Schwäbisch Hall: Mittelalter und Moderne
Viel Fachwerk und Geschichte an allen Ecken und Enden: Auf Besucher wirkt Schwäbisch Hall wie ein Open-Air-Museum.

Schwäbisch Hall: Mittelalter und Moderne

Foto: Fern Morbach
Viel Fachwerk und Geschichte an allen Ecken und Enden: Auf Besucher wirkt Schwäbisch Hall wie ein Open-Air-Museum.
Lifestyle 4 Min.06.02.2018

Schwäbisch Hall: Mittelalter und Moderne

Schwäbisch Hall liegt in der Nähe von Heilbronn. Bekannt wurde die Stadt vor allem wegen ihrer Kunsthalle, die Künstler und Kunstfreunde aus der ganzen Welt anlockt. Bei Tagestouristen kann die Destination auch mit einer gut erhaltenen Altstadt und mittelalterlichem Flair punkten.

von Fern Morbach

Mit Schwäbisch Hall bringen Luxemburger wohl zuerst die Bausparkasse mit dem gleichen Namen in Verbindung. Dass die größte Bausparkasse Deutschlands noch heute ihren Sitz in der Stadt mit rund 38 000 Einwohnern hat, wissen schon deutlich weniger. Dabei liegt die Stadt nur rund 320 Kilometer, also knapp drei Autostunden, von Luxemburg entfernt, in der Nähe von Heilbronn, mitten in der – wie es die lokale Tourismuswerbung beschreibt – „Genießerregion Hohenlohe“.

Gesamtkunstwerk am Kocher

„Erwarten Sie sich nicht zu viel,“ warnt die Mitarbeiterin in der Rezeption eines Hotels in einem Nachbarort. „Die Stadt ist nett, eine oder zwei Stunden können Sie dort verbringen, mehr wohl nicht.“ Die ersten Eindrücke, die man nach einer kurzen Autofahrt sammelt, sind dann aber deutlich positiver. Viel Fachwerk, viele Gassen, der Fluss Kocher, die Lage in einem Tal, die Kirche Sankt Michael mit ihrer „großen Treppe“ – das Adjektiv wird nicht von ungefähr benutzt – und die insgesamt sehenswerte Altstadt bilden ein Gesamtkunstwerk, das Tagestouristen begeistern kann.

Schwäbisch Hall, schreibt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, sei heute eine „familienfreundliche Stadt mit mittelalterlichem Flair und hoher Lebens- und Wohnqualität und einem überregional bedeutsamen Kunst- und Kulturangebot.“ Der Bürgermeister übertreibt nicht. Kulturell bekannt ist Schwäbisch Hall schon lange wegen seiner Freilichtspiele vor der Michael-Kirche. Bekannt ist die Stadt heute aber vor allem wegen ihrer 2001 eröffneten Kunsthalle Würth.

An dieser Treppe führt in der Stadt kein Weg vorbei. Über die 53 Stufen gelangen Besucher in die Kirche Sankt 
Michael. Im Sommer finden auf der Treppe Freilichtspiele statt.
An dieser Treppe führt in der Stadt kein Weg vorbei. Über die 53 Stufen gelangen Besucher in die Kirche Sankt 
Michael. Im Sommer finden auf der Treppe Freilichtspiele statt.
Foto: Fern Morbach

Ein Vermögen für die Kultur

Diese Kunsthalle verdankt Schwäbisch Hall dem aus der Region stammenden Schrauben-Unternehmer Reinhold Würth. Der heute 82-jährige Industrielle machte in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Verkauf von Schrauben und Befestigungssystemen ein zuletzt auf fast 13 Milliarden Dollar geschätztes Vermögen.

Einen erheblichen Teil von diesem Vermögen investierte er in Kunst, Kunsthallen und Museen. In der jüngeren Vergangenheit kaufte Reinhold Würth in seiner Heimatregion zudem mehrere Hotels: Er wollte verhindern, dass die Häuser von internationalen Ketten übernommen werden. Im Besitz der Würth-Gruppe befindet sich heute auch eines der besten Wellness-Hotels in Deutschland: das Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe, es liegt ebenfalls in der Region Hohenlohe.

