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Unterwegs in der Mitte Frankreichs
Lifestyle 5 Min. 05.10.2019

Unterwegs in der Mitte Frankreichs

Blick vom „marais“ auf die Kathedrale Saint-Étienne in Bourges.

Unterwegs in der Mitte Frankreichs

Blick vom „marais“ auf die Kathedrale Saint-Étienne in Bourges.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 5 Min. 05.10.2019

Unterwegs in der Mitte Frankreichs

Eine Entdeckungsreise im Dreieck zwischen Bourges, Nevers und Vézelay hat kulturell einiges zu bieten - neben imposanten Kirchen auch berühmte Persönlichkeiten.

Von Frank Weyrich

Schaut man sich die Karte Frankreichs genauer an, so liegt quasi mittendrin die Stadt Bourges. In ihrer Nähe befindet sich der rechnerische Mittelpunkt des Landes. Die Region – Berry genannt – hat mannigfaltige Anziehungspunkte, die einen Besuch mehr als rechtfertigen. Zudem hat Bourges, die Hauptstadt des Departement Cher, einiges aufzuweisen, was von Interesse ist – etwa die Kathedrale Saint-Etienne, wohl die beeindruckendste Sehenswürdigkeit der Stadt. Das wuchtige Gebäude, das aus dem 13. Jahrhundert stammt, überrascht mit der Dominanz des gigantischen Mittelschiffs. Sagenhafte 37 Meter hoch schwingt sich das Dach nach oben. Die Kirche ist dadurch fast so hoch wie breit.

Ein Name ist in Bourges allgegenwärtig: Jacques Cœur. Cœur war Besitzer der königlichen Münzprägung und Vertrauter von König Charles VII. Er wurde um 1400 in Bourges geboren und war in Frankreich einer der reichsten Männer seiner Zeit. Standesgemäß ließ er ein Schloss in seiner Heimatstadt errichten. Der Palast dient heute als Gerichtsgebäude, kann aber trotzdem besichtigt werden. Entlang der sogenannten „Route Jacques Cœur“, die quer durch das Departement Cher ausgeschildert ist, können Besucher auf 180 Kilometern elf verschiedene Schlösser entdecken.

Spaziergang im Blaulicht

Einen Rundgang der besonderen Art hat sich die Stadt für die Zeit nach dem Sonnenuntergang ausgedacht: Im Rahmen der „Nuits Lumière“ wird ein Spaziergang angeboten, den jeder für sich selbst in Angriff nehmen kann. Dabei geht es entlang der Hauptsehenswürdigkeiten der Altstadt. Die Besonderheit dabei: Die altertümlichen Gässchen mit ihren Pflastersteinen werden in ein magisches, bläuliches Licht getaucht, was dem Rundgang einen unverwechselbaren Charakter verleiht.


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Die grüne Lunge der Stadt stellt ohne Zweifel das „marais“ dar. In dieser ehemaligen Sumpflandschaft gleich außerhalb der Altstadt schlängeln sich Spazierwege an Wasserläufen und Kanälen entlang. Auf dem 135 Hektar großen Gelände sorgen Hunderte von Schrebergärten dafür, dass neben den weitläufigen Parklandschaften auch üppige Gemüsekulturen gedeihen. Wenn sich danach der Magen meldet, ist ein kurzer Gang zum Place Gordaine in der Altstadt zu empfehlen. Er ist die gute Stube von Bourges. Hier laden unzählige Gaststätten zum Verweilen und Genießen ein.

Entlang der blauen Linie

Eine knappe Autostunde weiter findet man die Hauptstadt des Departements Nièvre: die Stadt Nevers. Der Ort besticht gleich auf den ersten Blick mit seinem Stadtbild am Ufer der Loire. Genau wie auf den Postkarten präsentiert sich die ehemalige Herzogsresidenz. Die Altstadt liegt etwas erhöht über dem Fluss. Der Anstieg kann etwas mühsam sein – stellvertretend sei hier die Rue Casse-Cou genannt, die steil die Verbindung vom Ufer nach oben herstellt. Auf dem Plateau befinden sich denn auch die Hauptanziehungspunkte sowie die Geschäftsstraßen. Der Verkehrsverein hat einen Rundgang durch die Stadt gekennzeichnet, der durch eine durchgehende blaue Linie auf dem Boden zu erkennen ist.

