Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Rosa Möbel: Plötzlich irgendwie cool
Der Einrichter Vitra zeigt in seinem Museum in Weil am Rhein einen Wohntraum (nahezu) komplett in Rosa.

Rosa Möbel: Plötzlich irgendwie cool

Foto: dpa
Der Einrichter Vitra zeigt in seinem Museum in Weil am Rhein einen Wohntraum (nahezu) komplett in Rosa.
Lifestyle 3 Min. 14.07.2017

Rosa Möbel: Plötzlich irgendwie cool

Rosa wirkt sanft, mädchenhaft und fröhlich. Kein Wunder also, dass in bewegten Zeiten eine so unschuldige Farbe im Design wieder den Ton angibt. Und das vom Sofa bis zur Wand.

(dpa) - Eigentlich waren vor allem kleine Mädchen Fans von Rosa, als Pantone die Nuance „13-1520 Rose Quartz“ zur Farbe des Jahres 2016 kürte. Das Unternehmen hat ein Farbsystem für die Grafik- und Druckindustrie entwickelt und lässt jedes Jahr Scouts nach Trends suchen - die gerne von Firmen für ihre Produkte aufgegriffen werden.

Es dauerte dann etwas, bis die rosafarbene Welle von der Mode bis ins Wohnzimmer geschwappt ist. Aber auf der Möbelmesse Salone del Mobile in Mailand gab 2017 die Nuance selbst bei ernstzunehmenden Designermöbeln den Ton an.

Aus gutem Grund: Die Farbe spiegelt den Zeitgeist wieder. „Rose Quartz ist ein enthusiastischer, aber dennoch sanfter Farbton, der Freundlichkeit und Gelassenheit vermittelt“, sagt Leatrice Eiseman, Direktorin des Pantone Color Institute. „Der Konsument strebt nach Erfüllung und Wohlbefinden in seinem alltäglichen Leben. Deshalb stehen immer mehr einladende Farben im Vordergrund, die psychologisch gesehen die Sehnsucht nach Ruhe und Sicherheit erfüllen.“

Rosa nicht mehr nur für Frauen

Gerade Rosa ist eine Farbe, die mehr und mehr hinterfragt wird - und das im positiven Sinne. Das traditionelle Empfinden verschwimmt. Es gibt eine Tendenz zu Unisex-Kleidung und Geschlechtergleichheit. Und die Farbe gilt verstärkt als persönliche Ausdrucksform. Die Folge: Rosa darf eben nicht mehr nur von Mädchen oder Frauen getragen werden. Männer trauen sich mehr und mehr an die Nuance heran.

Der Designer Jaime Hayon hat jüngst das Hotel Torre Barceló in Madrid eingerichtet, unter anderem mit einer rosa Version seines Stuhl Catch für das dänische Label &tradition.
Der Designer Jaime Hayon hat jüngst das Hotel Torre Barceló in Madrid eingerichtet, unter anderem mit einer rosa Version seines Stuhl Catch für das dänische Label &tradition.
Foto: dpa

So wie Jaime Hayon. Aber der spanische Designer hat sich noch nie um Klischees geschert. Und so hat er jüngst das verspielte Hotel „Barceló Torre“ in Madrid eingerichtet. Darin steht unter anderem sein Stuhl Catch, den er für das dänische Label &tradition entwarf. Mit seinen angedeuteten Armlehnen signalisiert das Sesselchen dem Nutzer, dass es ihn mit offenen Armen aufnehmen wird. Das bequeme Sitzmöbel mit den fließenden Linien wirkt in Rosabesonders leicht.

Damit passt der Stuhl in jedes Boudoir, bildet aber auch einen Kontrast in einem coolen Ambiente mit Schwarz, Grau oder Weiß. „Ich vereine viele Widersprüche, ich mag das Verspielte dabei“, erklärt Hayon. „Durch den rosafarbenen Bezug wirkt Catch, ein schlichter Stuhl, gleich viel weniger seriös. Er fügt dem Ambiente, in dem er steht, einen gleichermaßen leichten wie eleganten Touch hinzu.“

Ein anderes Beispiel ist Konstantin Grcics Entwurf 503 Soft Props für Cassina. Es handelt sich um gepolsterte Sitzmodule, die sich mittels eines Rohrs in zahlreichen Varianten verbinden lassen. Das Rohr ist zwar ein dominantes Element, aber dank des rosa Stoffes wirkt das Sofa wenig technisch. Ebenfalls neu: der Silvana Armchair des Designstudio Ciarmoli Queda. Dabei handelt es sich um ein rundes Sesselchen in Rosé, das für den Hang nach Entschleunigung sowie den vermeintlich guten alten Zeiten steht.

Selbst Klassiker erscheinen in der Trendfarbe in neuem Licht: 1941 schuf Finn Juhl das Poet Sofa. Den kleinen Zweisitzer gibt es nun in einer rosa Nuance, die dem Möbel frischen Schwung verleiht.

