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Tesla Model X: Wie ein zum Abflug bereiter Vogel
Die „Falcon Wing“-Flügeltüren sind nicht nur das Markenzeichen des Tesla Model X. Sie benötigen auch weniger Platz zum Öffnen und bieten mehr Komfort beim Ein- und Aussteigen.

Tesla Model X: Wie ein zum Abflug bereiter Vogel

Foto: Tesla
Die „Falcon Wing“-Flügeltüren sind nicht nur das Markenzeichen des Tesla Model X. Sie benötigen auch weniger Platz zum Öffnen und bieten mehr Komfort beim Ein- und Aussteigen.
Lifestyle 4 Min. 24.01.2017

Tesla Model X: Wie ein zum Abflug bereiter Vogel

Marc WILLIERE
Marc WILLIERE
Ein Hingucker ist er allemal, der Tesla Model X, besonders, wenn er seine futuristisch anmutenden hinteren Flügeltüren langsam ausfährt und sie wie ein zum Abflug bereiter Vogel hochstellt. Beeindrucken tut der coupéhafte Stromer-SUV aber erst recht mit seinem Ambiente sowie seinen Fahrleistungen.

Von Marc Willière

Bereits optisch ist der Tesla Model X eine Wucht. Mit ihrer Länge von 5,02 Metern, ihrer Breite mit Spiegeln von 2,27 Metern und ihrer Höhe von 1,68 Metern verspricht die Karosserie wohl viel Platz im Innenraum, lässt andererseits aber auch schon Probleme in normalen Garageneinfahrten oder in nicht unbedingt großzügig bemessenen Parkhäusern erahnen. Der automobile Alltag sollte diese Befürchtungen denn auch bestätigen, wobei ein gutes Augenmaß und noch mehr Fingerspitzengefühl schon von Vorteil bei der Handhabung des Model X sind.

Dafür besticht der Tesla-SUV mit seinem fürstlich bemessenen Innenraum. Knie-, Schulter- und Kopffreiheit sind kein Thema. Für alle Passagiere ist auf allen Plätzen mehr als genug Platz. Wenn der Begriff „aufgeräumt“ wirklich einem Fahrzeugtyp gerecht wird, dann im Cockpit des Model X ohne überflüssigen Schnickschnack. Die Zahl der Funktionsknöpfe lässt sich an den Fingern einer Hand abzählen; sie befinden sich alle am Lenkrad. Der Vollständigkeit halber müssen aber die Druckknöpfe der Warnblinkanlage und zum Öffnen des Handschuhfachs erwähnt werden.

Sämtliche Bedienschalter verbergen sich hinter dem überdimensionalen, senkrecht über der Mittelkonsole angeordneten Touchscreen. Von der Einstellung der Federung über die Anpassung der Ambientebeleuchtung bis hin zur Steuerung von Musik und Navigation wird alles ausschließlich am Bildschirm geregelt. Dass dabei die einzelnen Befehle nicht nur in Text-, sondern wenn möglich und sinnvoll auch in Bildform dargestellt werden, erleichtert das Sichzurechtfinden ungemein. Selbst die Gebrauchsanweisung ist hier elektronisch gespeichert und benötigt demnach keinen zusätzlichen Stauraum.

Uneingeschränkte Rundumsicht

Zum außergewöhnlichen Ambiente trägt schließlich auch die größte auf dem Markt erhältliche Windschutzscheibe bei. Sie reicht bis über die Köpfe der Passagiere auf den Vordersitzen. Zusammen mit den Dachfenstern der „Falcon Wing“-Flügeltüren sowie den großzügigen Heck- und Türfenstern ist eine fast uneingeschränkte Rundumsicht garantiert.

