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Was Trient alles zu bieten hat
Lifestyle 3 3 Min. 18.06.2022
Unterschätzte Stadt

Was Trient alles zu bieten hat

Das Castello del Buonconsiglio im Nordosten der Altstadt war 600 Jahre lang die Residenz der Fürstbischöfe. Heute ist das Schloss ein Museum.
Unterschätzte Stadt

Was Trient alles zu bieten hat

Das Castello del Buonconsiglio im Nordosten der Altstadt war 600 Jahre lang die Residenz der Fürstbischöfe. Heute ist das Schloss ein Museum.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn
Lifestyle 3 3 Min. 18.06.2022
Unterschätzte Stadt

Was Trient alles zu bieten hat

Eine hübsche Altstadt, eine beneidenswerte Lage und ein hypermodernes Museum von Stararchitekt Renzo Piano – Trient wird zu Unrecht oft übersehen.

(dpa) – Von Trient kennen Urlauber in der Regel genau zwei Orte: die Autobahnausfahrten Trento Nord und Trento Süd. Die meisten fahren achtlos an der Hauptstadt der Provinz Trentino vorbei. Ringsum gebe es eben berühmtere Attraktionen, sagt der Stadtführer Martin Rossi achselzuckend: Verona, die Dolomiten, den Gardasee. Der Busfahrer einer bayerischen Reisegruppe behauptete: „Trient ist nichts Besonderes. Nur Industrie.“ 

Eine große Fußgängerzone 

Was für ein Unsinn das ist, erkennt man schon bei einem ersten Spaziergang durch die Altstadt. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist sie eine große Fußgängerzone. Entsprechend entspannt schlendert man dahin. Zumal es unmöglich ist, falsch abzubiegen – hinter jeder Ecke wartet die nächste bildhübsche Straße. „Bemalte Stadt“ nannten berühmte Gäste wie Goethe einst Trient, bunte Renaissance-Fresken schmückten viele Fassaden. 

Auf der Fassade des Palazzo Alberti Colico überlagern sich zwei Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
Auf der Fassade des Palazzo Alberti Colico überlagern sich zwei Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

Die meisten Wandgemälde stammen aus den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts, der Zeit vor dem Tridentinischen Konzil. Das Gipfeltreffen des Klerus machte Trient von 1545 bis 1563 zum Zentrum der christlichen Welt. Dafür putzten die Adeligen und der Fürstbischof Bernhard von Cles ihre Stadt heraus. Bis heute sind ein Dutzend bemalte Fassaden erhalten, seit den 1980er-Jahren wurden sie nach und nach restauriert. 

Zwischen drei Bergspitzen 

Der Domplatz ist der natürliche Mittelpunkt der Stadt, um den Neptunbrunnen flanieren Einheimische ebenso gern wie Touristen. Eng wird es aber selten. Selbst vor der Pandemie wurde die Altstadt nie von Reisegruppen überrannt wie Florenz oder Venedig. 

Zwischen den Steintürmen und Palazzi lugen immer wieder grüne Berge hervor. Tridentum nannten die Römer die Stadt, weil sie zwischen drei Bergspitzen liegt. Für einen Ausflug fahren die Trienter im Sommer wie im Winter am liebsten auf den 2.180 Meter hohen Monte Bondone, ihren Hausberg. „Viele haben ein Ferienhaus dort oben für die Sommerfrische“, sagt Rossi. Kein Wunder, dass Trient in Ranglisten der Lebensqualität in Italien regelmäßig einen Spitzenplatz belegt. Die Stadt ist wohlhabend, in der Umgebung liegen viele Seen. Dazu sind die Brentadolomiten vor der Haustür – ein bekanntes Klettergebiet. 

Der Domplatz mit dem Neptunbrunnen ist der Mittelpunkt von Trient.
Der Domplatz mit dem Neptunbrunnen ist der Mittelpunkt von Trient.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

„Trento ist weder Fleisch noch Fisch, nicht richtig Italien und nicht richtig Tirol“, sagt Rossi. „Wir sind deutsch im Kopf, aber italienisch im Herz.“ Den 16.000 Studenten in der Stadt wäre ein bisschen mehr mediterranes Laisser-faire freilich ganz recht. Besonders jene aus Süditalien jammern über die strebsamen Trentiner, die abends ihre Ruhe wollen. „In den 1990er-Jahren war die Stadt ab 19 Uhr tot“, sagt Rossi. Heute sind zumindest die Straßencafés der Via Verdi, wo sich die Fakultäten der Universität aneinander reihen, abends gefüllt mit Studenten und Angestellten, die ihren Aperitivo trinken. Und im neuen Parco delle Albere können junge Trienter nun sporteln, picknicken und feiern, ohne jemanden zu stören. 

Die etwas sterile Grasfläche vor der neuen Unibibliothek liegt inmitten des gleichnamigen Viertels, das der Star-Architekt Renzo Piano auf einer Industriebrache zwischen Bahngleisen, dem Fluss Etsch und der Brennerautobahn entworfen hat. 

Ein Lichthof voll schwebender Tiere 

Durch neue Unterführungen geht man in ein hochmodernes Viertel, das ein wenig an die Hamburger Hafencity erinnert und zugleich etwas blutleer wirkt. Das Herz des Quartier Le Albere aber schlägt kräftig: Das neue Museum für Wissenschaft, kurz Muse, zog von seiner Eröffnung im Juli 2013 bis zum Beginn der Pandemie jedes Jahr eine halbe Million Besucher an. 

Das Zentrum des Museums ist der großzügige Lichthof, der die sechs Stockwerke zu einem riesigen Raum verschmilzt. Darin schweben, an feinen Stahlschnüren hängend, Adler und Elch, Steinbock und Pfau. Dutzende ausgestopfte Tiere bevölkern das luftige Atrium, der Blickfang aber ist das Skelett eines ausgewachsenen Wals. 


Aerial view of Pulkkilanharju Ridge, Paijanne National Park, southern part of Lake Paijanne. Landscape with drone. Blue lakes, road and green forests from above on a sunny summer day in Finland
Diese Inseln des Glücks sollte man ansteuern
Dass ausgerechnet in Finnland die glücklichsten Menschen der Welt leben sollen – schwer vorstellbar. Doch es gibt gute Gründe.

Jedes Stockwerk im Muse ist an eine Etage der Bergwelt angelehnt. Ganz oben, in der Gipfelregion, können Besucher etwa das Eis eines künstlichen Gletschers anfassen, darunter spazieren sie durch das Labyrinth der alpinen Artenvielfalt, sehen im Aquarium ein tropisches Korallenriff und im Video dessen Umwandlung in die nahen Brentadolomiten. Interaktives Erleben ist das Mantra vom Muse.

In Italien machte das hypermoderne Museum Schlagzeilen. Viele ausländische Touristen haben allerdings noch nie davon gehört. Immerhin wird das Muse heute am Gardasee als Alternative für Regentage beworben. Und wer weiß – vielleicht sehen manche Urlauber bei einem Ausflug, dass sie nächstes Mal ein paar Ausfahrten früher von der Autobahn abfahren sollten. 

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