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Sportiver Gentleman legt nach
Lifestyle 13 2 4 Min. 14.03.2015 Aus unserem online-Archiv
Fahrbericht Bentley Continental GT V8 S

Sportiver Gentleman legt nach

Lifestyle 13 2 4 Min. 14.03.2015 Aus unserem online-Archiv
Fahrbericht Bentley Continental GT V8 S

Sportiver Gentleman legt nach

Atemberaubende Linien, Lack und Leder, dazu ein bärenstarkes Herz, was will der verwöhnte Auto-Aficionado mehr? Schön, dass es noch Traumwagen gibt.

(TJ) - Es gibt sie noch: Die automobilen Träume. In Zeiten turbo-geladener Kompaktflitzer und üppig motorisierter Limousinen wird es allerdings zunehmend schwerer, sich von der breiten Masse abzusetzen.

Ein Coupé mit Exklusivitätsfaktor und sportlichen Genen ist der zweitürige Bentley anerkanntermaßen. Doch was kann ein V8 S, was ein V8 nicht kann? Was kann er, was ein Luxusfahrzeug "von der Stange" nicht kann? 

Vor allem kann er auftreten. Tiefergelegt und mit allerlei sportlichem Zierrat versehen, lässt der V8 S den Sportler weit mehr heraushängen, als der Ur-Continental mit Zwölfzylindermotor. Auch wenn dieser nominell stärker ist, der eigentliche Dynamiker ist der V8 (mit 4,0-Liter-V8 von Audi).

Der Continental GT ist ein Erfolgsmodell. Nicht ganz so wuchtig und deutlich sportlicher wie der viertürige Mulsanne, konnte der Zweitürer eine dynamische Kundschaft für die edle Marke erobern. Er ist eine schicke Alternative zum Porsche oder zum Ferrari und kann mit ähnlichen Fahrleistungen überzeugen. 

Der GT V8 in Fotos:

Die Käufer sollten allerdings auch Erfolgsmodelle sein: Mindestens 185.000 Euro müssen an den Händler überwiesen werden, will man sich ans Steuer setzen. Im Fall unseres Testwagens, ausgestattet mit Keramikbremsen (13.000 Euro) und einigen zusätzlichen Goodies, waren es sogar 229.000 Euro.

Die Exklusivität ergibt sich also aus dem Preis. Doch wo sonst kriegt man etwa handgesteppte Ledersessel oder etwa eine Lackierung in jeder (!) nur erdenklichen Farbe. Ganz besonders für den Teil der verwöhnten Kundschaft, der ein 6,0-Liter-Zwölfzylinder wegen seines Durstes politisch zu unkorrekt ist, die 507 Pferdestärken jedoch einen Tick zu schwach klingen (!), hat die britische Nobelschmiede mit dem neuen GT V8 S seit Kurzem das Richtige in petto.

Die Leistung konnte gegenüber dem GT V8 um 21 Pferdestärken, das Drehmoment um 20 Nm auf 680 Nm ab 1.700 Umdrehungen gesteigert werden. Doch reine Motorleistung bringt nicht alles, wenn man sie nicht korrekt auf die Straße bringt: Das Fahrwerk wurde um 10 Millimeter abgesenkt, was den Wagen nicht nur satter auftreten lässt, zudem ist das variable Fahrwerk neu abgestimmt und leistet sich weder im Komfort- noch im Sportmodus irgendwelche Schwächen. 


Damit nicht genug: Der V8 S hat allerlei sportlichen Zierat und wirkt dynamischer, sportlicher als seine Brüder. 40 Prozent der Kraft schickt der Bentley an die Vorderräder, der Rest der Urkraft fällt beim Niedertreten des Gaspedals über die Hinterräder her. Vollgas bedeutet in diesem Fall eine Orgie aus V8-Bollern und freien G-Kräften. Nach exakt 4,5 Sekunden schießt der Brite durch die 100-Km/h-Schallmauer, hat die Achtgang-Automatik die dritte Fahrstufe eingespannt und ehe man sich umsieht, eilt die Tachonadel schon über die 160-Km/h-Markierung auf der bis 340 km/h reichenden Skala hinweg. Ließe man den rechten Fuß auf dem Blech liegen, würde der Continental irgendwann pro Stunde 309 Kilometer weit fahren.

Gut gefallen hat die Abstimmung der Getriebeautomatik. Im Normalmodus schaltet sie früh hoch und lässt die Kurbelwelle sich mit rund 1.500 Umdrehungen pro Minute gelangweilt die Zeit vertreiben, was der allgemeinen Ruhe an Bord und dem Verbrauch zugute kommt.

Ein völlig anderes Auto erwacht im "Sport"-Modus: Höhere Drehzahlen lassen den Continental giftiger auf Gaspedalbewegungen reagieren, zudem geschehen die Gangwechsel rauher, dafür aber auch blitzschnell. Nur wenige Automobile beherrschen den Spagat zwischen Sport und Komfort so eindrücklich, wie der GT V8.

Teddy Jaans

Dass die britischen Ingenieure keine rücksichtslosen Umweltrowdys sind, beweist der Einsatz von Spritspartechnologien wie der Zylinderabschaltung. Im Teillastbereich sorgen nur vier der acht Verbrennungstöpfe für Vortrieb, die restlichen werden einfachhin verschlossen und pumpen leer auf und ab. So lässt sich selbst der Durst eines –-zugegebenermaßen leicht unvernünftigen – Luxussportlers auf vertretbare 10,7 Liter je 100 Kilometer drücken.

In der Praxis waren wir bei moderater Fahrweise mit einem Liter mehr unterwegs, was an und für sich respektabel für den 2,3 Tonner ist. A propos Gewicht: Der V8 ist im Vergleich zum W-12-Zylinder deutlich weniger kopflastig und lässt sich mit einem klitzekleinen Hang zum Untersteuern ums Eck werfen, dass man Angst haben muss, die Straßenmarkierungen vom Asphalt zu radieren. 

Doch meist schweigt der Gentleman und genießt. Man könnte, wenn man wollte und das zu wissen, reicht zu entspannter Fahrweise völlig aus. Und wenn ein GTI an der Ampel nervös zum Duell provozieren will, lässt man ihn einfach ziehen. Ihn zu versägen wäre so was von einfach ... aber billig. Das einzige, was der Bentley luxusverwöhnten Kunden nicht anbietet, ist die smarte Beifahrerin mit wehender Lockenmähne. Doch die findet sich auch noch ...

Übrigens gibt es den Wagen für Frischluftfanatiker auch als Cabriolet. Die testeten wir 2012, damals noch als "normaler" V8 bei einer ausführlichen Ausfahrt an die Mosel.



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