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Sankt Moritz, das Original im Wandel
Lifestyle 4 Min. 10.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Klassische Wintersportorte im Umbruch

Sankt Moritz, das Original im Wandel

Im Skigebiet Corviglia auf der Piste Muntanella mit Blick auf St. Moritz und den gefrorenen St. Moritzersee.
Klassische Wintersportorte im Umbruch

Sankt Moritz, das Original im Wandel

Im Skigebiet Corviglia auf der Piste Muntanella mit Blick auf St. Moritz und den gefrorenen St. Moritzersee.
Foto: Christof Sonderegger
Lifestyle 4 Min. 10.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Klassische Wintersportorte im Umbruch

Sankt Moritz, das Original im Wandel

Nicole WERKMEISTER
Nicole WERKMEISTER
Ein Jahr nach dem „Frankenschock“ überdenken selbst so prestigeträchtige Orte wie Sankt Moritz ihre Ausrichtung. Etwas weniger Glamour, dafür mehr Skierlebnis – so die Devise. Es gilt, einen breiteren aber dennoch zahlungskräftigen Kundenkreis anzulocken.

von Christophe Langenbrink

Wie kein anderer Ort in der Schweiz steht Sankt Moritz als Synonym für den klassischen Wintertourismus. Wer die Frage aufwirft: „Wer hat's erfunden?“ Dann sind es wohl die Schweizer und zwar aus dem ursprünglichen Kurort Sankt Moritz im entlegenen Engadin! Hotelbesitzer Johannes Badrutt wird nachgesagt, er habe den alpinen Wintertourismus ins Leben gerufen, und das Mitte des 19. Jahrhunderts. Angefangen hat alles mit der ersten Schlittschuh- und Curlingbahn der Welt und mit dem Bau 1864 des legendären „Hotel Kulm“, das heute noch den Jetset dieser Welt empfängt. 2014 feierte der Nobelskiort sein 150-jähriges Bestehen. Gefeiert wurde allerdings auch der Beginn der Wintersporttradition.

Tradition wird in Sankt Moritz großgeschrieben. Das bezeugen die vielen Nobelhotels, die edlen Boutiquen und die Winterattraktionen, die am Glanz vergangener Tage festhalten. Viele der noch heute existierenden Winterattraktionen sind Jahrzehnte alt. Noch heute werden sie traditionell gefeiert und gepflegt. Sie vermitteln immer wieder den Hauch von Exklusivität. Dazu zählt z. B. das „White Turf“: ein Event der Spitzenklasse und vor allem ein exklusiver Pferderennsport, der jedes Jahr Scharen von Pferdebegeisterten in den Skiort lockt.

Das Kempinski Grand Hotel des Bains bildet den Rahmen für das Grand Opening des St. Moritz Gourmet Festivals.
Das Kempinski Grand Hotel des Bains bildet den Rahmen für das Grand Opening des St. Moritz Gourmet Festivals.
Foto: swiss-image.ch

Eine andere Besonderheit ist der „Cresta Run“, die bekannte Natureisbahn und zugleich die letzte noch übrig gebliebene ihrer Art. Sie wurde 1885 gebaut und wird heute vom St. Moritz Tobogganing Club SMTC betrieben. Mitglied kann zwar jeder werden. Trotzdem wird auch hier das Exklusive gepflegt. Denn es ist ein englischer Club mit Stil – aber auch mit exzentrischen Riten, die eine ganz besondere Kleidervorschrift für die Schlittenfahrer vorsieht.

Erlesen geht es auch in den Gassen der rund 5200-Seelen-Gemeinde zu. Keine Nobelmarke dieser Welt, die nicht dort vertreten ist. Selbst Feinschmecker kommen hier im wahrsten Sinne auf ihre Kosten. Kochkunst wird hier nämlich großgeschrieben. Sage und schreibe über 300 Restaurants in 13 Dörfern um Sankt Moritz, die insgesamt 441 Gault-Millau-Sterne sammeln, darunter sogar acht Michelin-Sterne. Der Gipfel der Kulinarik ist das alljährliche Gourmet-Festival, das der Starkoch Reto Mathis organisiert. Jedes Jahr verwandelt sich Sankt Moritz während einer Woche zum Mekka für Sterneköche.

