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Südpolen: Wilde Pferde und duftende Gärten
Die beeindruckende Landschafte der Hohen Tatra setzt die Kulisse für Agrotourismus und Slow Living.

Südpolen: Wilde Pferde und duftende Gärten

Foto: Manon Kramp
Die beeindruckende Landschafte der Hohen Tatra setzt die Kulisse für Agrotourismus und Slow Living.
Lifestyle 14 6 Min. 24.09.2017

Südpolen: Wilde Pferde und duftende Gärten

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Die Region Malopolska im Süden Polens ist ein Paradies für Wanderer, Reiter und Genießer. Die dort heimischen Pferde mögen klein sein, doch die Landschaft ist grandios und die Menschen sind großherzig.

von Manon Kramp

Der schwere Pick-up rumpelt den steinigen, von Fichten gesäumten Weg hinauf. Kein Wunder, dass Akiko Wiwa ihre Feriengäste in einem solchen Fahrzeug persönlich abholt. Sie lacht über die verdutzten Gesichter der Insassen: „Der Weg ist doch sehr eben. Ich habe ihn selbst angelegt.“ Die zierliche 73-Jährige lenkt recht ungestüm und schreibt gleichzeitig eine SMS. „Wir sind gleich da.“

Das dichte Blätterwerk lichtet sich und gibt den Blick frei auf ein imposantes Holzhaus mit spitzen Giebeln. Die nach ihrer Besitzerin benannte Villa in der Nähe von Harklowa befindet sich auf einem 780 Meter hohen Berg im Gorce Nationalpark im Süden Polens. Ein Ort der Ruhe. Ringsum grüne Wälder und in der Ferne liegen die Bergzüge der Tatra und der Pieninen mit ihren Wander- und Skigebieten sowie der bei Windsurfern beliebte See von Czorsztyn.

Die muntere Akiko, die aus Japan stammt, liebt diese raue Gegend ihrer Wahlheimat. Ihre Begeisterung ist ansteckend. In ihrem geräumigen Gästehaus finden Urlauber Ruhe und Geselligkeit zugleich. Die Dekoration der heimeligen Zimmer besitzt einen etwas angestaubten Charme, ist aber mit Liebe gemacht, und dank Akikos Warmherzigkeit fühlen sich Gäste hier wunderbar aufgehoben.

Geschätzt wird auch Akikos originelle Küche – ein Mix aus polnischen und japanischen Gerichten, wie etwa knusprige Piroggen mit einer Sojasoße, Sushi, marinierte Koteletts, Kartoffelpuffer oder saftige Schokoladenbrownies mit Blaubeeren. Dazu gibt es Holunderblüten- und Gurkenlimonade, Rhabarbersaft und Sake. Die Zutaten stammen bevorzugt aus Akikos Garten, auf den sie sehr stolz ist. Ihr Wissen über die vielen Kräuter, die dort und auf den Bergwiesen gedeihen, gibt sie gerne weiter. Ihre Villa ist deshalb auch eine Station der Kräuterroute, die zu über 20 Bauernhöfen und Gärten führt.

Auf dem Weg zu einer weiteren Adresse dieser Route sollte man unbedingt einen Zwischenstopp bei einer der mittelalterlichen Holzkirchen der Region einlegen, die seit 2003 zum Welterbe der Unesco gehören. Die nur ein paar Kilometer talwärts in Debno gelegene Erzengel-Michael-Kirche wurde 1490 erbaut. Die Konstruktion aus Tannen- und Lärchenholz hält ganz ohne Nägel. Stattdessen werden die übereinandergelagerten Elemente mit Kammverbindungen befestigt. Im Vergleich zum düsteren, gedrungenen Äußeren, überrascht das Kircheninnere mit polychromen Malereien. 77 verschiedene Muster zieren Decken, Wände, Balken und Bänke. Ältestes Kunstwerk ist ein Kreuz von 1380, das Triptychon aus dem frühen 16. Jahrhundert ist ein schönes Exempel spätgotischer Malerei.

