Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Sportliche Flitzer unter Strom
Lifestyle 4 Min. 22.11.2019

Sportliche Flitzer unter Strom

Der E-Motor im Audi RS 7 soll beim Anfahren und Beschleunigen helfen.

Sportliche Flitzer unter Strom

Der E-Motor im Audi RS 7 soll beim Anfahren und Beschleunigen helfen.
Foto: Hersteller
Lifestyle 4 Min. 22.11.2019

Sportliche Flitzer unter Strom

Immer mehr Werkstuner und Sportwagenhersteller entdecken die Elektrifizierung - denn für Mercedes, BMW und Audi gibt es nicht einfach nur ein "Weiter so".

Von Thomas Geiger (dpa)

Nicht nur die Sportwagenhersteller selbst beginnen schrittweise mit der Elektrifizierung ihrer Tiefflieger, sondern auch die Sportabteilungen drehen ihren Modellen zusehends mit elektrischer Unterstützung den Benzinhahn zu. Dabei bewegen sie sich auf einem schmalen Grat, sagt Jan Burgard vom Strategieberater Berylls: Auf der einen Seite werde die Rolle der Werkstuner als Stimmungsmacher immer wichtiger. Denn während sich die Mutterhäuser einen vernünftigen Anstrich geben und auf die Emissionen achten, können sie weiterhin Emotionen liefern, die dann auf den gesamten Markenverbund abstrahlen.

Weil die Stückzahlen klein sind, hält sich der negative Einfluss auf den Flottenverbrauch in Grenzen. "Und weil die Zahlungsbereitschaft der Kunden tendenziell größer ist, können sich die Hersteller den technischen Aufwand genau wie die Ausreißer in der Statistik gut bezahlen lassen", sagt der Experte. Doch auf der anderen Seite müssen auch sie ihren Beitrag zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks leisten und zugleich die gestiegenen Umweltansprüche einiger Kunden erfüllen: "Effizienz ist zu einem Hygienefaktor geworden. Wer Gas gibt, will kein notorisch schlechtes Gewissen mehr haben."

Für den Mercedes-Ableger AMG, die M GmbH von BMW und für Audi Sport gibt es nicht einfach nur ein "Weiter so". "Wir stehen unter Strom und elektrifizieren schrittweise unser ganzes Portfolio", sagt Oliver Hoffmann. Er ist einer der beiden neuen Chefs bei Audi Sport und hat vor wenigen Wochen auf der IAA in Frankfurt am Main den 441 kW (600 PS) starken RS 7 enthüllt, mit dem in seiner Flotte der Mild-Hybrid-Einzug hält. Dort unterstützt ein E-Motor beim Anfahren und Beschleunigen. Das soll vor allem den Alltagsverbrauch senken, selbst wenn der RS 7 keinen Meter elektrisch fahren kann.

Doch das ist nur der Anfang, sagt Hoffmann. Während er die Mild-Hybrid-Technik weiter ausrollen will, bestätigt er für das kommende Jahr den eng mit dem Porsche Taycan verwandten e-tron GT als erstes rein elektrisches Auto bei Audi Sport, stellt mittelfristig Plug-in-Hybride in Aussicht und will auch den Nachfolger des R8 unter Strom setzen.

Auch die BMW M GmbH bereitet sich auf die Zeit des Strippenziehens vor und legt bald dicke Stromkabel ins Auto. Ihre aktuellste Neuheit, der M8, erreicht seine 305 km/h Spitzentempo zwar noch mit einem konventionellen V8-Turbo mit 460 kW (625 PS) und die einzigen E-Motoren an Bord bewegen Sitze, Spiegel, Fenster oder Scheibenwischer.

Doch auf der IAA drehte sich im Rampenlicht schon die Vision M Next, die optisch an den seligen M1 erinnert und technisch in die Zukunft weist. Schließlich wird das Coupé angetrieben von einem Plug-in-Paket mit einem aufgeladenen Vierzylinder, je einem E-Motor pro Achse, einer Systemleistung von 441 kW (600 PS) und einer rein elektrischen Reichweite von 100 Kilometern.

