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Schlaf gut, Kollege
Schlafmediziner sprechen sich für kurze Nickerchen im Büro aus.

Schlaf gut, Kollege

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Schlafmediziner sprechen sich für kurze Nickerchen im Büro aus.
Lifestyle 2 Min. 28.08.2018

Schlaf gut, Kollege

Wer am Schreibtisch ein Nickerchen macht, erntet Spott. Doch ausgeschlafene Mitarbeiter bringen mehr Leistung - das erkennen erste Konzerne. Aber nicht unbedingt in Luxemburg.

(dpa) - Witze darüber gibt's genug. Wie den hier: „Lieber acht Stunden Büro als gar keinen Schlaf.“ Schlafen, das hat keinen guten Ruf, und selbst das kleinste Nickerchen ist an den meisten Arbeitsplätzen tabu. Dabei meinen Schlafmediziner: Wir sollten uns viel häufiger mal zu den Akten legen. Büroschlaf steigere die Leistung. Erste US-Konzerne haben es begriffen und fördern das Dösen am Arbeitsplatz. Doch in Europa passiert wenig. Warum eigentlich?

Ingo Fietze leitet das schlafmedizinische Zentrum an der Berliner Charité. Er meint: „Dass Schlaf ein Leistungsreservoir ist, dass Schlaf besser ist als die zehnte Tasse Kaffee, das spricht sich nur sehr langsam rum.“ Nach dem Gang in die Kantine entscheiden sich die meisten Beschäftigten für den langen Kampf gegen das „Suppenkoma“ und gegen ein kurzes Nickerchen.

„Wer hart arbeitet, muss auch schlafen“

Doch Ärzte warnen: Auf Dauer kann keiner gegen seine innere Uhr leben. Schlafstörungen führten zu Hunderttausenden von Krankmeldungen. Professor Fietze ist  zudem sicher: „Wenn der Mitarbeiter müde ist, gibt es eher Fehler und auch Unfälle am Arbeitsplatz.“ Ein „Power Nap“ - so heißt das Nickerchen jetzt - steigere die Leistungsfähigkeit um bis zu 40 Prozent, meinen andere Forscher, die die Rückkehr zum Mittagsschlaf fordern. Fietze betont: „Wer hart arbeitet, muss auch schlafen.“

Doch noch immer brüsteten sich Manager damit, dass sie mit wenigen Stunden Schlaf auskämen. „Snoozing is losing“ - wer schlummert, verliert. Nur wenige bekennen sich zum Gegenteil: Amazon-Gründer Jeff Bezos etwa, laut Forbes-Magazin der reichste Mann der Welt. Er rühmt seinen allnächtlichen „acht Stunden Premium-Schlaf“. Tesla-Chef Elon Musk klagt derweil, dass er manchmal nur mit Schlaftabletten Ruhe finde.

Aktive Schlafförderung

In der Google-Zentrale stehen Liegesessel bereit, in denen Mitarbeiter unter einer Kugelhaube dösen. Nike hält in Portland Schlafräume vor, ebenso Uber in San Francisco. Die Unternehmerin Ariana Huffington wirbt für das Erfolgsrezept Schlaf - in den USA ist von einem Kulturwandel die Rede.

Und in Europa? Unternehmen zu finden, die den Schlaf der Mitarbeiter aktiv fördern, ist die Nadel-Suche im Heuhaufen. Einfache Ruheräume gibt es zwar meistens. Aber nur selten zählt Schlaf zum betrieblichen Gesundheitsmanagement, wie etwa im Bosch-Entwicklungszentrum in Abstatt bei Heilbronn. Mit Kopfhörern können Mitarbeiter auf sogenannten Klangliegen dösen. Bei BASF gibt es mehrmals im Jahr „Powernapping“-Kurse am Arbeitsplatz. „Insbesondere Schichtmitarbeiter berichten über eine erfrischende Wirkung der Naps“, sagt eine Sprecherin.

 „Es kann sich auch ein Unfallrisiko ergeben, wenn man nach einem Mittagsschlaf nicht richtig wach wird“, warnen derweil einige Arbeitgeber. Sie betonen aber auch: Jeder Arbeitnehmer kann seine Ruhepause gestalten wie er will. „Wenn er in der Zeit ein Nickerchen machen will, ist er darin frei.“

Am ehesten müde werden Arbeitnehmer zwischen 12 und 14 Uhr und zwischen 16 und 18 Uhr, sagt Charité-Arzt Fietze. Sein Rat: direkt am Schreibtisch wegdösen. „Je unbequemer, desto besser.“ Dann wache man nach einer Viertelstunde wieder auf und versinke nicht im Tiefschlaf.


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