Das niederländische Design-Duo Scholten & Baijings kreierte eine Serie niedriger Sofas und Sessel namens Ottoman für Moroso. Natürlich tragen auch sie rosa.
Das niederländische Design-Duo Scholten & Baijings kreierte eine Serie niedriger Sofas und Sessel namens Ottoman für Moroso. Natürlich tragen auch sie rosa.
Foto: dpa

Der Rosa-Rausch geht noch weiter - und durch viele Länder. Das niederländische Design-Duo Scholten & Baijings kreierte eine rosa Serie niedriger Sofas und Sessel namens Ottoman für den Hersteller Moroso. Und das Traditionsunternehmen Vitra zeigt in seinem Flagshipstore und Museum, dem Vitrahaus in Weil am Rhein, sogar einen Wohntraum komplett in Rosa - mit Möbeln aus vielen Jahrzehnten, zusammengestellt von der Designerin India Mahdavi.

Das Design der nordischen Länder galt in den vergangenen Jahren als richtungsweisend - auch hier hat Rosa den puren Beige-Holz-Look abgelöst. Zwar waren Entwürfe wie die Tischleuchte Cap des Design-Duos kaschkasch, der Pouf Circus von Simon Legald oder der Kosmetikspiegel Flip von Javier Moreno für das Label Normann Copenhagen im Original nicht in Rosa vorgesehen - aber in dieser Farbe wirken sie überraschend lebendig, dynamisch und irgendwie cool.

Rosa ist flamboyant, schick und schmeichelhaft für das Auge. Und so ist Rosa in Innenräumen immer beliebter geworden“, erklärt Normann-Copenhagen-Gründer Paul Madsen. „Da die Farbe in Schattierungen von Beige mit nur einem Hauch von Rosa daherkommt, oder als ein Hybrid aus Pfirsich und Koralle sowie als lebendiges Barbie-Rosa, gibt es keinen Grund, die Töne nicht zu nutzen und sogar alle zusammen zu bringen“, findet der Designexperte.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Farben des Jahres 2019
Nächstes Jahr soll sich die Farbe Korallenrot laut dem US-Unternehmen Pantone auch in Modehäusern, an Möbeln und auf Verpackungen durchsetzen. Andere Farbexperten sehen andere Trends.
ARCHIV - 03.09.2015, Großbritannien, London: Die australische Schauspielerin Emily Browning trägt bei der Premiere des Films  "Legend" ein korallenrotes Abendkleid. In den Meeren schimmen vielerorts die Korallen nur noch in gräulich-weiß - abgestorben. Doch im Jahr 2019 soll die Koralle zumindest modisch wieder leuchten: Das US-Unternehmen Pantone, dass internationale Farbsysteme für die Druck- und Grafikindustrie ebenso wie für die Modebranche geschaffen hat, hat Pantone Living Coral zur Farbe des nächsten Jahres gekürt. (zu dpa "Korallenrot soll Farbe des Jahres 2019 sein" vom 06.12.2018) Foto: Facundo Arrizabalaga/EPA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Teppiche: Die neuen Stars in der Wohnung
Lange galten die Bodenbeläge eher als Notwendigkeit denn als Hingucker. Doch das hat sich geändert. Geholfen hat dabei sicher, dass international bekannte Möbel-Designer sich inzwischen auch dem Bodenbelag widmen.
Zum Themendienst-Bericht von Uta Abendroth vom 1. Mai 2017: Die handgeknüpften Teppiche von Hossein Rezvani stehen für modernes Design aus dem Iran. 
(ACHTUNG - HANDOUT - Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des nachfolgenden Credits.) Foto: Hossein Rezvani/dpa-tmn
Modehäuser und Interiordesign: Couture fürs traute Heim
Luxus, Qualität und Stil - damit assoziieren wir die Entwürfe bekannter Modedesigner und -marken. Wer diesen Look auch auf die eigene Küche oder ins Wohn- und Schlafzimmer übertragen möchte, der wird bei den zahlreichen Home Collections fündig.
Zum Themendienst-Bericht «Couture für zu Hause - Wenn die großen Modehäuser Möbel herstellen» von Uta Abendroth vom 20. Februar 2017: Wenn Modelabels Wohnaccessoires produzieren: Joop!Living zum Beispiel verkauft auch Bettwäsche. 
(ACHTUNG - HANDOUT - Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des nachfolgenden Credits.) Foto: JOOP! LIVING/dpa-tmn
Hausbesuch: Raum für frische Ideen
Im Coffee Table Book „Best of Interior“ zeigen 15 Bloggerinnen wie sie ihrem Zuhause das gewisse Etwas verliehen haben. Wir haben drei der Einrichtungstalente nach ihren besten Tipps und Tricks rund ums Wohnen befragt.
Auch Männer müssen keine Angst vor rosa Sofas haben, findet die Berliner Fotografin Jules Villbrandt.