Der Czorsztyn-See erstreckt sich vor den schneebedeckten Bergen der Hohen Tatra
Der Czorsztyn-See erstreckt sich vor den schneebedeckten Bergen der Hohen Tatra
Foto: Manon Kramp

Auf der Kräuterroute unterwegs

In Czorsztyn, einem malerischen Dorf zwischen Gorce und den Pieninen, liegt einer der bekanntesten Gärten der Kräuterroute. Sein Besitzer, Andrzej Mikolajewicz, wartet bereits vor seiner Villa Jasna. Er trägt eine weiße Wollhose, ein blumenbesticktes Wams und einen mit Muscheln verzierten Hut. „Das ist die Tracht des Volks der Goralen“, erklärt der pensionierte Agrarwissenschaftler.

In seinem blühenden Garten hinter dem Haus, teilen sich rund 240 rein biologisch angebaute Gemüsesorten, Kräuter und Blumen die Beete. Ein Paradies für Bienen und Hummeln. Das Bewahren und Überliefern alten Wissens um die Heilkraft und die Aromenvielfalt von Kräutern sei die Kernidee hinter der Kräuterroute, erklärt Andrzej. Naturfreunde und Gourmets würden das Konzept, das Agrotourismus und Slow Food kombiniert, schätzen. Andrzej kennt die Wirkung jeder Pflanze: welche gesund macht und welche giftig ist. Er pflückt einen Wedel ab. „Das ist Wermut, daraus wird Absinth gemacht“, erklärt er und fügt mit schelmischem Blick hinzu, dass dem Kraut auch nachgesagt wird, dass es der Liebe auf die Sprünge helfen soll.

Viele Kräuter und Früchte des Gartens beenden ihr Leben in einer Flasche, als Liköre und Schnäpse, die nicht nur lecker sind, sondern laut Andrzej sich durchwegs positiv auf die Gesundheit auswirken. Derweil der Gaumen noch unschlüssig ist, was nun besser schmeckt – der süße Aronialikör oder die würzige Variante mit Zitronen und Ingwer – serviert Andrzejs Ehefrau Barbara selbst gemachte Kräuterpestos zu frischem Brot. Wer nicht genug von Andrzejs Wissen bekommen kann, sollte unbedingt länger bleiben und an einem Seminar teilnehmen. Von den komfortablen Zimmern der Villa aus blickt man auf den Garten oder auf den Czorsztyn-See mit der Burgruine und die Gipfelkette der Hohen Tatra.

Steile Felswände mit dichten Wäldern ragen an den Ufern des sagenumwobenen Dunajec auf, und man weiß nie, welche Richtung der Fluss nach der nächsten Biegung einschlägt.
Steile Felswände mit dichten Wäldern ragen an den Ufern des sagenumwobenen Dunajec auf, und man weiß nie, welche Richtung der Fluss nach der nächsten Biegung einschlägt.
Foto: Manon Kramp

Der Pieninen Nationalpark ist geprägt von Bergen, Plateaus mit ausgedehnten Grasflächen und Wäldern. Die Pieninen sind ein beliebtes Urlaubsgebiet der Polen und entlang der Routen finden sich bezaubernde Dörfer mit schmucken Holzhäusern. Man sollte sich Zeit nehmen und die Pisten erkunden, die bis hoch in die Berge hinaufführen. In den verwitterten Berghütten wird oft noch Oscypek hergestellt, ein in Formen gepresster Käse aus Schafsmilch mit starkem Räucheraroma. Ein ideales Mitbringsel, das aber gut eingepackt gehört.

Floß ahoi!

Eine besondere Art, um die Region zu entdecken, bietet sich bei einer Floßfahrt über den Fluss Dunajec, der im Süden die Grenze zwischen Polen und der Slowakei bildet. Das Flussbett des Dunajec, der das Kalkgestein der Pieninen zu tiefen Schluchten ausgehöhlt hat, ist recht flach, sodass die Flößer ihre schmalen, aneinandergebundenen Holzbarken anhand langer Staken manövrieren. Steile Felswände ragen an den Ufern auf, während der Fluss sich in sieben Schlingen mal gemächlich, mal durch Stromschnellen beschleunigt, durch die Tallandschaft mit ihren dichten Wäldern windet. Ab der Anlegestelle in Sromowce Wyzne-Katy dauert die Strecke – je nach Laune des Flusses – zwischen zwei und drei Stunden.

