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Selbstdarstellung im Netz: Gepostete Urlaubsfotos erzeugen Neid
Beim Anblick eines solchen Fotos kommen bei dem ein oder anderen sicher schnell Urlaubswünsche auf. Postet ein Freund derartige Bilder von seiner Reise auf Facebook, kann dies zu Neidgefühlen beim Betrachter führen, glauben Forscher.

Selbstdarstellung im Netz: Gepostete Urlaubsfotos erzeugen Neid

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Beim Anblick eines solchen Fotos kommen bei dem ein oder anderen sicher schnell Urlaubswünsche auf. Postet ein Freund derartige Bilder von seiner Reise auf Facebook, kann dies zu Neidgefühlen beim Betrachter führen, glauben Forscher.
Lifestyle 3 Min. 20.09.2014

Selbstdarstellung im Netz: Gepostete Urlaubsfotos erzeugen Neid

Ob Fotos aus dem Urlaub oder witzige Selfies: Viele Internetnutzer versuchen, sich und ihr Leben auf soziale Netzwerken positiv darzustellen. Dabei können sie beim Betrachter Neid auslösen. Wie weit die Selbstdarstellung gehen kann, hat eine niederländische Studentin gezeigt.

(ks) - Fünf Wochen lang verbrachte die Studentin Zilla van den Born nach Ansicht ihrer Freunde und Familienmitglieder ihren Urlaub in Südostasien. Auf Fotos, die sie auf Facebook postete, sahen sie Zilla beim Besuch eines Buddha-Tempels, am Strand oder beim Schnorcheln (siehe Video). Doch in Wahrheit verbrachte Zilla diese Tage in ihrer Amsterdamer Wohnung damit, die entsprechenden Fotos zu retuschieren.

Das Bild vom Schnorcheln etwa entstand nicht im Meer, sondern in einem Amsterdamer Schwimmbad. Allein ihr Freund war eingeweiht, ihre Familie und Bekannten glaubten bis zum Schluss, dass Zilla im Urlaub weilte. Die Studentin verfolgte mit dem Projekt ein Ziel: Sie wollte darauf aufmerksam machen, dass viele Internetnutzer im Netz ihr Leben als schöner, wertvoller, wunderbarer darstellen, als es in Wirklichkeit ist.

"Wir vergessen im Internet, dass andere genau auswählen, was sie auf sozialen Medien zeigen. Oft benutzen sie Filter, um ihre Bilder zu verschönern. Wir kreieren zusammen eine Art ideale Onlinewelt, die mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun hat", erklärt sie.

"Für Menschen ist es allgemein wichtig, ein positives Bild von sich rüberzubringen”, bestätigt auch Georges Knell. Der Psychologe, der beim Kanner-Jugendtelefon die BeeSecure-Helpline betreut, glaubt, dass dieses Phänomen vor allem Jugendliche betrifft. “Sie müssen noch ihre Richtung finden. Es gehört zu einer normalen Entwicklung hinzu, sich auszutesten und zu schauen, wie die Reaktionen auf die eigene Person sind. Das legt sich von alleine."

In der Wissenschaft ist strittig, ob Internetnutzer auf sozialen Netzwerken ein idealisisertes Bild von sich abgeben, oder ob sich in ihrem Profil ihre wahre Persönlichkeit widerspiegelt. Ebenso wie Zilla van den Born ist aber auch Georges Knell davon überzeugt, dass die Menschen Selbstdarstellung im Netz stärker leben als im Leben 1.0: “Mit den sozialen Netzwerken ist es ausgeprägter geworden, dass sich Menschen präsentieren wollen. Da wird ein Foto vom Traumstrand gezeigt. Was die Freunde aber nicht erfahren, ist, dass es ansonsten nur geregnet hat und das Hotel schlecht war.”

Neid durch Urlaubsfotos

Mit anderen mitzuhalten zu wollen, könne Druck erzeugen, meint Zilla van den Born: “Wir wissen doch alle, wie es sich anfühlt, durch Facebook-Timelines zu scrollen und dabei neidisch zu sein auf das anscheinend wunderbare Leben, das andere im Vergleich zu uns führen.” Dieses Empfindung haben Forscher der Humboldt-Universität Berlin und der Technischen Universität Darmstadt wissenschaftlich nachgewiesen.

In einer Befragung von rund 360 Studierenden fanden sie heraus, dass gut ein Drittel von ihnen nach der Nutzung von Facebook negative Gefühle hatte. Als häufigsten Grund für Frust nannten sie Neid, meist ausgelöst durch Freizeit- und Urlaubsaktivitäten anderer. Die Forscher glauben, dass dies vor allem daran liegt, dass auf Facebook viele Reisefotos gepostet werden. “Wer diese Art von Inhalt teilt, riskiert nicht, dass ihm eine unverblümte Selbstinszenierung vorgeworfen wird, wenngleich er es in bestimmter Weise doch tut”, meinen die Wissenschaftler, die gar eine “Neidspirale” befürchten, weil nach und nach andere Internetnutzer dazu gedrängt würden, ihre Facebook-Profile aufzuhübschen.

Und nun? Sollten wir nie mehr Urlaubsfotos posten, weil Freunde mit Neid reagieren könnten? Zilla van den Born will mit ihrer Aktion eines deutlich machen: “Internetnutzer sollten einfach vorsichtig sein und nicht alles glauben, was sie auf Fotos in sozialen Netzwerken sehen.” Vielleicht hilft es ja, im nächsten Urlaub ein Bild von den Kakerlaken im Hotelzimmer zu posten. Ein bisschen Mitleid statt Neid kann manchmal schließlich auch nicht schaden.

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Aktion "Chefredakter fir een Dag". Alle Artikel, die in Zusammenarbeit der Redaktion der Jugendzeitschrift Slam! entstanden sind, finden Sie in unserem Dossier.