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Stranda in Norwegen
Lifestyle 3 Min. 04.12.2015 Aus unserem online-Archiv
Abfahren mit Fjordblick

Stranda in Norwegen

Von der Piste am Roaldshorn fällt der Blick über den Fjord - für Wintersportler sicher kein gewöhnlicher Anblick.
Abfahren mit Fjordblick

Stranda in Norwegen

Von der Piste am Roaldshorn fällt der Blick über den Fjord - für Wintersportler sicher kein gewöhnlicher Anblick.
Foto: dpa
Lifestyle 3 Min. 04.12.2015 Aus unserem online-Archiv
Abfahren mit Fjordblick

Stranda in Norwegen

Stranda ist ein kleines Skigebiet in Norwegen mit zwei großen Vorteilen: ein fantastischer Ausblick von der Piste über den Fjord und leere Pisten.

(dpa/tmn) - Irgendwann reißen die Wolken auf, und das Fantasiebild wird wahr: Die Piste glitzert in der Sonne, und im Hintergrund, weit unten zwischen schneebedeckten Bergen, erstreckt sich der tiefblaue Fjord. Dieses Bild war der Grund für die weite Reise nach Norwegen, zum Skigebiet Stranda.

Mit seinen 25 Kilometern Piste ist es das größte Skigebiet in den Sunnmørsalpen, eine Stunde Fahrt südöstlich der Jugendstil-Stadt Ålesund. Es besteht aus zwei Bergen, zwischen ihnen liegen die Talstationen, der Parkplatz und der Skiverleih. An wenigen Orten in Europa fällt mehr Schnee als hier: im Schnitt acht Meter pro Jahr.

„20 Minuten aufsteigen, 1100 Höhenmeter abfahren, das ist der feuchte Traum jedes Skitouren-Anfängers“, schwärmt Oscar Almgren. Der 30 Jahre alte Guide sieht mit seinen schulterlangen, blonden Haaren, dem Sieben-Tage-Bart und den eisblauen Augen aus wie Kurt Cobain in gesund. Almgren führt seit sieben Jahren Freerider und Skitourengeher durch die Sunnmørsalpen. Er stammt aus Schweden und ist der Schnee- und Lawinenexperte von Stranda.

Oscar Almgren (l) und sein Kumpel Tom Anker Skrede sind unterwegs auf der Blaeja-Route - dort treffen sie unter der Woche kaum andere Skitourengeher.
Oscar Almgren (l) und sein Kumpel Tom Anker Skrede sind unterwegs auf der Blaeja-Route - dort treffen sie unter der Woche kaum andere Skitourengeher.
Foto: dpa

„Fantastisch“, sagt er an diesem Morgen, als er zum ersten Mal aus dem Sessellift rutscht und den Hang quert. Über Nacht sind 20 Zentimeter Schnee gefallen. Und es schneit weiter. Der Plan war eigentlich, den halben Tag auf der Piste zu fahren. „Nicht heute“, sagt Almgren und lächelt selig. Dann wedelt er mit lockeren Schwüngen den Hang hinab. Mühelos gleitet er durch den Pulverschnee.

Stranda ist ein guter Ort, um das Fahren im Tiefschnee zu lernen. Viele Abfahrten hier sind relativ einfach: breite Hänge, nicht übermäßig steil. Almgren lebt in einem Holzhaus neben dem Ende einer der berühmtesten Abfahrten, der „Grandiosa“. Benannt wurde sie nach dem Klotz hinten im Tal, der größten Tiefkühlpizza-Fabrik Norwegens.

Der Tourismus spielt bisher eine Nebenrolle, im Winter kamen lange nur Skifahrer aus der Gegend. 1956 lief der erste Lift in Stranda. Lange gab es nur drei Schlepplifte, die im Jahr 2009 kurz davor waren, geschlossen zu werden. Die Behörden stellten den Betreibern ein Ultimatum: entweder renovieren oder abreißen. Die Gemeinde entschloss sich zu investieren. Insgesamt steckte sie 20 Millionen Euro in das Skigebiet.

Wer gerne im Tiefschnee fährt, ist im Skigebiet Stranda genau richtig.
Wer gerne im Tiefschnee fährt, ist im Skigebiet Stranda genau richtig.
Foto: dpa

„Es gab viel Kritik“, erzählt Tom Anker Skrede, der jahrelang das Marketing für Stranda machte. „Man debattierte, ob die Gemeinde das Geld nicht sinnvoller in einen Kindergarten oder eine Schule investieren sollte.“ Wie sich herausstellte, hatte sich Stranda übernommen. Im Jahr 2014 verkaufte die Gemeinde das Skigebiet. Die Käufer, drei Geschäftsleute, wollen es weiterentwickeln. Derzeit kommen 350 000 Besucher pro Saison. Die meisten Gäste sind Wochenend-Ausflügler aus Ålesund. Unter der Woche ist es sehr ruhig.

Oscar Almgren fährt zur Kante des Hangs, der links von der Piste abfällt - mit 45 Grad Neigung. Er möchte ein schwarz-gelb-gestreiftes Seil spannen und am einzigen Durchgang ein Warnschild aufstellen. Denn vor dem vergangenen Winter wurde ein neuer Schlepplift gebaut, damit die Skifahrer auch auf den Berg gelangen, wenn zu viel Wind für den Vierersessel weht. Seitdem kommen auch viele Unerfahrene zu dem Steilhang, die einfach den Spuren der anderen folgen.

„Wenn man den Berg kennt, ist es aber kein Problem“, sagt Almgren und beweist das gleich: Er stürzt sich in den Steilhang hinein und kurvt zwischen den Birken hindurch. Unten angekommen, quert er zurück zur Talstation. „Wenn man andere Abfahrten nimmt, kann man sich vom Skitaxi abholen und zurück zum Lift bringen lassen“, sagt er.

Der Tourismus in Stranda lag lange im Dornröschenschlaf - und auch heute kommen längst nicht so viele Urlauber wie in den meisten Alpen-Skigebieten.
Der Tourismus in Stranda lag lange im Dornröschenschlaf - und auch heute kommen längst nicht so viele Urlauber wie in den meisten Alpen-Skigebieten.
Foto: dpa

An diesem Tag ist das Wetter typisch für die Fjord-Region: Es ändert sich ständig, und zwar rasant. Morgens fällt sanft Schnee, mittags scheint kurz die Sonne, und nachmittags wächst sich der Wind zu einem Schneesturm aus. Doch über Nacht flaut der Sturm wieder ab, und am nächsten Morgen blitzt die Sonne über die Bergspitzen.

Die Gondel fährt hinauf aufs Roaldshorn. Der 1288 Meter hohe Berg ist die Sahneseite des Skigebiets. Hier wurden die fantastischen Fotos geschossen, die jedes Jahr mehr Gäste nach Stranda locken: Freerider mit Pulverschweif vor dem tiefblauen Fjord. Vom Gipfel hat man einen 360-Grad-Blick über die Sunnmørsalpen, an klaren Tagen sieht man bis Romsdal, Ålesund - hinaus aufs Meer.


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