Nicht nur Edelkundschaft

Events in den Wintermonaten gibt es in Hülle und Fülle. Sie sind neben dem gefrorenen St. Moritzersee fester Bestandteil der Winteragenda. Ob der Snow Polo World Cup St. Moritz, die Rennen am Bob- und Skeleton-Europacup, das St. Moritz Gourmet Festival oder die „White Turf“-Pferderennen: Die Eventdichte in St. Moritz ist groß und vielfältig. Langeweile kommt in Sankt Moritz nicht auf. Denn für Abwechslung ist ausreichend gesorgt.

'Rolling Stones' in St. Moritz: Seit 1881 finden im Curling-Center 'Al Parc' beim Kulm-Hotel auf 8 bis 16 Natureis-Rinks täglich Trainings und Turniere statt.
'Rolling Stones' in St. Moritz: Seit 1881 finden im Curling-Center 'Al Parc' beim Kulm-Hotel auf 8 bis 16 Natureis-Rinks täglich Trainings und Turniere statt.
Foto: swiss-image.ch

Doch bei aller Vielfältigkeit muss selbst ein so traditioneller und exklusiver Skiort schauen, wie er seine Kosten decken kann. Allein die Edelkundschaft reicht nicht aus, um Sankt Moritz dauerhaft über Wasser zu halten, meint Sigi Asprion, Gemeindepräsident Sankt Moritz. Zwar stammen über 60 Prozent der Betten aus vier oder fünf Sterne Hotels aber das allein ist nicht ausreichend, erklärt Richard Dillier, Präsident des Sankt Moritz Touristboards.

Wir wollen nicht nur der Ort für die Schönen und Reichen sein."

„Wir wollen nicht nur der Ort für die Schönen und Reichen sein“, sagt Sigi Asprion in aller Deutlichkeit und fügt hinzu: „Wir müssen auch die Klientel anlocken, die nicht zu den oberen Zehntausend zählt!“ Natürlich will man keinesfalls seine angestammte Luxusklientel vergraulen. Jedoch kann es sich selbst ein Ski-Ressort wie Sankt Moritz auf Dauer nicht leisten, vorwiegend vom Luxussegment zu leben. Neue Ski-Pass-Angebote und Hotels mit drei Sternen entstehen und sollen den Tourismusmix in Zukunft vergrößern, sagt Richard Dillier.

Ein teures Vergnügen

Selbst im Engadin ist der „Frankenschock“ zu spüren. Schweiz-Touristen müssen nämlich im Schnitt 20 Prozent mehr hinblättern. In einem edlen Ort wie St. Moritz fällt das doppelt ins Gewicht. Deshalb will Asprion das Image des Schweizer Ski-Mekkas „Top of the World“ langsam aber behutsam verändern. Doch von Krise will keiner der Verantwortlichen offen sprechen. Noch immer werben sie mit strahlendem Sonnenschein, hellblauem Himmel, schneebedeckten Skipisten, einem Panoramablick wie man ihn eigentlich nur noch auf Postkarten erlebt ... Aber es gibt nur ein Problem: Es fehlen immer mehr Touristen! Skiressorts in der Krise? Ein Wort, das man kaum laut aussprechen darf, denn schließlich will man sein Image nicht verlieren.

Jedoch sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Allein der Wegbruch der russischen Touristen hat Sankt Moritz 2015 ein Minus von 21 Prozent beschert. In St. Moritz, einer Hochburg für russische Wintergäste, ging die Zahl der Logiernächte im Januar 2015 gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent zurück. Das Wintergeschäft brach regelrecht ein. Die russische Wirtschaftskrise bedingt durch den Ukrainekonflikt hat auch im Engadin ihre Spuren hinterlassen und wirkt sich stark auf den Schweizer Wintertourismus aus. Ein Trend, dem man in St. Moritz auf jeden Fall entgegen steuern will.



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