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Stylianee Parascha im Interview: „Buy less, choose well, make it last“
Lifestyle 5 Min. 25.04.2017

Stylianee Parascha im Interview: „Buy less, choose well, make it last“

Stylianee Parascha (2.v.l.) und sechs Models in einer von ihr kreierten Upcycle-Kollektion.

Stylianee Parascha im Interview: „Buy less, choose well, make it last“

Stylianee Parascha (2.v.l.) und sechs Models in einer von ihr kreierten Upcycle-Kollektion.
Foto: Organic Technoloji
Lifestyle 5 Min. 25.04.2017

Stylianee Parascha im Interview: „Buy less, choose well, make it last“

Am 29. April findet in den Rotondes in Luxemburg-Stadt ein „Ethical Fashion Market“ unter dem Motto „Fashion Revolution“ statt. Wir sprachen im Vorfeld mit Organisatorin und Designerin Stylianee Parascha über nachhaltige und fair produzierte Kleidung, Second Hand und ihr eigenes Label What.Eve.Wears.

Interview: Christiane Petri

Stylianee Parascha, wofür steht „Ethical Fashion“, also aus ethischen Gesichtspunkten korrekt hergestellte Kleidung?

„Ethical Fashion“ steht für all die Mode, die nicht unethisch ist. Es geht um Mode, die aus ethischen und ökologischen Gesichtspunkten auf vernünftige Art produziert wurde. Mode aus natürlichen Materialien, die biologisch abbaubar sind und recycelt werden können. Mode, deren Produktionsprozess sich zurückverfolgen lässt. Ethisch bezieht sich aber natürlich auch auf die Arbeitsbedingungen. Es geht um Kleidung, hergestellt von Menschen, die nicht ausgebeutet wurden. Kleidung, für die keine Kinder arbeiten müssen. Ein Pullover, der nicht aus Naturmaterialien besteht, der aber von Menschen gefertigt wurde, die angemessen für ihre Arbeit bezahlt wurden – auch der besitzt einen ethischen Wert. „Ethical Fashion“ hat sehr viele Dimensionen.

Was genau steckt hinter der Initiative „Who made my clothes“?

Die Initiative wurde 2013 ins Leben gerufen als Reaktion auf das Desaster in Bangladesch, als beim Einsturz eines Gebäudes, in dem mehrere Textilfabriken untergebracht waren, mehr als 1 000 Menschen starben und über 2 500 verletzt wurden. Das Ziel der Kampagne ist es, die Konsumenten dazu zu bringen, ganz gezielt bei den Geschäften nachzufragen, wo die Kleidung, die sie einkaufen, herkommt, wer sie produziert hat und unter welchen Bedingungen sie produziert wurde. Das geschieht vor allem über Twitter und Instagram.

Spiegelt sich der ethische Wert von Kleidung in ihrem Preis wider? Ist teure Kleidung automatisch wertvoller aus ethischer Sicht?

Nein, nicht unbedingt. Viele Luxusmarken lassen ihre Ware in denselben Menschen ausbeutenden Fabriken herstellen wie Billigmarken. Es gab ja schon einige Skandale, die das deutlich gemacht haben. Häufig spiegelt sich nicht einmal die Qualität in dem überhöhten Preis wider. „Ethical Fashion“ ist aber ganz klar teurer als die „normale“ Mode. Doch hier bezahlt man für echte Qualität und für die Gewissheit, dass niemand für dieses Kleidungsstück leiden musste oder ausgebeutet wurde. Und man bezahlt dafür, dass man an dem Kleidungsstück länger Freude hat. Ein Billig-Shirt hält vielleicht höchstens eine Saison oder ist sogar nach drei oder vier Waschgängen aus der Form oder die Knöpfe fallen ab. „Ethical Fashion“ kauft man für Jahre.

Shopping ist ja zu einer echten Freizeitbeschäftigung, einem Hobby geworden. Man weiß ja, dass man nicht noch eine Hose oder noch ein T-Shirt braucht. Geht das Kauferlebnis mit „Ethical Fashion“ verloren?

