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Überall ein Wasserfall
Lifestyle 7 Min. 22.09.2021
Urlaub im Jura-Gebirge

Überall ein Wasserfall

Bei Mortez bietet die Eisenbahnlinie "ligne des hirondelles" eine beeindruckende Linienführung mit den beiden Viadukten.
Urlaub im Jura-Gebirge

Überall ein Wasserfall

Bei Mortez bietet die Eisenbahnlinie "ligne des hirondelles" eine beeindruckende Linienführung mit den beiden Viadukten.
Foto: Frank Weyrich
Lifestyle 7 Min. 22.09.2021
Urlaub im Jura-Gebirge

Überall ein Wasserfall

Im französischen Jura gibt es jede Menge Natur zu entdecken - aber auch kulinarisch hat die Region einiges zu bieten.

Von Frank Weyrich

Frankreich erfreut sich als Urlaubsziel großer Beliebtheit. Es hat auch einige Ecken zu bieten, die abseits der großen Besucherströme liegen. Eine davon ist sicherlich der Jura. Das Mittelgebirge zieht sich längs der Schweizer Grenze und besticht durch seine unberührte Natur. Wie es in Frankreich aber fast nicht anders sein kann, wartet es ebenfalls mit einigen Käse- und Weinspezialitäten auf.

Um die Besonderheit des Jura zu verstehen, bedarf es einen kleinen Exkurs in die Geologie. Der Jura gilt als ein Faltgebirge, was seine zahlreichen, teils engen Täler erklärt. Die oberen Schichten bestehen aus Kalkstein, was wiederum dazu führt, dass das Wasser häufig versickert, bevor es richtige Flussläufe bilden kann. Je nach Örtlichkeit taucht es dann einige hundert Meter oder sogar einige Kilometer weiter wieder aus den Felsen auf. Das erklärt die zahlreichen Wasserfälle, die sich in einer bunten Vielfalt durch alle möglichen Schluchten in die Tiefe hinabstürzen.

Kaskaden in rauen Mengen

Die wohl Bekanntesten sind die „Cascades du Hérisson“. Obwohl der Name es vermuten lassen könnte, haben sie nichts mit einem Igel gemeinsam. Der Bach, der die Fälle speist, soll früher Yrisson geheißen haben, was wiederum „Heiliges Wasser“ bedeuten soll.

Auf einem Höhenunterschied von rund 250 Metern bietet der Bach sieben Kaskaden, die sich in Form und Höhe einen Wettbewerb zu liefern scheinen, um die schönste oder beeindruckendste Kulisse abzugeben. Ganz oben beginnt der „Saut Girard“ das Naturspektakel, etwas weiter unten beim „Grand Saut“ geht es 60 Meter in die Tiefe, während bei der „Cascade de l’Éventail“ das Wasser fächerartig nach unten stürzt. Ein Besuch dieses Naturschauspiels sollte im Sommer vermieden werden. Nicht nur, da die rauen Menschenmassen kein vernünftiges Genießen erlauben: Auch der niedrige Wasserstand lässt die Naturgewalt mickrig erscheinen.

Am Fuße des Dorfes Château-Chalon wächst der bekannteste "vin jaune".
Am Fuße des Dorfes Château-Chalon wächst der bekannteste "vin jaune".
Foto: Frank Weyrich

Anschauungsunterricht vom Feinsten in Sachen Erdkunde gibt es in Baume-les-Messieurs zu bestaunen. Das Dörfchen selbst wird als eines der schönsten Frankreichs beschrieben. Die wenigen Häuser scharen sich um die dominierende ehemalige Abtei. Es erstaunt kaum, dass der Name des Weilers zu früheren Zeiten noch viel enger an das Kloster gebunden war. Bevor er umbenannt wurde, hieß er nämlich Baume-les-Moines. Heute ist er hauptsächlich bekannt wegen der geologischen Sehenswürdigkeit des Tals.

Tal mit einem Ausgang

Der Ort liegt in der längsten „reculée“ des Juras mit den dazugehörigen Besonderheiten. Als „reculée“ bezeichnet man ein Tal mit nur einem Ausgang. Zwischen zwei schroffen, steil abfallenden Felsklippen befinden sich in aller Regel am Ende des Tals Höhlen oder Quellen, die sich aus den Felsen ergießen. Der meistens halbrunde Abschluss des Tals wird gerne als „cirque“ bezeichnet. So ist es auch hier in der „Reculée de Baume“. Dort, wo die beiden Klippen in einem Halbrund das Tal abschließen, steht ein viel beachteter Wasserfall. Das Wasser tritt aus den Felsen heraus und breitet sich über einen moosbewachsenen Vorsprung aus.

Am "Trou de l'Abîme" stürzen sich die Wassermassen durch die enge Schlucht.
Am "Trou de l'Abîme" stürzen sich die Wassermassen durch die enge Schlucht.
Foto: Frank Weyrich

Auch der Ort Saint Claude wartet in seiner Umgebung mit einer ganzen Reihe Kaskaden auf. Neben der natürlichen Schönheit fallen derer zwei mit recht eigenwilligen Namen auf. Da wäre zunächst der „Eselschwanz“ und am gleichen Bach etwas weiter oben der „Pferdeschwanz“. Am wild romantischsten kommen jedoch die „Gorges de l’Abîme“ daher.

