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Sauerland macht lustig
Lifestyle 5 Min. 17.07.2019

Sauerland macht lustig

Der Bahnviadukt von Willingen wurde 1917 erbaut und prägt auch weiterhin die Landschaft.

Sauerland macht lustig

Der Bahnviadukt von Willingen wurde 1917 erbaut und prägt auch weiterhin die Landschaft.
Foto: dpa
Lifestyle 5 Min. 17.07.2019

Sauerland macht lustig

Planwagenfahrt ins Glück: Ein Familienkurzurlaub in Willingen bietet Action und Entspannung für große und kleine Entdecker.

von Birgit Pfaus-Ravida 

Die Pferde Rosalie und Nelly ziehen den großen Planwagen gemächlich durch das sonnenbeschienene Willingen. Unter dem 100 Jahre alten Viadukt hindurch, unterwegs in der Nähe der Talstation der Seilbahn, die im Winter die Skifahrer auf eine Höhe von fast 900 Metern bringt, vorbei an malerischen Fachwerkhäusern mit schiefergrauen Dächern, vielen Blumenkübeln, Schildern, Fahnen und kleinen Geschäften.

Ein halbes Dutzend Familien sitzt in der Kutsche, die Kinder schnattern und knabbern Kekse, die Erwachsenen trinken ein Schlückchen – und Kutscher Hartmut Kesper, 56 Jahre alt, erzählt. Davon, dass Willingen früher ein sehr armes Bauerndorf mit wenigen natürlichen Ressourcen war – „so arm, dass die Berufsschulen hierherkamen, um zu sehen, wie das so ist, in einem sehr, sehr armen Dorf“, sagt Hartmut, und man merkt zwei Dinge: Dass er hier verwurzelt ist – und dass er die Geschichte wohl doch schon einige Male erzählt hat.

Planwagenkutscher Hartmut mit den Pferden Rosalie und Nelly.
Planwagenkutscher Hartmut mit den Pferden Rosalie und Nelly.
Foto: Birgit Pfaus-Ravida

Gerade in diesem Moment kommt eine Gruppe singender junger Männer dem Planwagen entgegen. Alle mit den gleichen schwarzen Motto-Shirts und einem offensichtlich vom Alkohol verstärkten Grinsen im Gesicht. Sie grüßen fröhlich – und als sie vorbeigezogen sind, erzählt Hartmut weiter. Genau die feierwütigen Touristen sind es, die dem kleinen Ort viele Übernachtungen im Jahr bescheren und ihn bekannt gemacht haben. Vor allem das 1 500-Betten-Hotel „Sauerlandstern“ hat den Ort Willingen seit den 1960er-Jahren berühmt gemacht. Eine Million Übernachtungen sind es in dem kleinen Ort mittlerweile pro Jahr.

Wandern und Wellness

Die Kutsche passiert ein Lagunenbad. Und genau das ist die andere Klientel: Wandern, genießen, Wellness und leichte sportliche Betätigung, auch das gibt es in Willingen. Und ganze Firmentagungen kommen ebenfalls hierher. An diesem heißen Sommertag erscheint auf einmal ein Haufen Schnee am Wegesrand. „Der stammt von der Eislaufbahn hier“, sagt die Begleitung Birgit Lingemann lachend. Die dreifache Mutter zeigt heute den Familien Willingen, macht mit den Kindern im Alter von einem bis elf Jahren eine Schnitzeljagd rund um verloren gegangene Dracheneier.

Mit Hartmut war sie früher verheiratet. Auch heute sind sie noch ein gutes Team. Beide arbeiten für das Familienhotel „Familotel Sonnenpark“, in dem die Mitfahrer untergebracht sind. „Das ,Familotel’ ist natürlich auch wieder was ganz anderes als der ,Sauerlandstern’“, sagt Birgit Lingemann. „Früher war im Herbst die Zeit der trinkfreudigen Clubausflügler, heute gibt es die das ganze Jahr“, erzählt sie. Man merkt, dass sie lieber mit den Familien arbeitet, die nach Willingen kommen, um sich im „Sonnenpark“ zu entspannen.

Der „Sonnenpark“ ist eines von 63 speziell auf Familien zugeschnittenen „Familotels“ in sechs europäischen Ländern – und zählte zu den Gründungsmitgliedern dieser Marke vor 25 Jahren. „Meine Eltern haben in den 1990er-Jahren entschieden, dass sie sich mit ihrem Angebot im ,Sonnenpark’ von der Konkurrenz abheben und etwas speziell für Familien anbieten wollen“, erzählt Geschäftsführer Marc Vollbracht.