Im Auftrag von Reinhold Würth plante der dänische Architekt Henning Larsen Ende des vergangenen Jahrtausends die „Kunsthalle Würth“, einen dreigeschossigen Bau aus Stahlbeton, der am Ufer des Kocher errichtet wurde. Seitdem pilgern Künstler und Kunstfreunde aus der ganzen Welt nach Schwäbisch Hall. In dem privaten Kunstmuseum ist zurzeit und noch bis zum 8. April 2018 die Ausstellung „Verborgene Schätze aus Wien“ mit Werken von Malern wie Hundertwasser, Klimt, Rembrandt und Rubens zu sehen.

Am einen Ufer des Kocher liegt die Altstadt, am anderen Ufer eröffnete im Jahr 2001 die Kunsthalle Würth. Den dreigeschossigen Bau aus Stahlbeton verdankt die Stadt dem Industriellen Reinhold Würth.
Am einen Ufer des Kocher liegt die Altstadt, am anderen Ufer eröffnete im Jahr 2001 die Kunsthalle Würth. Den dreigeschossigen Bau aus Stahlbeton verdankt die Stadt dem Industriellen Reinhold Würth.
Foto: Fern Morbach

Besuchern der Kunsthalle wird auch ein Abstecher ins Sudhaus empfohlen. Es steht nur einen Steinwurf entfernt und wird von Einheimischen und Touristen vor allem wegen seiner Dachterrasse geschätzt. Von dort aus hat man einen hervorragenden Blick auf den Fluss und auf die Altstadt von Schwäbisch Hall, und es sind nur ein paar Gehminuten bis ins Zentrum der Stadt. Dieses erreichen Besucher über die Henkersbrücke oder über den Roten Steg und den Steinernen Steg.

Wie aus dem Geschichtsbilderbuch

Während am einen Ufer des Kocher Besucher die Kunsthalle oder das Sudhaus ansteuern, zieht es die Besucher am anderen Ufer des Flusses Richtung Marktplatz, der heute zu den schönsten Marktplätzen in Süddeutschland gezählt wird und in der Stadt Dreh- und Angelpunkt des täglichen Lebens ist. Besonders stolz sind die Einheimischen auf die 70 Meter breite Freitreppe, deren 53 Stufen hinauf zur Kirche Sankt Michael führen.

Seit mittlerweile fast 100 Jahren bilden Kirche und Treppe die Bühne und Kulisse der Freilichtspiele Schwäbisch Hall, die immer im Juni beginnen und bis Ende August dauern. Am Marktplatz stehen auch ein spätbarockes Rathaus, ein Fischbrunnen und das größte Fachwerkhaus der Stadt, das Clausnitzerhaus. Beim Spaziergang durch Schwäbisch Hall fühlen sich Besucher schnell ein paar Jahrhunderte zurückversetzt, sie stoßen auf Türme, Holzbrücken, Stadtmauern, Renaissance- und Barockgebäude. Alles gut erhalten, alles sehr sauber, alles wie aus einem Geschichtsbilderbuch.

An allen Ecken und Enden glänzt die Stadt mit ihren Museen. Nein: Das Angebot beschränkt sich nicht auf die Kunsthalle. Daneben gibt es noch ein hällisch-fränkisches Museum und ein Hohenlohener Freilandmuseum, außerdem die ehemalige Klosteranlage Großcomburg und die Johanniterkirche, in der heute ein Teil der Sammlung Würth ausgestellt ist. Hat man nach einigen Stunden genug von all der Kultur, den Meistern und Künstlern, empfehlen sich wahlweise der Besuch eines Cafés am Ufer des Kocher oder ein Bummel durch die Geschäfte in der Altstadt. Im Frühjahr und im Sommer lässt sich ein Besuch in Schwäbisch Hall gut mit einem Ausflug in die Region Hohenlohe, nach Heilbronn oder auch ins eine Autostunde entfernte Stuttgart verbinden.

Wo auch immer man in der Region hinkommt: Am Namen Reinhold Würth führt kein Weg vorbei.In Künzelsau, dem Geburtstort von Reinhold Würth, befinden sich ein Museum Würth und – wirklich – ein Museum für Schrauben und Gewinde. Mit ihnen, den Schrauben, hat schließlich alles begonnen.

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