Der überdimensionale Touchscreen dominiert im aufgeräumten Cockpit. Die große Panorama-Windschutzscheibe eröffnet neue Perspektiven.
Der überdimensionale Touchscreen dominiert im aufgeräumten Cockpit. Die große Panorama-Windschutzscheibe eröffnet neue Perspektiven.
Foto: Tesla

Auch wenn man hierzulande keine Angst vor chemischen Waffen haben muss, so macht das Innenraum-Filtersystem im Modus „Bioweapon Defense“ doch angesichts der Luftverschmutzung besonders in Großstädten durchaus Sinn: Ein leichter Überdruck hilft, das Eindringen von Gasen oder Keimen zu verhindern.

Wie auf Schienen fährt sich der Model X. „Schuld“ daran ist die Batterie, die im Unterboden zwischen den Achsen verbaut ist. Mit ihrer Kapazität von zwischen 75 und 100 Kilowattstunden je nach Ausführung verleiht sie dem Elektrokreuzer einen besonders „tiefen Schwerpunkt“. Die Wankneigung ist gering, und laut Tesla das Risiko von Kippen oder Überschlagen praktisch undenkbar. Für ein ruhiges, gleichmäßiges Fahren sorgt zudem die fehlende Unterbrechung der Zugkraft des elektrischen Allradantriebs.

Arbeitsteilung am Steuerrad

Über kaum einen anderen Begriff ist schon so viel Tinte geflossen wie über das autonome Fahren. Wenn Tesla und seinem visionären Unternehmensgründer Elon Musk auch das selbstfahrende Auto für die Zukunft vorschwebt, so versteckt sich hinter dem Autopiloten doch vor allem eine Sammlung von intelligent verknüpften Assistenzsystemen, die wohl ohne direkten Einfluss des Fahrers, aber nur auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin und auch unter dessen Kontrolle verschiedene Arbeiten allein ausführen können. Sie zielen vor allem darauf ab, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu erhöhen.

Die Spur halten kann der Model X allein problemlos – unter der Voraussetzung, dass die Ultraschallsensoren und Kameras sowie der Radar eine Mittellinie oder eine Seitenlinie (am besten aber beides) erkennen, was eher auf Autobahnen denn auf Landstraßen der Fall ist. Auch die selbstständige Durchführung eines Überholmanövers kann man getrost dem Tesla überlassen. Gleiches gilt für den Respekt der eingestellten bzw. selbst erkannten Richtgeschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann. Letztere Möglichkeiten machen das Fahren im Stau weniger nervenaufreibend: Der Model X stoppt, wenn der Vordermann stoppt, fährt fast gleichzeitig mit diesem wieder an, stoppt wieder, wenn der im Voraus definierte Abstand unterschritten wird ...

Von nichts kommt nichts

Bei der Reichweite klaffen – wie bei anderen Energiequellen auch – Welten zwischen Theorie und Praxis. Tesla wirbt in seinen Prospekten mit einer Autonomie von 467 Kilometern, gesteht aber im Gespräch 400 Kilometer als realistischere Distanz ein. Im Praxistest des Modells P90D sind es dann aber nochmals weniger Kilometer Reichweite, zumal bei ständig wechselndem Verkehrsfluss mit wiederholtem Bremsen und Beschleunigen die Anforderungen an die Batterie weitaus höher sind als bei unterbrochenem Fahren auf Autobahnen ohne Stockungen oder andere Einflüsse.

Dass wir nur etwas mehr als 300 Kilometer mit einer Batterieladung schafften, die laut Bordcomputer für 375 Kilometer hätte reichen müssen, war wohl auch der Tatsache geschuldet, dass wir den sogenannten „Ludicrous“-Modus eingestellt und wiederholt die unglaubliche Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in knapp 3,5 Sekunden ausprobiert hatten. Diese wahnwitzige Leistung ist den beiden E-Getrieben mit einer kombinierten Leistung von 396 kW (539 PS) zu verdanken. Das Gewicht von fast zweieinhalb Tonnen stellt dafür kein Hindernis dar. Der Preis von 166.500 Euro könnte allerdings ein solches sein. 


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