Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Peru zum Kuscheln

Peru zum Kuscheln

Peru zum Kuscheln

Peru zum Kuscheln


19.04.2019

Das Alpaka ist kleiner als das bis zu zwei Meter große 
Lama und dient eher zur Wollgewinnung denn als Lasttier.

Auf dem Weg in Richtung Machu Picchu: In den Anden erweisen sich die wolligen und zutraulichen Alpakas und Lamas als angenehme Begleiter.

von Karsten-Thilo Raab (Text und Fotos)

Alpakas und ihre Verwandten, die Lamas, Vicuñas und Guanacos, gehören zu Peru wie die Anden. Wohl auch, weil die vierbeinigen Wollknäuel durch ihren sanften und gutmütigen Charakter bestechen. Nicht wenige, die in den kühlen Morgenstunden Richtung Machu Picchu aufbrechen, blicken ein wenig neidvoll auf die tierischen Andenbewohner. Ja, Lama müsste man sein. Deren dickes, zotteliges Fell wirkt wie ein mollig warmer Ganzkörperumhang.

„Wem es zu kalt ist, der sollte sich einfach Lama-Dung unter die Kleider stopfen“, rät  Guillermo Páez halb amüsiert, halb ernst. Und der Venezolaner, der in Wien Hotelfach studierte und seit 2003 als Fremdenführer arbeitet, weiß, wovon er spricht. In der Tat schützen sich insbesondere Andenisten, wie die Bergsteiger in dem südamerikanischen Hochgebirge heißen, mit den Exkrementen der Tiere vor dem Erfrieren. „Allerdings riecht man dann etwas strenger“, scherzt Guillermo, während die letzten Kilometer zur berühmten Ruinenstadt der Inkas in mehr als 2 000 Metern Höhe in Angriff genommen werden.

Für seine Anstrengung beim Wandern durch die dünne Luft wird man von den intensiven Farben der Bergwelt, der Herzlichkeit ihrer Bewohner und den geduldigen Begleittieren belohnt.

Positiv neugierig und sozial

Tatsächlich gerät die terrassenförmig angelegte Stadt aus dem 15. Jahrhundert angesichts der tierischen Begleiter fast ein wenig in Vergessenheit. Die kamelartigen Tiere sind für viele nicht weniger faszinierend als die uralten Steine und die prächtige Bergkulisse. Kaum einer tritt den Rückweg an, ohne vorher ein Selfie mit den flauschigen und entspannten Tiere geschossen zu haben. Millionenfach grinsen nun Alpakas, Lamas, Vicuñas und Guanacos auf Fotos in sozialen Netzwerken mit Peru-Reisenden um die Wette.


Fisherman's Beach auf Herm
Oase im Kanal
Auf der kleinen Insel Herm, einer Nachbarinsel von Guernsey, unterliegt nicht nur das Wetter großen Schwankungen.

„Die Tiere sind positiv-neugierig und gehen auf Fremde wie auf Bekannte zu. Gleichzeitig sind sie als Distanztiere immer bemüht, einen natürlichen Abstand zu wahren“, beteuert Guillermo. Ergänzend fügt er hinzu: „Das Schöne ist, die Tiere bedrängen nie jemanden, sondern lassen einem die notwendige Zeit, sich mit ihnen anzufreunden und zeigen einem auch, was sie nicht mögen.“

Ihre Wolle ist begehrt

Dank ihres dicken Fells sind Alpakas besonders widerstandsfähig, trotzen Wind und Wetter. Selbst eisige Kälte macht ihnen scheinbar wenig aus. Während wild lebende Alpakas vorwiegend in den Hochebenen der Anden anzutreffen sind, werden sie in Peru auch auf Grasweiden und Steppen in tieferen Regionen gezüchtet.

Lamas werden vor allem als Lasttiere genutzt.
Lamas werden vor allem als Lasttiere genutzt.

Ein ausgewachsenes Alpaka wird nur zwischen 80 und 100 Zentimeter groß und ist damit um einiges kleiner als das bis zu zwei Meter große Lama, mit dem es oft verwechselt wird. „Anders als Lamas werden Alpakas außerdem nicht als Lasttiere verwendet, sondern hauptsächlich zur Wollgewinnung“, ergänzt Guillermo. Die Wolle der Alpakas ist besonders geschmeidig und warm. Daher eignet sie sich auch perfekt für die Herstellung von dicken Pullovern und Ponchos. Kaum verwunderlich, dass sich überall in Peru Alpakazüchter und Initiativen finden, die sich auf die Verarbeitung der Wolle spezialisiert haben.

Bio und fair gehandelt

Eine solche Einrichtung befindet sich in Chinchero, einer kleinen Stadt im malerischen Urubamba-Tal circa 30 Kilometer von Cusco, dem Startpunkt für die meisten Machu-Picchu-Touren, entfernt. Hier arbeiten fast 50 Frauen jeden Alters und verarbeiten auf traditionelle Weise die Wolle von Schafen und Alpakas. Hergestellt werden vornehmlich Kleidungsstücke, aber auch farbenfrohe Tischläufer oder Rucksäcke.

Die fair gehandelte Ware wird nicht nur auf dem wöchentlichen Indiomarkt in Chinchero, sondern weltweit verkauft. Die Wolle stammt aus biologischer Tierhaltung von Alpakazüchtern und wird weder chemisch bearbeitet noch gefärbt, denn Alpakawolle gibt es in über 20 natürlichen Farbtönen.

Für Besucher ein farbenfrohes Schauspiel, für die Andenbewohner Alltag.

Ein Bezugsort für die verarbeitete Wolle und außerdem ein weiteres beliebtes Reiseziel sind die kleinen Dorfgemeinschaften der Gemeinde Tinki, die auf über 4 000 Metern Höhe in den peruanischen Anden liegen. Angeboten werden auch entspannende Spaziergänge mit den Alpakas.


Madrid holt auf
Viele Spanien-Besucher denken zuerst an Barcelona und dann erst an Madrid. Allmählich aber tritt die spanische Hauptstadt auch touristisch aus dem Schatten Barcelonas heraus.

„Gespuckt wird von Lama & Co zwar überaus zielgenau, aber nur untereinander, um die Rangordnung herzustellen und zu behaupten“, räumt Guillermo mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf.

„Dank ihres gemütliches Gehtempos werden die Alpakas und ihre Verwandten zu tierischen Anti-Stress-Therapeuten“, weiß Guillermo. Die Tiere werden längst in allen Teilen der Welt zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Erwiesen ist zudem, dass der Umgang mit den kamelartigen Tieren bei Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung dazu beiträgt, Körperkoordination und das Körperbewusstsein zu fördern.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die grünen Alpen im Nordmeer
Die Vesterålen hoch im Norden Norwegens sind längst nicht so bekannt wie die Lofoten. Die Inseln locken Wanderer in nordische Landschaften. Und werben mit 100 Prozent Walgarantie.
ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht von Bernd F. Meier vom 26. März 2019: Der enge Trollfjord gehört ebenfalls zur Inselgruppe der Vesterålen. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Pauschalreisen im Umbruch
Bei Millennials haben Pauschalreisen nicht den besten Ruf. Doch auch sie zählen laut aktueller Zahlen zu denen, die diese Form des Verreisens wegen ihrer Vorteile schätzen.
ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht von Philipp Laage vom 28. Februar 2019: Im Urlaub nur am Hotel-Strand liegen wie hier auf Rhodos - das ist genau das, was viele Millennials nicht wollen. Foto: Tobias Schormann/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++