Die hiesige Kathedrale hat im Laufe der Jahrzehnte eine wechselvolle Geschichte aufzuweisen. Bereits während ihrer Bauzeit lief nicht alles glatt: Bei Baubeginn im elften Jahrhundert wurde nach romanischem Stil gearbeitet. Neubauten wurden – nach Kriegen und Verwüstungen – im gotischen Stil hinzugefügt, sodass heute im Innern Rundbögen neben Spitzbögen stehen. Auch die Fenster zeugen von einem wechselvollen Schicksal. Während des Zweiten Weltkrieges haben britische Flugzeuge versehentlich die Kathedrale getroffen. Die zu Bruch gegangenen farbigen Fenster wurden mit modernen Scheiben ersetzt, sodass auch beim Glas verschiedene Stilrichtungen nebeneinander existieren.

In der Loire spiegelt sich die Stadtsilhouette wieder.
In der Loire spiegelt sich die Stadtsilhouette wieder.
Foto: Frank Weyrich

Nebenan steht das majestätische herzogliche Schloss. Es wird heute als Nebengebäude des Rathauses genutzt. Das Straßenschild verrät, dass der Platz vor dem Schloss Place de la République heißt. Gleich neben dem Schild hängt ein weiteres und verkündet Ancienne Place Ducale. „Es tut uns leid, aber wir haben nur einen kleinen Herzog“, erfahren Besucher aus dem Großherzogtum am Empfang. Im Gegenzug dazu hätte man aber Bernadette. Bernadette Soubirous erlangte Berühmtheit, als ihr im Alter von 14 Jahren die Jungfrau Maria in Lourdes erschien. Der Ort wurde danach zum weltbekannten Pilgerort, doch Bernadette zog im Alter von 22 Jahren ins Kloster von Nevers, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachte. Noch heute liegt sie aufgebahrt im Schrein in der Kapelle Saint-Gildard gleich neben dem Stadtpark.

Weltkulturerbe

Eine gute Autostunde weiter nordöstlich liegt ein weiteres Kleinod im Hügelgebiet des Morvan. Das Städtchen Vézelay besticht zunächst mit einem einzigartigen Stadtbild. Oben auf einem Hügel gelegen nimmt der kleine Ort für sich in Anspruch das erste französische Gut zu sein, das – vor 40 Jahren – als Weltkulturerbe eingestuft worden ist. Am Ende der Dorfstraße thront die Basilika, um die man in einem angenehmen Park herumspazieren kann.


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Im Gegensatz zu ähnlichen Orten wie Carcassonne steht an diesem Ort aber nicht der Kommerz an erster Stelle. In Vézelay wird auch gelebt. Sogar eine Schule ist innerhalb der Festungsmauer zu finden. Jedes Jahr im August finden hier die „Rencontres musicales“ statt. Von Kirchenmusik über Jazz zu Pop wird während eines verlängerten Wochenendes alles geboten, was die Herzen der Kenner höher schlagen lässt.

Auf den Spuren Vaubans

Für Freunde der luxemburgischen Geschichte lohnt sich ein Abstecher in die Umgebung. Nur wenige Kilometer entfernt kann man das Geburtshaus von Sébastien Le Prestre besichtigen. Unter seinem Nobelnamen Vauban ist er als Festungsarchitekt zu Weltruhm gelangt. Deshalb trägt der Ort den Namen Saint-Léger-Vauban. Im nahen Bazoches hat Vauban das Schloss zu seinem Wohnsitz erkoren, das auch heute noch von Nachfahren bewohnt wird.


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