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Umbruch im „alten Berlin“ : Im Westen viel Neues
Lifestyle 8 4 Min. 20.01.2016 Aus unserem online-Archiv

Umbruch im „alten Berlin“ : Im Westen viel Neues

Lifestyle 8 4 Min. 20.01.2016 Aus unserem online-Archiv

Umbruch im „alten Berlin“ : Im Westen viel Neues

Jahrelang war es ruhig um die westlichen Bezirke der deutschen Metropole, denn Besucher zog es in den Osten der Stadt. Doch ein Wandel ist spürbar – die Westbezirke, allen voran Charlottenburg und Schöneberg, werden von Touristen neu entdeckt.

von Michael Juchmes

Brandenburger Tor, Rotes Rathaus, Alexanderplatz, Museumsinsel – Berlinbesucher halten sich vornehmlich im Osten der Stadt auf. Viele der beliebten Sehenswürdigkeiten der Drei-Millionen-Metropole befinden sich im ehemaligen sowjetischen Sektor der einst geteilten Stadt, die nach dem Mauerfall 1989 schnell zusammengewachsen ist. Mittlerweile hat sich vor allem der Bezirk Mitte zu einem wahren Touristenmagnet entwickelt. Täglich zieht es Tausende über die Straße Unter den Linden von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Auch die kreative Szene ist in Berlin-Mitte heimisch geworden, die jungen Familien haben sich Prenzlauer Berg ausgesucht, die Studenten halten sich in Friedrichshain auf.

Und was ist mit den ehemaligen Westbezirken? Die konnten in den vergangenen Jahren auch vom Aufstieg Berlins profitieren – zumindest teilweise: Wer etwas auf sich hält – und unter 30 ist –, zieht nach Kreuzberg, dorthin, wo bereits in den 1980er-Jahren das Leben tobte. Auch Neukölln und Wedding, im Grunde „Problembezirke“, konnten vom Zuzug der jungen, urbanen Kreativen profitieren. Bars und Galerien – zumindest in Neukölln – waren die Folge. Wer in Berlin auch unter der Woche ausgehen und dabei nicht in einer der touristisch geprägten Mitte-Bars landen will, ist hier genau richtig.

Das „alte Berlin“

Die Bezirke Tiergarten, Schöneberg und Charlottenburg – so schien es zumindest zu Beginn – konnten nur wenig von der Aufbruchstimmung nach der Wende profitieren. „Nach der Wiedervereinigung konzentrierten sich die Planungs- und Bauaktivitäten vor allem auf das historische Zentrum rund um die Friedrichstraße und Unter den Linden“, erklärt Anja Mikulla von visitBerlin. Während im Osten ein Bauprojekt nach dem anderen realisiert wurde und Gäste aus aller Welt für wenige Tage, Wochen oder auch Monate in die Trendbezirke strömten, gerieten die Westbezirke ein wenig in Vergessenheit. Die Siegessäule, das KaDeWe und vielleicht noch den Zoo – mehr wollte dort kaum ein Hauptstadtbesucher während seines Aufenthalts sehen.

Doch ganz abgeschrieben war der Westen nie. Vor allem die Shoppingmeile Kurfürstendamm, die für viele Deutsche ein Synonym für Einkaufsvergnügen ist, und die Tauentzienstraße, wo das Kaufhaus des Westens – kurz KaDeWe – zu finden ist. Im größten Warenhaus auf dem europäischen Festland finden Besucher auf sieben Etagen alles, was das Herz begehrt. Darunter natürlich auch Kleidung und Accessoires von internationalen Designhäusern, die sich am „Luxusboulevard“ niedergelassen haben – wie Tiffany, Chopard, Prada und Louis Vuitton.

Vom Wittenbergplatz aus geht es vorbei an zahlreichen internationalen Filialisten in Richtung Gedächtniskirche und weiter den Ku'damm entlang, wo sich in den vergangenen Jahren vermehrt Shops für die jüngere Generation angesiedelt haben. Ein weitaus zahlungskräftigeres Publikum zieht die berühmte Fasanenstraße an, der die Friedrichstraße mit den Galleries Lafayette und dem Departementstore Quartier 2006 nicht den Rang ablaufen konnte.

