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Parfums: Was Männer wollen
Lifestyle 5 Min. 05.04.2015

Parfums: Was Männer wollen

Diese Frau kann man(n) nicht so schnell an der Nase herumführen: Olfaktologin Françoise Donche.

Parfums: Was Männer wollen

Diese Frau kann man(n) nicht so schnell an der Nase herumführen: Olfaktologin Françoise Donche.
Foto: Givenchy
Lifestyle 5 Min. 05.04.2015

Parfums: Was Männer wollen

Wie duften echte Gentlemänner? Ein Gespräch mit Françoise Donch, „Directrice Olfactive“ bei Givenchy, über kultivierte Herrendüfte, unreife Früchtchen und modernen Narzissmus.

(nr) - Wie duften echte Gentlemänner? Um diese knifflige Frage zu beantworten, braucht es eine Frau mit reichlich Erfahrung. Wir haben die „Directrice Olfactive“ Françoise Donche, die schon seit über 25 Jahren für die Parfumkreationen des Luxuslabels Givenchy zuständig ist, in Paris zum Interview getroffen.

Madame Donche, ein verbindendes Element Ihrer „Gentlemen Only“-Düfte ist der Geruch grüner Mandarinen. Warum ist Ihre Wahl gerade auf diesen Inhaltsstoff gefallen?

Die Mandarine wurde zu Beginn ihrer Verwendung hauptsächlich für das Parfümieren von Pflegeprodukten für Kinder verwendet. Weil es eine sehr zarte, umschmeichelnde Duftnote ist. Man benutzt sie um einen Gute-Laune-Effekt zu erreichen und ein Lächeln herbeizuzaubern. Man findet sie vor allem in den Kindershampoos aus den 70er-Jahren. Zitrusfrüchte vermitteln aber auch ein Gefühl von Klarheit, Reinheit und Energie. Weswegen sie auch in anderen Bereichen der Parfumeurskunst zunehmend an Popularität gewonnen haben.

Wir haben uns für die noch grüne Mandarine ganz zu Beginn der Erntezeit entschieden. Dann ist ihr Geruch noch deutlich bitterer. Er wirkt immer noch fröhlich, hat aber einen deutlich weniger lieblichen Charakter. Später, wenn die Mandarine mehr Sonne gespeichert hat, ist sie saftiger und gegen Ende fast schon kandiert. Aber auch der Tageszeitpunkt der Ernte spielt eine Rolle. Das, was Sie am Morgen riechen, duftet drei Stunden später nämlich nicht mehr gleich. Pflanzen durchlaufen über die Wochen aber auch über den Tag bestimmte Duftzyklen. Das gilt für Blumen, aber auch für Früchte.

Was allerdings auch nicht ganz unwichtig ist: Zitrusfrüchte finden – im Gegensatz zu anderen Duftfamilien – internationale Zustimmung. 

Die dritte, etwas lässigere Version de „Gentlemen Only“-Serie ist ein frisch-würziger Holzmix. Im Detail bedeutet das: Prickelnde Noten von Kardamom, Ingwer und Wacholder lassen sich nach und nach auf einem Bett aus Birkenblättern, Zedernholz, Ambroxan und Sandelholz nieder. Ein Spritzer von grüner Mandarine findet sich in allen drei Düften, wie auch Zedernholz und Birkenblätter, als verbindendes Element wieder.
Die dritte, etwas lässigere Version de „Gentlemen Only“-Serie ist ein frisch-würziger Holzmix. Im Detail bedeutet das: Prickelnde Noten von Kardamom, Ingwer und Wacholder lassen sich nach und nach auf einem Bett aus Birkenblättern, Zedernholz, Ambroxan und Sandelholz nieder. Ein Spritzer von grüner Mandarine findet sich in allen drei Düften, wie auch Zedernholz und Birkenblätter, als verbindendes Element wieder.
Foto: Givenchy

Werden Zitrusfrüchte also künftig eine immer wichtigere Rolle in der Parfumerie spielen?

Seit Ende der 90er-Jahre hat ein regelrechter Gesellschaftswandel stattgefunden. Es gibt eine verstärkte Nachfrage an Naturprodukten und Authentizität. Das ist ein Trend, den man derzeit überall auf der Welt beobachten kann. Die Städter wollen wieder ein Gefühl der Naturverbundenheit erleben. Das spiegelt sich zum Beispiel in ihrem Freizeitverhalten wider: Die Leute haben wieder Lust im Garten zu arbeiten und aufs Land rauszufahren. Man versucht die Beziehung zur Natur wiederherzustellen und sie sogar zu sich in die Stadt kommen zu lassen. Das sieht man an den ganzen Bioprodukten, vor allem im Lebensmittelbereich. Aber auch was Mode und Kosmetik anbelangt hat die Nachfrage nach möglichst natürlichen Produkten zugenommen. Auch im Bereich der Luxusparfums verzeichnen wir hier ein sehr großes Plus.

Da Sie gerade auch von Lebensmitteln gesprochen haben: Stimmt es, dass unsere Ernährung einen direkten Einfluss auf unseren Geruchssinn, beziehungsweise bestimmte Duftpräferenzen hat?

