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Patrizia Bambi: „Da tobe ich mich gerne aus“
Lifestyle 36 4 Min. 30.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Patrizia Bambi: „Da tobe ich mich gerne aus“

Patrizia Bambi gründete die Marke Patrizia Pepe zusammen mit Claudio Orrea im Jahr 1993.

Patrizia Bambi: „Da tobe ich mich gerne aus“

Patrizia Bambi gründete die Marke Patrizia Pepe zusammen mit Claudio Orrea im Jahr 1993.
Foto: PR
Lifestyle 36 4 Min. 30.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Patrizia Bambi: „Da tobe ich mich gerne aus“

Nicole WERKMEISTER
Nicole WERKMEISTER
Die Mitgründerin und Kreativchefin des Labels Patrizia Pepe freut sich über das Comeback der Neunziger. Wir trafen die Designerin zum Gespräch.

Sie meidet das Rampenlicht und arbeitet lieber im Stillen. Zur Präsentation ihrer aktuellen Frühjahr/Sommer-Kollektion reiste Patrizia Bambi, Mitbegründerin und Kreativdirektorin des Labels Patrizia Pepe, dennoch aus der toskanischen Idylle nach Mailand und traf sich zum Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“.

Patrizia Bambi, Sie haben Ihr Label Patrizia Pepe 1993 ins Leben gerufen. Ihre treuen Kundinnen können sich also inzwischen gemeinsam mit ihren Töchtern in Ihren Stores einkleiden. Denken Sie bei Ihren Entwürfen inzwischen an verschiedene Altersklassen?

Nein, nicht wirklich. Meine eigene Begeisterung für Mode war schon immer mein bester Leitfaden. Ich denke weniger an einzelne Personen und Altersgruppen. Mich leitet das Verständnis von einer Frau, die viel Energie hat und stark ist – aber auch sanft und feminin. Allerdings ist es natürlich wichtig, die nächste Generation und ihre Bedürfnisse im Blick zu haben. Wir beschäftigen uns deshalb insbesondere mit den Millennials und deren Interessen. Auch die neuen Online-Marketing-Kanäle wie Instagram nutzen wir dazu intensiv.


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Wie kamen Sie eigentlich auf den Begriff „Pepe“ anstelle Ihres Nachnamens?

„Pepe“ heißt auf Italienisch „Pfeffer“, aber auch „sehr lebhaft“. Das erschien uns passend, um auszudrücken, was die Marke schon damals ausmachte: die frechen Elemente, den Bruch mit bis dato gängigen Gewohnheiten.

Ihre Frühjahr/Sommer-Kollektion spielt mit dem aktuellen Athleisure-Stil. Sie enthält aber auch einige Elemente der 1990er-Jahre, die zurzeit modisch wiederentdeckt werden.

Ja, dieses Revival der Neunziger kommt mir natürlich sehr gelegen. Denn die klare Linie, die ich bei Patrizia Pepe schon immer verfolge, war ein wesentliches Merkmal in der damaligen Designsprache, die ich immer beibehalten habe. Das war einige Jahre hindurch nicht so einfach, da das nicht dem allgemein gängigen Stil entsprach. Jetzt sind die Elemente zurück, die ich so liebe: eine klare Linie, ein gewisser Minimalismus mit raffinierten Details – und auch die Logo-Manie. Da tobe ich mich gerne aus.

Die Frühjahr/Sommerkollektion hat auch 2019 wieder grelle Farben zu bieten, schwarz darf jedoch auf keinen Fall fehlen.
Die Frühjahr/Sommerkollektion hat auch 2019 wieder grelle Farben zu bieten, schwarz darf jedoch auf keinen Fall fehlen.
Foto: Nicole Werkmeister

Auch farblich greifen Sie in der neuen Kollektion vielfach zur Palette der Neunziger. Etwa mit Neongelb oder einem leuchtenden Rot. Schwarz scheint jedoch immer in einem recht hohen Anteil präsent zu sein. Warum ist Ihnen Schwarz so wichtig?

