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Skoda Citigo e iV: Der Speckgürtel-Sprinter

Skoda Citigo e iV: Der Speckgürtel-Sprinter

Skoda Citigo e iV: Der Speckgürtel-Sprinter

Skoda Citigo e iV: Der Speckgürtel-Sprinter


von Claude FEYEREISEN/ 14.07.2020

Mindestens 22.400 Euro kostet der Skoda Citigo e iV Style. Abzüglich der Prämie ist der Zwillingsbruder des VW e-up kaum teurer als ein herkömmlicher Kleinwagen.

Mindestens 22.400 Euro kostet der Skoda Citigo e iV in Style-Ausführung. Abzüglich der Prämie von Papa Staat ist der Zwillingsbruder des VW e-up kaum teurer als ein Kleinwagen mit Verbrennungsmotor. Ob der Stromer eine Alternative dazu ist?

8.000 Euro – das ist der Betrag, den die Regierung beisteuert, wenn man sich ein fabrikneues Elektroauto zulegt. Die Prämie ist Bestandteil des Maßnahmenpakets „Neistart Lëtzebuerg“

Da beginnen selbst bekennende E-Auto-Skeptiker abzuwägen und zu rechnen. Ob sich der Kauf eines Elektroautos nicht doch lohnen würde? Als Zweitwagen etwa? Zum Pendeln?

Der Skoda Citigo ist ein echter Vierstzer.
Der Skoda Citigo ist ein echter Vierstzer.
Foto: Pierre Matgé

Die Suche beginnt. Spaßmobile wie der Renault Twizy oder Zweitürer à la Smart Fortwo scheiden für viele von vornherein aufgrund bauartbedingter Einschränkungen aus. Schnell rücken erschwingliche viertürige Alternativen wie der Skoda Citigo e iV in den Fokus des Interesses.

4 Türen + 4 Sitze = vollwertiges Auto

Seine vier Türen und vier Sitze machen den kleinen Tschechen zum vollwertigen Automobil. Auf den Vordersitzen hat man gar das Gefühl, in einem Fahrzeug der nächsthöheren Kategorie zu sitzen, derart üppig ist die Bewegungsfreiheit. Die kastige Form des Kleinwagens hat so am Ende doch ihr Gutes. Sogar im Fond sitzt es sich ausreichend bequem, so lange die Frontpassagiere nicht größer als 1,80 sind. Hinzu kommt ein Kofferraumvolumen von 250 Litern, was für den Wocheneinkauf allemal reichen sollte.

Etwas angejahrt, aber funktional: das Armaturenbrett.
Etwas angejahrt, aber funktional: das Armaturenbrett.
Foto: Pierre Matgé

Innenraumeinrichtung und Mobiliar sind für einen Kleinwagen sehr ordentlich verarbeitet, versprühen aber den Charme eines Autos von vor zehn Jahren – was wiederum insofern richtig ist, als der Skoda Citigo zusammen mit seinen Konzernbrüdern VW up und Seat Mii bereits 2011 beziehungsweise 2012 auf den Markt gekommen ist. Den heutzutage üblichen berührungsempfindlichen Bildschirm (Touchscreen) sucht man vergebens. Ein Display, ähnlich dem eines Autoradios, muss reichen.

Fahrdaten auf dem Smartphone-Screen

Die Entwickler waren sich des auf sie zukommenden Vorwurfs wohl frühzeitig bewusst und haben dem Citigo bei seiner Mutation zum Elektro-Auto eine feststehende Smartphone-Halterung mit auf den Weg gegeben, die mittig auf dem Armaturenträger thront. 

Dort hakt man den ständigen Begleiter ein und lässt sich auf dessen Screen von Unterhaltung bis Fahrdaten alle Informationen spiegeln, die sonst auf dem Display im Briefkastenschlitzformat angezeigt werden. Einzige Voraussetzung: Man muss die entsprechende App herunterladen und das Smartphone per Bluetooth mit dem Fahrzeug verbinden. Beides geht ganz leicht.

Ein weiteres Indiz dafür, dass der Citigo schon einige Lenze auf dem Buckel hat, ist der Zündschlüssel. Ja, der E-Tscheche hat einen Zündschlüssel – mit Bart, wohlverstanden! Dieses Feature sucht man bei anderen Elektroautos vergeblich. Und aufpreisfrei ist es obendrein!

