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Reifen bei E-Antrieb: Groß und schmal
Lifestyle 4 Min. 02.08.2019

Reifen bei E-Antrieb: Groß und schmal

Stromer wie der BMW i3 fahren auf verhältnismäßig dünnen Reifen vor.

Reifen bei E-Antrieb: Groß und schmal

Stromer wie der BMW i3 fahren auf verhältnismäßig dünnen Reifen vor.
Foto: BMW Group
Lifestyle 4 Min. 02.08.2019

Reifen bei E-Antrieb: Groß und schmal

Reifen für Elektroautos sind in der Regel primär auf eine hohe Reichweite ausgelegt. Roll- und Luftwiderstand sind entsprechend gering.

(dpa) - Elektroautos wie der Renault Zoe, der BMW i3 oder der Kia Soul haben eines gemeinsam: Sie sind mit auffällig schmalen Reifen unterwegs. Sprüche wie ob es für „richtige Reifen“ wohl nicht mehr gereicht habe, ignorieren die Stromerfahrer besser. Wohl wissend, dass ihre vermeintlichen „Asphalt-Trennscheiben“ echte Hightechpneus sind. Denn hinter dieser Art von Leichtlaufreifen mit großem Durchmesser und schmaler Lauffläche steckt das Bemühen, möglichst viele Kilometer mit einer Akkuladung weit zu kommen.

„Autos wie der i3 sind auf optimale Reichweite ausgelegt, und diese schmalen Reifen haben einen besonders geringeren Roll- und Luftwiderstand“, erklärt Volker Blandow von der Prüforganisation TÜV Süd. Ganz anders der sportliche Tesla S, der mit breiten 245er-Reifen ausgeliefert wird. „Der Wagen hat eine große Batterie mit enormen Beschleunigungswerten von unter drei Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die lassen sich aber nur mit breiteren Reifen auf die Straße bringen“, sagt Blandow.

Am Ende sind die Anforderungen für Elektroauto-Reifen in beiden Fällen hoch. „Sie benötigen eine hohe Tragfähigkeit, müssen also ein höheres Gewicht verkraften können, denn Elektrofahrzeuge wiegen durch den Akku einfach mehr“, so der deutsche Reifenexperte Hans-Jürgen Drechsler. Daneben verfügten E-Autos über ein höheres Drehmoment, weshalb speziell dafür ausgelegte und damit langlebigere Reifen die erste Wahl seien.

Grundsätzlich jedoch kann jeder Elektroautoreifen auch für ein Verbrennerauto genutzt werden und umgekehrt, so Drechsler. Entscheidend sei am Ende insbesondere die Gummimischung, denn die beeinflusse auch den Rollwiderstand und damit die Laufleistung des Reifens. „Das Thema Reichweite spielt für E-Autos eine ganz entscheidende Rolle, daher sind diese Reifen energieoptimiert und weisen andere Fahreigenschaften auf als etwa ein Reifen für einen Geländewagen oder ein Sportcoupé“, so Klaus Engelhart vom Reifenhersteller Continental. Bei einem Reifen mit besonders guten Haftwerten etwa müsse man beim Rollwiderstand gewisse Abstriche machen.


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Große Bremsanlagen erfordern große Räder

Daneben spielten aber auch das Profil und die Reifengröße eine wichtige Rolle für den Energieverbrauch. Die großen Durchmesser von Elektroautoreifen haben aber auch noch einen anderen Grund: „E-Autos benötigen durch das hohe Gewicht und die höheren Beschleunigungswerte meist auch eine recht große Bremsanlage, und die wiederum braucht Platz“, erklärt Drechsler. Für viele Stromer seien daher Radgrößen von mindestens 19 Zoll vorgeschrieben.

Am Ende ist es für die Reifenhersteller eine Frage der richtigen Mischung. „Ein sehr wichtiger Bestandteil der Reifenmischung ist das Kieselsäuresalz Silica, durch das erreicht werden kann, dass ein Reifen reibungsarmer abrollt“, so Engelhart. „Außerdem sollte so ein Reifen besonders leise sein, denn das ist ein E-Auto ja von sich aus schon.“ Es bleibe beim Reifenmanagement also immer ein Zielkonflikt, weil ein Reifen nie gleichzeitig in allen Disziplinen absolute Bestwerte aufweisen könne.

Die Reichweitenverlängerung ist am Ende wichtiger als das letzte Quäntchen Fahrkomfort“, sagt Blandow. Zudem sei ein dünnerer Reifen nicht automatisch unsicherer. Denn E-Autos hätten den Vorteil, dass diese Antriebstechnik eine sehr genaue Kraftverteilung erlaube, weshalb Systeme wie die elektronische Schlupfregelung bei Stromern noch effizienter arbeite.

„Ein Stromer kann bis zu 15 Prozent mehr Reichweite mit optimalen Reifen herausholen, bei Benzinern können es fünf bis zehn Prozent sein“, so Blandow. Wer sich für einen speziellen Elektroautopneu entscheidet, muss derzeit etwa zehn bis 20 Prozent mehr investieren. Das jedoch kann sich schnell bezahlt machen, denn die optimierten Leichtlaufreifen halten auch deutlich länger.

Wer seinen Stromer mit ganz normalen Reifen bestückt, muss laut TÜV Süd mit einer deutlich kürzeren Lebensdauer der Pneus rechnen. Insgesamt ist die Auswahl an speziellen Reifen für Elektrofahrzeuge aber noch überschaubar.



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