Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Symphysenlockerung in der Schwangerschaft
Lifestyle 3 Min. 05.06.2020

Symphysenlockerung in der Schwangerschaft

Ein Symphysengurt kann Schwangeren gegen die schmerzhaften Beschwerden helfen.

Symphysenlockerung in der Schwangerschaft

Ein Symphysengurt kann Schwangeren gegen die schmerzhaften Beschwerden helfen.
Foto: dpa
Lifestyle 3 Min. 05.06.2020

Symphysenlockerung in der Schwangerschaft

Es zieht bei jedem Schritt: Manche Schwangere kann ohne Schmerzen im Bereich des Schambeins nicht mehr laufen. Experten erklären, was dahintersteckt.

Bei manchen Schwangeren schränkt nicht nur der wachsende Bauch die Bewegungsfreiheit ein. Oft bereitet das Schambein stechende Schmerzen. Dahinter steckt eine sogenannte Symphysenlockerung. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist das kein Grund zur Sorge. Es besteht keine Gefahr für das Baby und in der Regel lassen die Beschwerden bald nach der Geburt wieder nach.

Nichtsdestotrotz schränken die Schmerzen betroffene Frauen ein. Was hilft? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Was genau ist eine Symphysenlockerung?

Das Becken besteht - vereinfacht gesagt - aus zwei Hälften: Vorn werden diese durch die Symphyse zusammengehalten und hinten durch die sogenannten Kreuzdarmbeingelenke.

„Die Symphyse besteht aus Faserknorpel und ist als eine straffe, feste Verbindung, die aber nicht so fest wie Knochen ist, zu verstehen“, erklärt Hermann Locher. „Es besteht also eine gewisse Beweglichkeit“, so der Facharzt für Chirurgie und Orthopädie.


Bisher wurden keinerlei Probleme bei Corona-Infektionen während der Schwangerschaft festgestellt.
Schwanger in Pandemie-Zeiten
Viele werdende Mütter sind in Zeiten der Corona-Pandemie besorgt. Die Stationen haben sich zwar umorganisiert, eine direkte Gefahr für das Neugeborene stellt das Virus aber nicht dar.

In der Schwangerschaft sorgen Hormone dafür, dass das Bindegewebe aufgelockert wird - und damit auch die Symphyse und die Kreuzdarmbeingelenke. Dadurch wird der Beckenring als Vorbereitung auf die Geburt dehnbarer. Bei manchen Frauen kann das aber auch zu der schmerzhaften Symphysenlockerung führen.

Was sind die Symptome?

Schmerzen direkt unter dem Schamhügel - vor allem beim Laufen, Treppensteigen und bei verschiedenen anderen Belastungen. „Manche Schwangere kann ohne Schmerzen nicht mehr laufen“, erklärt Frauenarzt Christian Albring.

Wer solche Symptome hat, könne entweder zum Gynäkologen, zum Allgemeinmediziner oder zum Orthopäden gehen, sagt Hermann Locher. „Am Ende sollte man bei einem Mediziner oder Therapeuten der Manuellen Medizin landen.“

Wie wird eine Symphysenlockerung behandelt?

In der Schwangerschaft kann Krankengymnastik helfen. Die Rücken- und Bauchmuskulatur sowie der Beckenboden werden dabei stabilisiert, wie Locher erläutert. „In ausgeprägten Fällen hilft der Becken- oder Symphysengurt.“ Das ist eine Art breiter Gürtel, der fest um die Hüften getragen wird und - vereinfacht gesagt - die gelockerte Symphyse zusammenhält. Er kann vom Arzt verschrieben werden.

Christian Albring empfiehlt Schwangeren außerdem, sich zu schonen. „In der Schwangerschaft erlaubte schmerzstillende Entzündungshemmer sowie Wärme können gegebenenfalls helfen.“

Ist eine Symphysenlockerung gefährlich?

Nein, weder für die Frau noch für das Baby, sagt Locher. Es handele sich um sogenannte funktionelle Beschwerden, die sich nicht negativ auf den Verlauf der Schwangerschaft oder die Entwicklung des Babys auswirken. „Sie sind allenfalls lästig und schmerzhaft und können auch deutliche Einschränkungen der gewohnten Aktivität nach sich ziehen“, erklärt der Orthopäde und Chirurg.

Auch Frauenarzt Christian Albring sagt: „Eine Gefahr für das Baby besteht nicht.“ Allerdings könne ein Kaiserschnitt notwendig werden, damit die Symphyse nicht reißt.

Warum bekommen es einige Frauen und andere nicht?

Das liegt an der Struktur des Bindegewebes und wie stark es sich in der Schwangerschaft durch die Hormone lockert. Man könne somit nicht vorhersagen, wer eine Symphysenlockerung bekommen wird und wer nicht, erklärt Locher.

Albring ergänzt: „Das Phänomen ist etwas häufiger beim zweiten und dritten Kind, weil die Symphyse durch die vorangegangenen Geburten manchmal schon vorbelastet ist.“

Kann man einer Symphysenlockerung vorbeugen?

Die eine Methode zur Vorbeugung gibt es nicht. Locher empfiehlt sportliche Aktivität, gegebenenfalls etwas abzunehmen und eine gesunde Ernährung. Albring rät Schwangeren außerdem, erste Anzeichen unbedingt ernst zu nehmen und sich zu schonen.

Wie wird man die Schmerzen wieder los?

Meist verschwinden die Beschwerden zwei Wochen bis drei Monate nach der Geburt von alleine. In manchen Fällen dauert es aber länger. „In aller Regel ist spätestens nach sechs Monaten die Symphyse wieder stabil und schmerzfrei“, sagt Locher.

Was ist eine Symphysenruptur?

Damit ist das Auseinanderreißen des Faserknorpels gemeint. Das passiert in der Regel bei Unfällen und in sehr seltenen Fällen auch während der Geburt. Typisch seien starke, stechende Schmerzen hinter dem Schamhügel, die bei jeder Wehe noch stärker werden, so beschreibt Albring die Symptome. Stehen und Gehen ist dann nach der Geburt sehr schmerzhaft, auch jede Änderung der Liegeposition.

Behandelt wird das Ganze in der Regel durch das Tragen eines Symphysengurtes, erklärt Locher. Dazu kommen Krankengymnastik und Entlastung. In sehr schweren Fällen und wenn das Becken instabil bleibt, muss die Betroffene operiert werden.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Schwanger in Pandemie-Zeiten
Viele werdende Mütter sind in Zeiten der Corona-Pandemie besorgt. Die Stationen haben sich zwar umorganisiert, eine direkte Gefahr für das Neugeborene stellt das Virus aber nicht dar.
Bisher wurden keinerlei Probleme bei Corona-Infektionen während der Schwangerschaft festgestellt.
Zur Geburt geht's nach Miami Beach
Viele schwangere Russinnen fliegen nach Florida, um dort ihr Kind zur Welt zu bringen. Die Rückreise treten die Kinder mit ihren Müttern und einem US-Pass einige Wochen später an.
asdf