Es ist sicher kein Zufall, dass man viele Zutaten aus der Gastronomie, wie etwa Gewürze, auch in der Parfumherstellung wiederfindet. Diese Verbindung zwischen Geschmack und Geruch gibt es tatsächlich und kann bei der Herstellung von Parfums als Inspiration dienen. In den letzten 15 Jahren gab es zum Beispiel diesen großen Trend zu süßen Parfums, die nach Früchten wie Himbeeren, Schokolade oder Karamell duften. Sie sprechen eine Generation an, die mit Zucker groß geworden ist – mit Nutella, Cola und Schokolade – und viel weniger Gemüse gegessen hat als die Generationen vorher. Die sogenannten „Gourmand“-Düfte wecken in ihnen unbewusst Kindheitserinnerungen.

Bei Givenchy bin ich in Bezug auf diese Kategorie allerdings eher vorsichtig und setze sie nur in sehr geringen Dosen ein. Weil ich finde, dass diese Kategorien fast schon widerlich wirken können, wenn der Duft zu süß ist. Außerdem finde ich sie persönlich zu ausdrucksstark. Deshalb deute ich sie in meinen Kreationen höchstens an. Wenn der Geruch zu real wird, der Duft von jemandem etwa zu sehr an Schokolade erinnert, dann verliert ein Parfum diese träumerische Qualität.

Die meisten Männerparfums riechen irgendwie alle gleich. Woher kommt das?

Das ist zum Teil historisch begründet. Die Frauen haben bereits Anfang des 20. Jahrhunderts damit begonnen sich zu parfümieren, während Männer erst seit den 50er-Jahren damit angefangen haben. Wenn sie Parfum aufgetragen haben, dann höchstens nachdem sie beim Barbier rasiert wurden. Das war aber nichts Alltägliches. Erst seit dem Aufkommen elektrischer und mechanischer Rasierer für den Heimgebrauch in den 50er-Jahren hat sich der Bereich der Herrenparfums entwickelt. Es gibt also einen deutlichen Rückstand. Das Feld ist viel kleiner gefasst. Es gibt nur zwei große Kategorien: Frisches und Aromatisches. Männer favorisieren dabei grundsätzlich Düfte, die Purheit und Sauberkeit ausstrahlen, was sicherlich noch immer mit dem Ritual des Rasierens zusammenhängt.

Blumen findet man bei Männern hingegen überhaupt nicht wieder, weil sie eine gewisse Zweideutigkeit mit sich ziehen. Es gab zwar einen leichten Trend in diese Richtung um das Jahr 2003 herum, aber der konnte sich nicht durchsetzen.

Männer sind außerdem viel konservativer als Frauen. Sie wechseln höchstens alle drei bis fünf Jahre ihr Parfum, Frauen im Schnitt etwa jedes Jahr. Das liegt sicher auch daran, dass Männer ihre Wahl nicht in Frage stellen, wenn sie sich mit etwas wohlfühlen – ob das nun ein Parfum oder Schuhe sind. Sie kaufen sich sieben Mal das gleiche Hemd oder eben das gleiche Parfum. Ich rede hier natürlich von Männern jenseits der 35. Im Alter zwischen 15 und 35 Jahren gibt es durchaus eine Experimentierphase.

Wie steht es um das Zukunftspotenzial von Unisexparfums?

Die sind natürlich so komponiert, dass beide Geschlechter sie gleich gut tragen können. Sie werden also niemals einen total männlichen oder weiblichen Duft ersetzen. Sie können aber bei Männern durchaus ein Gefühl der Entspannung und Feinsinnigkeit wecken, während Frauen sie eher dazu benutzen um sich von anderen abzuheben. Aber laut neuesten Umfragen tragen eh nur zwei Leute von 40 solche Unisexparfums, weil die meisten nichts mit diesem zweideutigen Zwischenbereich anfangen können, sondern Klarheit brauchen.

Worauf achten Männer bei der Auswahl eines Duftes?

Im Bereich der Männerparfums bewegen wir uns in einer relativ elitären Welt. Mehr als das bei Frauenparfums der Fall ist. Ihr Anspruch ist etwas höher. Sie suchen nach Qualität – und schönen Flakons. Ob Sie's glauben oder nicht: Die Optik der Flakons ist ihnen sehr wichtig, Es ist ein wenig so wie mit Uhren. Da gibt's keinen Platz für Schnickschnack. Die Kunden suchen nach schönem Design, sinnlichen Farben und nach olfaktorischer Raffinesse.

Inwieweit spielt die Tatsache, dass ein Parfum später potenziellen Partnern gefallen soll, eine Rolle bei Ihrer Arbeit?

Man muss bedenken, dass es eine beträchtliche Individualisierungsbewegung in den 90er Jahren gegeben hat. Die jüngeren Generationen sind deshalb viel egoistischer. Sie kaufen einzig und allein für sich selbst ein und das in sehr narzisstischer Weise. An allererster Stelle steht man selbst: mein Geschmack, meine Wahl! Man will zuallererst sich selbst gefallen und sich selbst einen Gefallen tun. Das war früher anders.


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