Am Ende der Schlucht befindet sich der „Trou de l’Abîme“. Dieser glasklare Tümpel ist allerdings mit seinen 45 Metern so tief, dass man seinen Grund nicht erkennt. Daher stammt wohl auch sein Name: „Loch des Abgrunds“. In Saint Claude beginnt oder endet auch eine touristisch interessante Bahnstrecke. Bis nach oder von Dôle her verkehrt die sogenannte „Ligne des hirondelles“, auf der die Wagen mit ihren Panoramafenstern einen ungestörten Blick auf die umgebende Landschaft vermitteln.

Das Dörfchen Baume-lesMessieurs wird als eines der schönsten Frankreichs beschrieben.

Der Ort Les Rousses ist die am höchsten gelegene Skistation im Jura. Der gleichnamige See eignet sich im Sommer für jegliche Wasseraktivitäten und im Winter zum Schlittschuhlaufen. Auch eine mächtige Festung ist in dieser eher abgeschiedenen Gegend zu finden: das Fort des Rousses. Seine Ursprünge gehen zurück auf eine Entscheidung von Kaiser Napoléon. Der Grundstein wurde im Jahre 1843 gelegt und die Bauzeit der riesigen Anlage betrug 30 Jahre. In den kilometerlangen unterirdischen Gängen war Platz für 3.000 Soldaten und 2.000 Pferde.

140.000 Käseräder in der Festung

Die militärische Nutzung gehört aber längst der Vergangenheit an. Seit 1998 werden in den gewölbten Kellern Käse gelagert, weil dort das ganze Jahr über eine konstante Temperatur und Feuchtigkeit herrscht. Nach Voranmeldung werden geführte Besichtigungen angeboten. Rund 140.000 Räder der bekannten Käsesorte Comté werden hier verfeinert und gereift. Der Käse wird von zahlreichen „fruitières“ hergestellt. Obschon man meinen könnte, der Name hätte etwas mit Obst zu tun, bezeichnet der Ausdruck den genossenschaftlichen Zusammenschluss von mehreren Milchlieferanten. Für den Luxemburger Käseliebhaber sei auch noch eine Bemerkung hinzugefügt: Falls es einem nach heimischem Käse gelüstet, dann ist der Jura gerade richtig. Genau wie im Großherzogtum ist auch in dieser Gegend der „Kachkéis“ kein Unbekannter – er trägt hier den Namen „cancoillotte“.

In den unterirdischen Gängen der ehemaligen Festung "Fort des Rousses" lagern 140.000 Käselaibe.
In den unterirdischen Gängen der ehemaligen Festung "Fort des Rousses" lagern 140.000 Käselaibe.
Foto: Frank Weyrich

Ein Wein, auf den die sogenannten Jurassier besonders stolz sind, ist der „vin jaune“, ein äußerst seltenes Gut. Lediglich 50 Hektar stehen für seinen Anbau zur Verfügung. In Château-Chalon wird der Wein während mindestens sechs Jahren und drei Monaten in Eichenfässern reifen gelassen, bevor er in „clavelin“ genannte Flaschen abgefüllt wird, die ein Fassungsvermögen von genau 62 Zentilitern haben. Es erübrigt sich fast zu sagen, dass er eine Lagerung von 100 Jahren schadlos überstehen soll – es sei denn er wird vorher getrunken.

Ein Hotel in zwei Ländern

Nur zwei Kilometer von Les Rousses entfernt, am französischen Grenzort La Cure, steht ein ganz besonderes Gebäude. Das Hotel-Restaurant namens „L’Arbézie franco suisse“ liegt genau auf der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich. Auf der einen Seite verläuft eine Straße auf dem Gebiet des einen Landes, auf der anderen Seite jene des anderen Landes. Folgerichtig gibt es auch zwei Eingänge, einen auf schweizerischer Seite und einen auf der französischen. Dass es auch für jedes Land eine eigene Telefonnummer gibt, ist dann auch nur logisch.

Das Hotel "L'Arbézie" stellt ein Unikat dar: die eine Hälfte befindet sich in Frankreich, die andere in der Schweiz.
Das Hotel "L'Arbézie" stellt ein Unikat dar: die eine Hälfte befindet sich in Frankreich, die andere in der Schweiz.
Foto: Frank Weyrich

Je nachdem, an welchem Tisch man Platz nimmt, sitzt man in dem einen Land oder in dem anderen. Das Gleiche gilt für die Zimmer im Obergeschoss. Der Clou sind aber die Zimmer, in denen die Betten in der Schweiz stehen, das Bad sich jedoch in Frankreich befindet.


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Es überrascht deshalb nicht, dass in vergangenen Zeiten der Schmuggel dank der günstigen Lage des Lokals seine Blüten trieb. Auch heute ist es erstaunlich mitzukriegen, wie die Eigentümer versuchen, die verschiedenen Corona-Vorschriften der zwei Länder unter einen Hut zu bringen. Bis vor Kurzem galten für Gäste, die von Schweizer Seite eintraten, keinerlei Vorschriften. Traten sie jedoch von der französischen Seite ein, so galt die Pflicht des „pass sanitaire“. Dass beide dann durchaus am selben Tisch sitzen konnten, machte die Sache nur noch lustiger ... wenn es nicht so absurd wäre.

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