Das Gebiet ist ideal für Wanderer, Wintersportler und vor allem Reiter. Als Begleiter für ausgedehnte Reittouren eignen sich die kleinen Huzulen. Die robuste und langlebige Ponyrasse, stammt aus der Huzulei, einer Region in den Ostkarpaten, wo sich die Nachfahren der Tartaren und Kosaken niederließen. Man schätzt die Tiere wegen ihres freundlichen Charakters, ihrer Trittsicherheit und ihrem ausgeprägten Instinkt für Gefahren.

Ein Hauch von Wildem Westen

Lange Zeit galt die Rasse als bedroht, konnte aber dank des Einsatzes einiger Zuchtbetriebe überleben, sodass wieder frei lebende Herden umherstreifen. Im Staatsgestüt Gładyszów in Rigietów trägt Direktor Stanisław Ciuba mit strenger Miene die Geschichte der kleinen Pferde vor, und führt durch das hauseigene Museum. Etliche Auszeichnung haben die Pferde schon bekommen und sogar in Filmen mitgewirkt.

Die vom ausgestorbenen Tarpan-Wildpferd abstammenden Huzulen haben eine Widerristhöhe zwischen 132 und 145 Zentimetern.
Die vom ausgestorbenen Tarpan-Wildpferd abstammenden Huzulen haben eine Widerristhöhe zwischen 132 und 145 Zentimetern.
Foto: Manon Kramp

Die von vier Huzulen gezogene Kutsche ächzt den Pfad hinauf zu den Bergweiden. „Die genügsamen Huzulen können das ganze Jahr im Freien gehalten werden“, erklärt der Direktor. Er taut langsam auf und schenkt wohlwollend selbst gemachten Wodka aus. Als Wegekost gibt es sauer eingelegte Gurken und, damit der Wodka gut rutscht, Brotscheiben mit geräuchertem Fisch, der sich aber nachträglich als Speck entpuppt. Die Kutsche hält an. „Dort oben sind sie“, ruft der Direktor. Das Donnern der Hufe lässt den Boden vibrieren, als die gut hundertköpfige Herde in der Ferne vorbei galoppiert. Der Anblick so vieler wild lebender Pferde ist beeindruckend und Stanisław strahlt angesichts der Begeisterung, die seine kleinen Pferde hervorrufen. Zum Angebot seines Reiterhofs mit Gästehaus gehören neben Reitkursen, mehrtägigen Geländetouren und Kutschenfahrten im Winter auch Schlittenfahrten mit Pferdegespannen. Auf der Freilichtbühne werden sogar Opern aufgeführt. Zum Abschied tischt Staniław Kuchen auf, man fällt sich in die Arme – und dann gibt es nochmals Wodka mit Speck.

Lokale Kost für Feinschmecker

In Malopolska wird gerne und üppig gespeist. Doch so viel, wie einem meist aufgetischt wird, kann man einfach nicht essen. Die junge Kellnerin des Restaurants Goscinna Chata lacht und erklärt das Phänomen: „Der Gastgeber will den Gästen seine Wertschätzung zeigen. Niemand erwartet wirklich, dass alles aufgegessen wird.“ Ihr Gasthaus in Wysowa Zdrój ist auf regionale Küche spezialisiert. Man sollte hier neben den traditionellen polnischen Gerichten auch die Küche der in der Region ansässigen Lemken-Minorität probieren.

Beliebt sind Borschtsch, saure Suppe aus fermentiertem Roggen, Knödel und Mehlspeisen, Hackbraten, Kohlrouladen und Griebenschmalz. Als Beilagen gibt es verschiedene Kohlarten, Bohnen, gebackenen Schafskäse oder Kartoffelkuchen. Besonders Piroggen gibt es in vielen Variationen – mit Fleischfüllung, Käse oder Obst. Und zur Verdauung gönnt man sich ein Gläschen Slivovitz aus süßen Pflaumen und – Wodka. Na zdrowie!


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