort“ auf Anfrage mitteilte. Dieser bestehe aus dem „Pass Protect“ der Gesellschaft Solid AB, der vielerorts angeboten werde. Für einen Aufpreis von drei Schweizer Franken pro Tag kann der Skifahrer im Falle eines Unfalls, Krankheit oder eben „ungünstigen Wetterbedingungen“ somit Rückerstattungsansprüche geltend machen und den monetären Verlust beschränken. Auch Pauschalurlauber, deren gebuchtes Paket einen Skipass enthält, können sich über Rückvergütungen durch den Veranstalter freuen.

Anspruch für Flugreisende

Fluggesellschaften sind verpflichtet, ihre Kunden im Falle einer Flugstornierung oder -verspätung über den aktuellen Status und einen möglichen Rechtsanspruch umgehend zu informieren. Wird der gesamte Flughafen aus Gründen höherer Gewalt geschlossen – wie etwa bei Schneefall oder Glätte – muss die Fluggesellschaft keine Entschädigung für Ausfälle oder Verspätungen zahlen. Anders sieht es aus, wenn sie Mitschuld trägt – etwa, wenn das Flugzeug nicht rechtzeitig enteist wurde. Dann haben die Betroffenen Anspruch auf eine Entschädigung, müssen dies jedoch mit der verantwortlichen Airline klären. Bei der nationalen Fluggesellschaft Luxair kümmern sich spezielle Teams um die schnellst- und bestmögliche Lösung von Zwischenfällen wetterbedingter oder technischer Art und den daraus entstehenden Problemen.

Service bei der Bahn

Zugreisende dürfen sowohl bei Ausfällen sowie bei Verspätungen mit Kompensation rechnen. Sollte ein Ausweichen auf andere Züge möglich sein, können diese in der Regel ohne Zuzahlungen genutzt werden. In einer Broschüre des Europäischen Verbraucherzentrums Luxemburg (CEC – Centre Européen des Consommateurs) heißt es: „Der Gerichtshof der Europäischen Union hat in seinem Urteil vom 26. September 2013 (Rs. C-509/11) entschieden, dass Bahnreisende auch dann eine Entschädigung erhalten, wenn höhere Gewalt (Unwetter etc.) ursächlich für die Verspätung war.“

Arbeitgeber informieren

Wenn der Urlaub ungeplant länger dauert, muss der Arbeitgeber rechtzeitig informiert werden. Um den Ausfall des Arbeitnehmers zu decken, auch wenn er unverschuldet ist, könnten nachträglich eingereichte Urlaubstage oder auch offene Überstunden genutzt werden. Dies ist allerdings individuell mit dem Arbeitgeber zu klären.

Nach Auskunft der Arbeitnehmerkammer Luxemburg, die sich auf das Arbeitsgesetzbuch bezieht, sind Fälle, die durch das aktuelle Schneechaos verursacht werden, mit dem Vulkanausbruch vor einigen Jahren in Island zu vergleichen. Somit gelte, wie damals, dass der Urlaub grundsätzlich nach den Wünschen des Arbeitnehmers festgelegt werde und dass für Abwesenheiten aus Gründen unvorhersehbarer höherer Gewalt keine Urlaubstage aufgewendet werden müssen.

Neben der Absage von Terminen bei Ärzten und Dienstleistern sind auch Schulen und Kindergärten zu informieren. Zwar dürfen Bürgerinnen und Bürgern beim Fernbleiben von Terminen aufgrund von höherer Gewalt generell keine Nachteile entstehen, dennoch sind sie verpflichtet, die entsprechenden Stellen zeitnah zu kontaktieren.

Individuelle Beratung

Kostenlose juristische Beratung gibt es in grenzüberschreitenden Fällen für alle, die in Luxemburg leben oder arbeiten und im europäischen Urlaub auf Probleme stoßen, beim CEC. Die Internetseite enthält bereits hilfreiche Informationen und Links für Verbraucher in Europa, aber auch per Telefon und E-Mail werden Auskünfte von Juristen erteilt. Auch wenn noch keine genauen Vorhersagen möglich sind, deutet die allgemeine Wetterlage darauf hin, dass mit einem erneuten Wintereinbruch und sehr kalter Luft Ende Januar zu rechnen ist. Erneute starke Schneefälle können dann wieder für Chaos sorgen.


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