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Schlösser und Gärten in Baden-Württemberg: Prunkvolles Erbe und grüne Oasen
Lifestyle 6 Min. 05.07.2017

Schlösser und Gärten in Baden-Württemberg: Prunkvolles Erbe und grüne Oasen

In Baden-Württemberg finden Besucher mehr Burgen, Schlösser und traditionsreiche Gärten als in anderen Bundesländern. Ein Blick in die Geschichtsbücher erklärt warum.

von Michael Juchmes

Die Markgrafschaft Baden-Baden, das Fürstentum Hohenlohe, die Pfalzgrafschaft Tübingen – das heutige Gebiet des Bundeslands Baden-Württemberg, das erst im Jahr 1952 gegründet wurde, glich im 18. Jahrhundert einem wahren Flickenteppich. Zahlreiche Fürsten und Grafen hatten das Land im Laufe der Zeit unter sich aufgeteilt. Ergänzt durch bischöfliche Gebiete und Reichsstädte, ergab sich ein heterogenes Gebilde, das keinesfalls mit dem heutigen föderalistischen Bundesland zu vergleichen ist. Gesetze, die in einem Ort galten, kannte man im Nachbarort nicht – dort herrschte ein anderer Adelsmann.

Die Fürsten und Grafen residierten in Burgen und Schlössern inmitten ihres Herrschaftsgebiets, sie bauten Gärten und Anlagen, die noch heute Besucher in Staunen versetzen. Andere Adelige verließen ihre Residenzen im Laufe des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688-1697), um – angelehnt an den wohl eindrucksvollsten Komplex der damaligen Zeit, das Versailler Schloss – barocke Prachtbauten, wie etwa die Schlösser in Karlsruhe, Mannheim und Schwetzingen, zu errichten. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts reduzierte sich die Zahl der Staaten von 300 auf vier: das Königreich Württemberg, das Großherzogtum Baden sowie die Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen.

Heidelberger Schloss
Heidelberger Schloss
Foto: Heidelberg Marketing

Pracht und Zerstörung

Bis heute haben viele der geschichtsträchtigen Bauten überlebt – einige in Gänze, andere nur als Fragmente ihrer ehemaligen Pracht, wie etwa das Heidelberger Schloss. Die Ruine über dem Neckartal – die wie 58 andere Anlagen zu den „Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg“ zählt – gilt als eine der beliebtesten Touristenattraktionen Deutschlands. „Mehr als eine Million Besucher kamen allein im letzten Jahr zum Schloss“, berichtet Hagar Cappers, die aus den Niederlanden stammt und Reisende in Deutsch, Niederländisch und Englisch durch die Gassen der Stadt und die Ruine führt.

Der Anfang des 13. Jahrhunderts erbaute Komplex, der über dem Neckar und der pittoresken Altstadt thront, war einst die Residenz der Kurfürsten von der Pfalz und in Sachen Ausstattung mit den Kaiserhöfen in Prag und Wien zu vergleichen. Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde das Schloss am 2. März 1689 von den Franzosen in Brand gesteckt – wenige Monate später zudem größtenteils gesprengt. Seither wird die Anlage, die nach der Zerstörung viele Künstler und Dichter in ihren Bann zog, in ihrer Ruinenform bewahrt – Versuche, einen Neubau zu errichten, scheiterten bereits im 18. Jahrhundert. Zum Glück, wie man sagen muss, ansonsten hätte nicht auch Mark Twain auf seiner Europareise von diesem magischen Ort schwärmen können: „Um gut zu wirken, muss eine Ruine den richtigen Standort haben. [...] Sie steht auf einer die Umgebung beherrschenden Höhe, sie ist in grünen Wäldern verborgen, um sie herum gibt es keinen ebenen Grund, sondern im Gegenteil bewaldete Terrassen [...] Die Natur versteht es, eine Ruine zu schmücken, um die beste Wirkung zu erzielen.“

Diesen Worten kann sich Hagar Cappers nur anschließen, der es nicht nur gelingt, die Besucher für den Ausblick zu begeistern, sondern auch für das 219000 Liter fassende Weinfass im Inneren der Burg. „Es wurde 1751 unter Kurfürst Karl Theodor errichtet“, so Cappers, „und gilt vor allem unter asiatischen Besuchern als echte Attraktion.“

Schloss Solitude
Schloss Solitude
Foto: TourismusMarketing Baden-Württemberg

Lustschloss in Stuttgart

Ebenfalls als ein architektonisches Schmuckstück gilt das Schloss Solitude vor den Toren der Landeshauptstadt Stuttgart. Das Jagd- und Lustschloss wurde zwischen 1763 und 1769 im Auftrag von Herzog Carl Eugen von Württemberg erbaut. Es thront auf einem lang gezogenen Höhenrücken und bietet einen fantastischen Ausblick auf die Stadt Ludwigsburg – wobei die Aussicht Ende des 18. Jahrhunderts wohl nicht eigentlicher Beweggrund für einen Schlossbesuch war: Musik, Tanz und Theater hatten hier ihren festen Platz – die bekanntesten Künstler der damaligen Zeit sorgten für Unterhaltung.

