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Skifahren in der neuen Normalität
Lifestyle 4 Min. 21.10.2020

Skifahren in der neuen Normalität

Eigentlich bekannt für seinen Skitourismus, erlangte Ischgl zu Beginn des Jahres traurige Berühmtheit durch das Corona-Missmanagement der lokalen Behörden und der Regierung von Sebastian Kurz.

Skifahren in der neuen Normalität

Eigentlich bekannt für seinen Skitourismus, erlangte Ischgl zu Beginn des Jahres traurige Berühmtheit durch das Corona-Missmanagement der lokalen Behörden und der Regierung von Sebastian Kurz.
Foto: dpa
Lifestyle 4 Min. 21.10.2020

Skifahren in der neuen Normalität

Der letzte Winter endete früh, der nächste wird anders als alle bisherigen - wegen Corona. Was Skifahrer in der Saison 2020/21 in den Skigebieten erwartet.

(srt) - Eigentlich ist Skifahren virologisch betrachtet vollkommen unbedenklich: Es findet draußen in der frischen Luft statt und es ist keine Kontaktsportart. Wer die FIS-Regeln kennt, der weiß zudem, dass ein gebührender Abstand zu anderen Aktiven seit jeher Gebot ist. 

Trotzdem wurde ausgerechnet ein Skiort zum Synonym für einen zu sorglosen Umgang mit dem Virus. „Mallorca darf kein zweites Ischgl werden“, warnte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn, als Bilder feiernder Ballermann-Besucher für Fassungslosigkeit sorgten. Der Ruf der Branche ist lädiert.

Konzepte für Alltagsmomente

Nachvollziehbar, wenn viele Wintersportbegeisterte sich jetzt die Frage stellen, ob es eine gute Idee ist, kommenden Winter Skifahren zu gehen. Die Skigebiete haben naturgemäß ein großes Interesse daran, dass die Beantwortung dieser Frage bei möglichst vielen Skisportlern mit einem „Ja“ ausfällt. Daher haben sie Konzepte ausgearbeitet, die Skifahren auch in der Pandemie zu einer sicheren Aktivität machen sollen. Im Fokus stehen dabei weniger die Abfahrten selbst als vielmehr all die anderen Stationen, die ein Gast während eines Skitages passiert.

Als eines der ersten Skigebiete hat Ischgl konkrete Maßnahmen vorgestellt. Konsequent, schließlich hat kein anderer Ort eine vergleichbare Scharte auszuwetzen. Zum Auftakt streicht Ischgl gleich mal sein „Top of the Mountain“-Konzert. Auch andere Skiorte verzichten auf vergleichbare Großevents zum Saison-Opening. 

Während der Saison plant Ischgl, alle Mitarbeiter laufend zu testen und bei allen täglich vor Arbeitsbeginn Fieber zu messen. Für Gäste wird es ebenfalls Testmöglichkeiten geben. Zusätzlich sollen sich Gäste beim Check-in die Temperatur messen lassen und einen kurzen Fragebogen beantworten. Mittels einer personalisierten Contact-Tracing-App sollen Kontakte nachvollziehbar werden.

Sportspaß auf der Piste statt Party in der Almhütte: Vor allem in Ischgl bemüht man sich darum, die Wintersportsaison so sicher wie nur möglich zu gestalten.
Sportspaß auf der Piste statt Party in der Almhütte: Vor allem in Ischgl bemüht man sich darum, die Wintersportsaison so sicher wie nur möglich zu gestalten.
Foto: Shutterstock

Ischgl setzt außerdem auf Abwassermonitoring, eine Initiative des Landes Tirol, die landesweit eingesetzt wird. Diese laufenden Abwassertests sollen die Früherkennung von potenziellen Infektionen ermöglichen. Am Berg werden alle Seilbahnkabinen laufend mittels Kaltvernebelungsgeräten desinfiziert, um 99,99 Prozent der Viren, Bakterien und Sporen in den Gondeln zu eliminieren. Dieselbe Methode wird auch in den Skibussen sowie in Sportshops, Skidepots, WC-Anlagen, Aufzugskabinen und den Erste-Hilfe-Stationen täglich angewendet.

Für die Gäste herrscht in den Liften und Bahnen die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasenschutzes, was bei winterlichen Temperaturen nicht wirklich eine Zumutung ist. Hierfür hat Ischgl 600 000 Multifunktionstücher angeschafft, die die Gäste beim Kauf eines Skipasses kostenlos erhalten. Der Mund-Nasenschutz ist auch an neuralgischen und besonders gekennzeichneten Bereichen verpflichtend; ebenso werden alle Bediensteten mit Kundenkontakt einen Schutz tragen. 

Die Anstehbereiche werden so organisiert, dass eng zusammenstehende Personengruppen möglichst vermieden werden. Après-Ski wird es in der gewohnten Form nicht mehr geben, und der Zutritt zu den Gastronomiebetrieben am Berg wird limitiert, sodass Abstände eingehalten werden können.

Von einer Limitierung der Gesamtzahl der Gäste im Gebiet oder der Fahrgäste pro Gondel spricht man noch nicht – zumindest in Österreich. Dort wurden die Gondeln auch schon diesen Sommer deutlich höher ausgelastet als etwa in Bayern, wo man für den Winter bislang von Beschränkungen auf 70 bis 80 Prozent der Kapazität ausgeht. Alpenweit einheitliche Regelungen wird es wohl nicht geben. Daher sollte man sich genau informieren, bevor man Pläne fixiert und Buchungen vornimmt. Vor allem sollte man auf kulante Stornoregelungen für den Fall von Reisewarnungen achten.


A general view shows a boy playing with his father to splash water in St. Mark's square in Venice on October 3, 2020 as a high tide "Alta Acqua" phenomenon was expected, following a peak of water following bad weather and potential intense sirocco winds along the entire Adriatic basin. - The rise in water levels, expected to peak at midday on October 3, 2020, was limited by a new system of mobile gates. The MOSE project (Moses in Italian, Electromagnetic Experimental Module) is a complex engineering system allowing the "waterproofing" of Venice through 78 dikes placed at the lagoon's entry points. (Photo by MIGUEL MEDINA / AFP)
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Sichere Gondelfahrt

Wem es nicht geheuer ist, mehrmals täglich für zehn Minuten mit fremden Personen in einer Zehnergondelbahn zu sitzen, der sollte sich beim Skigebiet seiner Wahl erkundigen, ob es möglich ist, Gondeln auf Wunsch nur mit den eigenen Mitreisenden oder im Extremfall sogar allein benutzen zu können. Amerikanische Skigebiete, die im Winter 2019/20 noch weit länger in Betrieb waren, ließen dies zu.

Dorthin wird es in 2020/21 allerdings wohl die allerwenigsten ziehen, denn der sichere Skiurlaub in der neuen Normalität beginnt schließlich schon bei der Anreise. Da schlägt das eigene Auto das Flugzeug. Leider auch Zug und Bus, was ökologisch bedauerlich, aber virologisch ein Fakt ist. Risikominimierung in Eigenregie geht über die Wahl des Transportmittels freilich noch hinaus.

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