Kauft man ethisch korrekte Mode ein, dann erfährt man ein anderes Erlebnis. Wenn ich heute etwas Bestimmtes suche, dann freue ich mich, das Kleidungsstück über einen anderen Weg zu finden. Vielleicht werde ich online, in Second-Hand-Shops, via Facebook oder auf Kleidermärkten fündig. Ich erfahre eine größere und auch länger anhaltende Genugtuung, wenn ich dieses ganz besondere Teil dann auch gefunden habe. In Finnland beispielsweise wird Second-Hand-Shopping ganz, ganz groß geschrieben. Die Finnen werfen keine Kleidung weg oder stecken sie in Recycling-Tüten. Sie spenden sie oder verkaufen sie in speziellen Second-Hand-Shops, den Kirppis. Die gibt es überall. Und hier kaufen alle ein – arm, reich, der Status spielt keine Rolle. Im Vereinigten Königreich ist das ähnlich. Dort sind Charity Shops total angesagt.

An welchem Konsumentenverhalten muss Ihrer Meinung nach am dringendsten gearbeitet werden?

Am Überkonsum. Die Leute kaufen Kleidung ein – und ich hab das früher auch getan –, die sie nie tragen werden. Die Kleidungsstücke werden mit dem Preisschild in den Schrank gestopft und bleiben dort unangerührt. Oder sie tragen ein Kleidungsstück vielleicht einmal, stellen dann aber fest, dass es ein Fehlkauf war. Man sollte nur dann Geld für ein Kleidungsstück ausgeben, wenn man überzeugt davon ist, es auch wirklich oft zu tragen. Die Eco-Fashion-Aktivistin Livia Firth bringt es genau auf den Punkt, indem sie sagt: „Beim Shoppen sollte man sich jedes Mal fragen: Werde ich dieses Kleidungsstück mindestens 30 Mal tragen?“

Also keine Spontankäufe mehr?

Jeder sollte sich zumindest seiner Spontan- bzw. Impulskäufe bewusst sein und dann versuchen, diese so gut es geht zu vermeiden. Je mehr die Leute realisieren, dass es simple Reizkäufe sind, die sie tätigen, desto mehr Gedanken machen sie sich und fragen sich hoffentlich auch, ob sie das Kleidungsstück wirklich brauchen?

Wie viel Fashion-Konsum ist denn okay?

Bereits vor Jahrzehnten kam das Konzept „Capsule Wardrobe“ im Vereinigten Königreich auf. Es geht dabei darum, eine kleine Anzahl, vielleicht zwölf wesentliche Basic-Kleidungsstücke im Kleiderschrank zu haben, die man auf verschiedene Art und Weise tragen und deren Look man mit Accessoires, Schmuck usw. verändern kann. Es spricht nichts dagegen, vereinzelt trendige Kleidungsstücke, die sich gut kombinieren lassen, dazu zu kaufen.

Also mit Kreativität seinen eigenen Stil finden?

Ja. Auf keinen Fall den Stil im Modemagazin eins zu eins übernehmen. Kreativ sein und mit Accessoires seinen ganz eigenen Stil finden.

Was macht Ihr eigenes Label What.Eve.Wears zu einem „Ethical Label“?

Ich arbeite ausschließlich mit natürlichen Materialien, beispielsweise mit recyceltem Baumwollgarn. Zudem werden meine Kreationen in Griechenland, in der Nähe meiner Heimatstadt Thessaloniki, von einem Familienbusiness, einem Mutter-Tochter-Unternehmen, produziert. Ich weiß genau, was in meinen Kleidungsstücken steckt und wer daran gearbeitet hat. Allerdings konzentriere ich mich momentan noch nicht so sehr auf den Verkauf meiner Kreationen. Das kommt später.

Welche ethisch korrekten Modelabel mögen Sie besonders? Was tragen Sie gerne – außer ihre eigenen Designs?

People Tree, eine wirklich inspirierende Marke, oder Mud Jeans aus den Niederlanden. Auf projectjust.com entdecke ich immer wieder neue ethisch korrekte Label, die mir gefallen.

Was ist Ihr Fashion-Credo?

Dafür zitiere ich gerne Vivienne Westwood mit „Buy less, choose well, make it last“. Ich liebe meine Kleidungsstücke. Ich möchte, dass sie lange halten und ich verbinde bestimmte Erinnerungen mit ihnen. Ich weiß zum Beispiel, in welchen besonderen Momenten ich welches Kleidungsstück getragen habe und besitze dieses Kleidungstück noch. Mit „Fast Fashion“ funktioniert das nicht.


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