Natürlich ist das nur eine Studie, doch lässt M-Chef Markus Flasch keinen Zweifel an der Richtung: "Wir arbeiten derzeit intensiv an der Elektrifizierung künftiger M-Modelle und suchen zum Beispiel nach passenden Hybrid-Lösungen, die unseren Kunden einen echten Mehrwert an Effizienz und Fahrdynamik bieten."

Gas geben ohne schlechtes Gewissen

Sein Kollege Tobias Moers vom Mercedes-Ableger AMG sieht das nicht anders. Nicht nur, dass er gerade versucht, mit dem Project One zumindest in einer millionenschweren Kleinserie Formel-1-Technik auf die Straße zu bringen – samt deren Hybrid-Modul. Sondern auch die anderen Modelle werden schrittweise elektrifiziert: Genau wie beim Audi RS 7 ist zumindest der elektrische Starter-Generator bei den 53er-Modellen etwa im neuen GLE mittlerweile Standard und wird über kurz oder lang auch in den anderen Baureihen Einzug halten. Ab 2021, so hat es Moers kürzlich in einem Interview bestätigt, soll jedes neue Modell in irgendeiner Weise elektrifiziert sein.

Obwohl sie nicht auf Großserientechnik zurückgreifen und für kleine Stückzahlen einen großen Entwicklungsaufwand treiben müssen, ändern auch die reinen Sportwagenhersteller ihre Antriebsstrategie: Egal ob McLaren oder Aston Martin, Lamborghini oder Ferrari – sie alle elektrifizieren schrittweise ihre leistungsstarken Verbrenner und nehmen PS-Fans so peu à peu die Reue.


Auswahl von Harley-Davidson Modellen / Foto: Lucien WOLFF
Topmodelle auf zwei und vier Rädern
Dicke Auspuffe und glänzender Chrom: Rund 600 Autos und Motorräder mit ordentlich viel PS sind bei der International Motor Show auf der Luxexpo zu sehen.

Das beginnt beim elektrischen Startergenerator wie im kürzlich enthüllten Lamborghini Sián, der die Leistung des 6,5 Liter großen V12-Motors auf 602 kW (819 PS) steigert und das radikale Coupé zum bislang stärksten Auto in der Firmengeschichte macht. Und reicht bis hin zum rein elektrischen Antrieb, den die beiden britischen Marken für die nächsten Jahre angekündigt haben.

Doch puristische Petrolheads können beruhigt sein und wohl weiter nach guter alter Sitte Gas geben. Diesen konservativen Optimismus schürt ausgerechnet Porsche-Chef Oliver Blume, der nach dem Marktstart des Taycan als erstem vollelektrischen Modell der VW-Tochter gerade wie kein anderer Sportwagenchef unter Strom steht. Denn bei der Präsentation des Akku-Autos hat er versprochen, dass es bei Porsche immer auch einen Platz für reine Verbrenner in Sportwagen wie dem 911 geben wird. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Neuer VW Golf: Vernetzt und intelligent
Seit 45 Jahren baut Volkswagen den Golf. Das wichtigste Auto der Wolfsburger fährt im Dezember in achter Generation vor und setzt dabei vor allem auf maximale Vernetzung und sparsame Motoren.
Neuheiten auf der IAA: Vernetzt und elektrisiert
219 Weltpremieren stehen auf dem Programm der IAA. Alle Marken zeigen ihre neuen Modelle, doch genauso interessant sind neue Technologien wie alternative Antriebe oder neuartige Karosserieformen. Das Hauptthema dieses Jahr: Das Auto in der vernetzten Welt.
Dieser Zuschauer inspiziert einen 2-Liter Diesel TDI-Motor von Volkswagen.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.