Kaum aufpreispflichtige Optionen

Spaß beiseite, viele aufpreispflichtige Optionen gibt es für den Skoda Citigo e iV in Style-Ausführung ohnehin nicht. Mit Klimaanlage und Konnektivität kommt der Stromer bereits ab Werk recht komplett daher, der Testwagen war über die Serienausstattung hinaus noch mit einem schwarz lackierten Dach (510 Euro), Regensensor und „Coming home“-Funktion (160 Euro), vier zusätzlichen Lautsprechern sowie abgedunkelten hinteren Scheiben ausgestattet.


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Der Elektro-Zwerg fährt denn auch viel erwachsener, als es seine Abmessungen vermuten lassen. Zündschlüssel ins Zündschloss, einmal kurz drehen, und es passiert … nichts. Nein, es bellt kein Verbrennungsmotor auf, lediglich die aufleuchtenden digitalen Instrumente sowie eine entsprechende Meldung im Zentraldisplay lassen den Fahrer wissen, dass der Motor gestartet und somit einsatzbereit ist. Den klobigen Wählhebel von der Stellung P in die Position D bewegen, Fuß von der Bremse nehmen, und schon rollt der Citigo los. Geräuschlos natürlich, E-Motor oblige.

Bis 50 km/h stets die Nase vorn

61 kW oder 83 PS klingen nicht nach viel, dennoch haben weitaus stärkere Kontrahenten mit Verbrenner beim spätpubertären Ampelduell das Nachsehen: Da Leistung und Drehmoment ab Start in Gänze zur Verfügung stehen, hat man zumindest bis 50 km/h die Nase vorn. 

Bis 100 km/h vergehen im Idealfall 12,3 Sekunden, bei 130 km/h ist dann aber Schluss, beim Erreichen der Autobahn-Richtgeschwindigkeit nimmt die Elektronik das Auto an die Leine, wohl aus Gründen der Reichweite, wissend, dass Elektroautos ihr Sparpotenzial vor allem im urbanen Verkehr ausspielen. Im Gegensatz zu ihren Verbrennerbrüdern, die beim Dahingleiten auf langen Autobahnetappen optimal arbeiten.

Untertriebene Werksangaben

Die Reichweite gibt Skoda mit 260 Kilometern an, den Stromverbrauch mit 14,8 kWh pro 100 Kilometer. Beide Werte erwiesen sich nach Beendigung der fünftägigen Testdauer als untertrieben. Der Bordcomputer wies einen Verbrauch von 13,0 kWh aus. Nach dem nächtlichen Nachladen in der heimischen Garage standen beim morgendlichen Start stattliche 306 Kilometer Reichweite auf der Anzeige.

Der zurückhaltende Verbrauch mag in Teilen auf den saisonbedingten Verzicht auf die Nutzung von Schweinwerfern, Wischern und Heizung zurückzuführen sein. Auch die Nutzung der Klimaanlage war nicht notwendig. Schaltete man sie dennoch testweise ein, ging die Reichweite schlagartig um 30 Kilometer zurück. Manche mögen es Psychoterror nennen, aber die Reichweitenanzeigen erzieht einen als E-Auto-Fahrer zu einer insgesamt defensiveren Fahrweise.

Geladen werden muss dennoch hin und wieder. Entweder an einer öffentlichen Ladesäule (wenn man als E-Auto-Neuling denn endlich eine gefunden hat), über die optionale Wallbox in der heimischen Garage in 4 Stunden und 8 Minuten auf 80 Prozent der Akkuleistung (Aufladung mittels AC mit 7,2 kW) oder im Notfall auch mal über die normale Haushaltssteckdose. Die Entwickler haben auch diesen Fall vorgesehen und ein entsprechendes Ladekabel mitgegeben. 

Einziger Wermutsstropfen: Ist der Akku weitgehend leergefahren, dauert der Ladevorgang so gute 16 Stunden.  Wer zur Style-Ausführung greift, hat zudem den CCS-Anschluss serienmässig: Er ermöglicht die Schnellladung mit 40 kW und reduziert die Ladedauer auf eine Stunde.

Gut für das grüne Gewissen

Im Alltag erwies sich der Skoda Citigo e iV Style als sympathischer Begleiter. Er ist geradezu prädestiniert für die Pendleraufgabe, Langstrecke ist hingegen weniger sein Ding. Mit dem Citigo haben es die Tschechen aber geschafft, einen etwas betagten, dafür aber nicht minder funktionalen Stadtfloh ins Zeitalter der (individuellen) Elektromobilität zu hieven. 

So muss man dann auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn man mit dem Auto zur Arbeit und wieder zurück fährt. Immerhin bezuschusst die Regierung mit grünem Vizepremier diese Art der Fortbewegung mit 8.000 Euro. Und das noch bis zum 31. März 2021. 

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