Berlin bei Nacht: das Zoofenster mit dem Waldorf Astoria Hotel.
Berlin bei Nacht: das Zoofenster mit dem Waldorf Astoria Hotel.
Foto: visitBerlin/Wolfgang Scholvien

Auf der anderen Seite der Gedächtniskirche glänzt das ehemalige „Zentrum am Zoo“, ein großer Gebäudekomplex, in neuem Glanz und mit neuem Namen: Bikini Berlin. Herzstück ist das 200 Meter lange Bikinihaus, das unter anderem Büroflächen und eine Concept Mall beherbergt. Daran angeschlossen ist ein Neubau mit Hotelanlage (25 hours). Das Highlight: die Monkey-Bar im zehnten Stockwerk mit spektakulärer Dachterrasse – einer der Hotspots der Stadt.

„Seit einigen Jahren gewinnt die City West um Gedächtniskirche und Bahnhof Zoo wieder an Aufmerksamkeit und Attraktivität“, sagt Anja Mikulla. „Sanierungen wie die des alten Boardingpalastes Haus Cumberland, Restaurierungen des aus den 1950er-Jahren stammenden Bikini Berlin und des Amerika Hauses mit dem Ausstellungshaus für Fotografie C/O Berlin sowie der Neubau des Hotels Waldorf Astoria im ,Zoofenster’ tragen wesentlich zur Renaissance der City West bei.“ In einigen Jahren wird auch der letzte offizielle „Schandfleck“ des Bezirks, der Bahnhof Zoo, ein neues Gewand tragen. Die Umbauarbeiten im ehemaligen Fernverkehrsbahnhof sind bereits in vollem Gange.

„Mit dem Großprojekt ,Upper West’ entsteht ein weiteres architektonisches Highlight am Breitscheidplatz“, so Anja Mikulla. „Mit seiner geschwungenen Außenfassade wird der 119 Meter hohe Wolkenkratzer zu einem neuen Blickfang der City West werden.“ Nach Fertigstellung – angepeilt wird Sommer 2017 – wird unter anderem die Hotelgruppe Motel One hier ansässig sein. Auch an der Joachimsthaler Straße, zwischen Bahnhof Zoo und Kantstraße, entsteht ein neues Geschäftshaus mit einer 150 Meter langen Schaufensterfassade. Der Name des Projekts: „Zoom“.

Fleißig gearbeitet wird auch bald am Ku'damm. „Das Kranzler Eck wird umgestaltet und bekommt einen Erweiterungsbau im Hof“, so Mikulla. „Im Zuge der Arbeiten bleibt das traditionelle Café Kranzler bis Ende des Jahres geschlossen.“ Und nicht zu vergessen: das Shoppingcenter Mall of Kudamm mit mehr als 230 Shops, das rund um das Karstadt-Gebäude entsteht.

Entspannung in Charlottenburg

Natürlich gibt es auch andere Ecken Charlottenburgs, die zum Verweilen einladen, denn nicht überall herrscht große Hektik und Betriebsamkeit. Beispielsweise entlang der Kantstraße, die zum Bummeln einlädt. Wer das bekannte Theater des Westens passiert, in dem ab April das Musical „Tanz der Vampire“ ein neues Zuhause findet, kann ein wenig echtes Berliner Leben entdecken, denn hierher verlieren sich nicht allzu viele Partytouristen. Vor allem entlang des Savignyplatzes und in den Seitenstraßen finden sich zahlreiche kleine Cafés und Restaurants, deren Terrassen bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen spätestens ab Ende März aus allen Nähten platzen.

Nicht vergessen sollte man auch das kulturelle Angebot im Westen der Stadt. Nur wenige Gehminuten von der Kantstraße entfernt findet man die Deutsche Oper, eines der angesehensten Häuser für Ballett und Musiktheater des Landes. Aufgrund des Überangebotes an Veranstaltungen in der Metropole sind meist noch wenige Tage vor der Aufführung Karten erhältlich. Wer nicht nur lauschen, sondern auch lachen will, der darf dies im Theater und Komödie am Kurfürstendamm tun, wo häufig bekannte Darsteller wie etwa Katharina Thalbach auf der Bühne stehen. Das Angebot ist während jedes Berlin-Besuchs einen Abstecher wert.


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