Der repräsentationsfreudige Fürst ließ neben dem Rokokoschloss, das im Inneren von klassizistischen Elementen geprägt ist, einen prachtvollen Garten errichten, der die Jahrhunderte leider nicht überlebt hat. Dort konnten sich die Gäste, darunter sogar der berühmte Giacomo Casanova, nach rauschenden Ballnächten zur Entspannung – oder auch zu erotischen Eskapaden – zurückziehen.

Garten von Schloss 
Salem
Garten von Schloss 
Salem
Foto: Michael Juchmes

Rückzugsorte am Bodensee

Weniger sinnlich, dafür umso sakraler ging es lange Zeit im Schloss Salem im Süden des Bundeslandes zu. Der Grundstein für den Bau der eindrucksvollen Anlage wurde im Jahr 1697 nach einem verheerenden Brand gelegt, bei dem das im 12. Jahrhundert erbaute Gebäude, das als Kloster diente, vollkommen zerstört wurde. In den folgenden Jahrzehnten blühte das Anwesen auf – auch dank zahlreicher Künstler des Rokoko, die den Bau und die benachbarte Kirche mit ihren Werken ausschmückten. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging die Klosteranlage an den Markgrafen von Baden über – und erhielt den Namen „Schloss Salem“. Heute beherbergt das Bauwerk neben einem Feuerwehrmuseum und Verwaltungsbüros auch ein Internat, das zu den renommiertesten Schulen im deutschsprachigen Raum zählt.

Neben der Klosteranlage und den angrenzenden Handwerkerhäusern, gilt auch die Parkanlage als Publikumsmagnet, der wohl in der Umgebung nur von einem „grünen Fleck“ übertroffen wird: der Insel Mainau. Die „Blumeninsel im Bodensee“ beherbergt neben einigen historischen Gebäuden, darunter das im 18. Jahrhundert erbaute Deutschordenschloss und ein Schmetterlingshaus, eine große Park- und Gartenanlage, in der viele seltene Laub- und Nadelgehölze zu finden sind. Aufgrund des milden Klimas gedeihen hier auch einige Pflanzen, die ansonsten nur im Mittelmeerraum heimisch sind.

Insel Mainau
Insel Mainau
Foto: Tourismus
Marketing 
Baden-Württemberg

Ein guter Tag, um die Welt der Schlösser und Gärten Baden-Württembergs zu erkunden, ist der 10. September, der „Tag des offenen Denkmals“, der unter dem Motto „Macht und Pracht“ steht. Ein Motto, nach dem auch viele ehemalige Herrscher lebten, die sich mit ihren Bauten ein Denkmal für die Ewigkeit setzen wollten – und der Nachwelt einige traumhafte Sehenswürdigkeiten hinterließen.

www.tag-des-offenen-denkmals.de / www.schloesser-und-gaerten.de

Residieren wie der Prinz von Hohenlohe

Baden-Württemberg-Besucher können während ihres Aufenthalts nicht nur zahlreiche Schlösser besichtigen, sondern auch gleich in einem nächtigen – und zwar im Jagdschloss des Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe in der Nähe von Heilbronn. Das zwischen 1712 und 1717 im Renaissance-Stil erbaute Gebäude beherbergt heute insgesamt 17 Zimmer, darunter vier Juniorsuiten. Alle Räume sind elegant eingerichtet und mit antikem Mobiliar ausgestattet. Besitzer des Anwesens, das später durch einen weitläufigen Park ergänzt wurde, war einst Graf Johann Friedrich II. (1683-1764), der spätere Fürst zu Hohenlohe-Neuenstein. Das Schloss diente zunächst als Gästehaus für die Fürstenfamilie, die im nahe gelegenen Schloss Neuenstein residierte. Das in den vergangenen Jahrzehnten zum Fünf-Sterne-Superior-Resort ausgebaute Hotel, das erstmals 1953 seine Türen öffnete, verfügt insgesamt über 66 Zimmer und Suiten und ist von einem rund 44 000 Quadratmeter großen Park umgeben.

Jagdschloss des Wald & Schlosshotels Friedrichsruhe
Jagdschloss des Wald & Schlosshotels Friedrichsruhe
Foto: PR

Das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe ist Mitglied der Luxushotelgruppe „Best of Southwest Germany“, zu der sich neun Häuser in Baden-Württemberg zusammengeschlossen haben. Alle Hotels sind privat geführt und befinden sich zumeist auch in Familienhand. Dazu zählen unter anderem der Europäische Hof in Heidelberg, das Hotel Riva in Konstanz und das Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden.


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