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Ein Stern für „Tante Fai“
Lifestyle 2 Min. 18.12.2017 Aus unserem online-Archiv
Prämierter Straßenimbiss

Ein Stern für „Tante Fai“

Offenes Feuer und Skibrille zum Schutz: „Tante Fai“ hat sich mit ungewöhnlichen Mitteln einen Stern erkocht.
Prämierter Straßenimbiss

Ein Stern für „Tante Fai“

Offenes Feuer und Skibrille zum Schutz: „Tante Fai“ hat sich mit ungewöhnlichen Mitteln einen Stern erkocht.
Foto: AFP
Lifestyle 2 Min. 18.12.2017 Aus unserem online-Archiv
Prämierter Straßenimbiss

Ein Stern für „Tante Fai“

Sie kocht in einer Imbissbude mit Skibrille: Die 72-jährige „Tante Fai“ wurde für ihre Kochkünste überraschend mit einem Stern im „Guide Michelin Bangkok“ ausgezeichnet.

von Daniel Kestenholz

Bangkoks berühmte, vielfältige und überraschende Küche hat in den vergangenen Jahren ordentlich zugelegt. Galt die Metropole früher als Eldorado für billiges, köstliches „street food“, hat sich Bangkok längst einen Namen unter Gourmets und Gourmands weltweit geschaffen. Sei es Pizza, „Fusion cuisine“ oder „Omakase Sushi“ – thailändische Köche scheinen einfach ein Händchen für alles zu haben.

Das hat auch Michelin auf den Plan gerufen, dessen anonyme Testesser nach monatelangen geheimen Inspektionen die begehrten Michelin-Sterne verleihen. Unlängst hat Michelin den ersten der berühmten roten Gourmetführer für Bangkok herausgegeben, 17 Restaurants erhielten die begehrte Auszeichnung.

Ferraris an der Imbissbude

Das noble „Le Normandie“ im „Mandarin oriental“, in dem Herren nur im Jackett speisen dürfen, trumpft alleinig mit drei Sternen auf. Die große Überraschung des „Guide Michelin Bangkok“: der Stern für „Raan Jae Fai“, was so viel heißt wie der „Laden von Tante Fai“. „Raan Jae Fai“, das ist eine offene Vorderküche mit Hockern auf die Straße hinaus, inmitten des geschäftigen Stadttreibens. Am Straßenrand parken auch mal Ferraris und Bentleys, um bei „Tante Fai“ ihren Fix zu bekommen, wie ein lokaler Food-Blog wissen ließ.

Die 72-jährige Fai kocht selbst in ihrem Laden, und das seit vier Jahrzehnten. Gäste stehen bis spät nachts Schlange für Fais großzügig angerichtete Nudeln mit Meeresfrüchten, das Krabbencurry und andere Gerichte, die auch von tausend anderen Garküchen und Restaurants in Thailand zubereitet werden. Aber eben nicht so gut wie bei „Tante Fai“, bei der über Holzkohlefeuer gekocht wird – das haben die verwöhnten Michelin-Kritiker beschieden.

Fai dirigiert noch immer selbst das Geschehen in der Küche, in der sie eine Skibrille trägt, wenn sie an den großen Woks zaubert, um sich vor dem spritzenden Öl zu schützen. Ein Einzelgericht kann bei Fai bis zu 35 Dollar kosten – teuer für thailändische Straßenverhältnisse, doch spottbillig für ein Michelin-Stern-„Restaurant“. „Natürlich sagen mir viele Leute, dass ich verrückt sei, es sei zu teuer“, sagt Fai, „aber ich bezahle meine Mitarbeiter gut und verwende die besten Zutaten. Wenn die Leute die Preise nicht mögen, können sie woanders essen.“

Von Michelin-Sternen habe sie zuvor zwar schon gehört, doch „nicht gewusst, dass es mit Kochen zu tun hat“. Sie sei „sehr stolz“, müsse aber in die Küche zurück, erklärt die frisch gebackene Sterneköchin: „Wir haben nicht viel Personal, weil ich ein bisschen schwierig und verrückt bin.“

Im vergangenen Jahr hatten in Hongkong und Singapur zwei erste bescheidene Straßenrestaurants einen Michelin-Stern erhalten.


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