Ausblick bei Sonnenschein von der Terrasse des „Familotels Sonnenpark“
Ausblick bei Sonnenschein von der Terrasse des „Familotels Sonnenpark“
Foto: Birgit Pfaus-Ravida

Der 34-Jährige hat seine Kindheit im Hotel verbracht und gesehen, wie es immer weiter ausgebaut und immer familienfreundlicher wurde. 1987 wurde ein Schwimmbad errichtet, obwohl andere Hoteliers sagten, das sei viel zu teuer und rentiere sich nicht. Aber genau das war der Durchbruch – denn Kinder lieben den Spaß im Wasser. Als seine Eltern das Hotel übergeben wollten, war Marc Vollbracht gleich mit Begeisterung dabei. Er und seine ebenfalls 34-jährige Frau Sandra leiten es heute und bringen immer mehr ganz eigene Ideen ein – immer passend zur Dachmarke „Familotel“ mit Sitz in München.

Generationenübergreifend

Mit 330 Betten und 140 speziell für den Umgang mit Kindern geschulten Mitarbeitern ist der Sonnenpark auch nicht gerade klein. Die meisten Gäste sind Familien, auch im erweiterten Kreis, etwa mit den Großeltern. „Manche feiern auch ihre Familienfeste hier“, erzählt Marc Vollbracht. Er ist überzeugt, dass die Familotels eine „tolle Nische“ bedienen. Und in der Tat: Das Konzept scheint zu funktionieren. Die Kinder sind den ganzen Tag im Hotel unterwegs, auf Schnitzeljagden, im Indoor-Spielplatz, bei der Hüpfburg, beim Trampolin, in der Reithalle und draußen, wo auch Bauernhoftiere besucht werden dürfen.

Besonders beliebt sind die vielen schnellen Fahrzeuge direkt vor der Eingangstür. Die Eltern nippen am Getränk, die Kinder toben sich aus. Und alle, ob offensichtlich wohlhabender Manager mit teurer Uhr oder die ein wenig schmal und blass aussehende alleinerziehende Mutter im Blümchenkleid, sehen entspannt aus.


Kinderhotels: Urlaub als Abenteuer
Auf Ponys reiten, als Pirat beim Mittagessen sitzen oder in Wasserwelten planschen: Die Urlaubsträume von Kindern können heute wahr werden. Zumindest in speziell konzipierten Kinder- und Familienhotels.

Günstig ist so ein Aufenthalt im „Familotel“ nicht wirklich, aber durch die Alles-inklusive-Philosophie und Zusatzgutscheine für Attraktionen in der Umgebung rechnet es sich dann doch, wenn man das nötige Kleingeld aufbringen kann. Kein Extrapreis für Babysitting, auch ganz kleine Kinder können schon in die Betreuung, damit die gestressten Eltern sich Massagen oder einen Aufenthalt in der Wellness-Landschaft gönnen dürfen, wo die Kleinen ausnahmsweise mal nicht erwünscht sind.

In dieser Zeit sind die Kinder mit Animateuren wie Tobi Wilke unterwegs. Der 24-Jährige macht mit ihnen eine Rallye durch den Ort auf den Spuren der Bienen. „Das ist für uns ein ganz wichtiges Thema. Wir wollen den Kindern vieles rund um diese wertvollen Tiere beibringen. Wo und wie sie leben, wie Honig gemacht wird und mehr.“ Am Ende bekommen die Kinder einen Honigbonbon und einen kleinen hölzernen Bienen-Anhänger – lehrreich und unterhaltsam zugleich.

Ski und mehr

Wer dann genug im Hotel erlebt hat, kann in und um Willingen viel erleben. Im Winter Skifahren und die größte Skisprungschanze der Welt als Attraktion, im Sommer Wandern und Biken, das alles in frischer Luft und im Heilklima, schließlich ist das Hochsauerland eine Mittelgebirgsregion, in der selbst an heißen Tagen ein kühles Lüftchen weht. Es gibt eine Sommerrodelbahn sowie einen Wild- und Freizeitpark. Derzeit entsteht hier eine gigantische Hängebrücke, die weitere Gäste anziehen soll. Womit klar ist: Ein ruhiges Fleckchen Erde für Menschen, die vollkommene Stille suchen, ist der Ort im Hochsauerland nun wirklich nicht. Aber wer Lust auf Spaß und Bewegung in schöner Natur hat, ist dort gut aufgehoben. 


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