Schwarz repräsentiert den dunklen Aspekt meiner Seele. (lacht) Nein, Schwarz ist immer ein guter Gegenspieler und lässt sich vielseitig kombinieren. Und: Schwarz ist elegant. Besonders in Situationen, in denen man nicht genau weiß, was man tragen soll, ist Schwarz immer eine gute Wahl. Mit ein paar geschickt gewählten Accessoires lässt sich mit dieser „Farbe“ ein elegant-moderner Look recht einfach zusammenstellen.

Denken Sie, dass sich mit den medialen Möglichkeiten und der großen Vielfalt in der Mode eine größere Unsicherheit bezüglich des eigenen Kleidungsstils ergeben hat?

Nein. Gerade durch das Internet und die sozialen Medien gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten, sich zu orientieren und sich Anregungen zu holen. Man muss weniger dem folgen, was die einzelnen Marken einem vorgeben. In meiner Wahrnehmung hat diese Entwicklung das modische Selbstbewusstsein der Kunden deutlich gestärkt.

Wo sehen Sie den größten Unterschied zwischen damals und heute?

Es hat sich sehr viel verändert. Der Hauptunterschied im Bezug auf Mode liegt aus meiner Sicht darin, dass man früher eine bestimmte Marke als Statussymbol getragen hat. Da gab es einen klaren Codex, den jeder dechiffrieren konnte. Heute geht es mehr um Lifestyle. Es ist wichtiger einen bestimmten Lebensstil zu verwirklichen und beispielsweise zu verreisen, als einen Pullover mit einem bestimmten Emblem zu tragen, das etwas über den eigenen Wohlstand verrät. Weil man aber dennoch ein erkennbares Statement setzen möchte, sind Accessoires, insbesondere Taschen, heute besonders wichtig. Sie transportieren noch immer viel an modischer Botschaft.

Accessoires wie Taschen sind heute sehr wichtig um das nötige Statement zu setzen.
Accessoires wie Taschen sind heute sehr wichtig um das nötige Statement zu setzen.
Foto: Nicole Werkmeister

Sie haben den Schriftzug Ihres Labels vor einiger Zeit um ein Symbol ergänzt: eine Fliege. Wie kam es dazu?

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann das war, ich glaube 2010: Da haben wir nach etwas gesucht, das sich auch für Accessoires gut als Signet eignen könnte. Die Fliege ist nicht gerade das gefälligste Insekt – aber sie ist, ohne Vorurteile betrachtet, sehr schön und ästhetisch. Für uns also passend unkonventionell.

Was ist das wichtigste Stück in Ihrer Garderobe?

Definitiv eine Lederjacke. Ich mag es, sie unterschiedlich zu kombinieren. Es ist dieser rockige Touch, der viele Outfits auflockert. Ich halte Jacken generell für sehr wichtig. Man kann den perfekten Look zusammenstellen und mit der falschen Jacke dann alles kaputt machen. Deshalb achte ich auch beim Entwurf meiner Kolektionen immer auf die Kombinierbarkeit und gestalte quasi von außen nach innen. In dieser Reihenfolge würde ich für eine neue Saison auch einkaufen.

Was würden Sie sagen, ist noch immer „typisch italienisch“ an Patrizia Pepe?

Das Bild der Frau, das Patrizia Pepe verkörpert, hat etwas Italienisches: temperamentvoll, durchsetzungsstark – aber eben auch sehr feminin. Daraus resultiert ein Mix aus Eleganz und Lässigkeit. Unsere Kundinnen würden sich nie in etwas hineinzwängen, in dem sie sich nicht wohlfühlen. Ein zweiter Aspekt ist die Qualität von Material und Verarbeitung. Italien hat eine große Tradition in der Verarbeitung von Textilien und Leder. Wir möchten diese wertvolle Tradition pflegen und fertigen alle unsere Textilien zu 80 Prozent in Italien, die Accessoires sogar zu hundert Prozent – und das in einem erschwinglichen Preissegment.



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