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„North American International Auto Show“ in Detroit: Winterblues am Detroit River
Lifestyle 17 3 Min. 16.01.2016

„North American International Auto Show“ in Detroit: Winterblues am Detroit River

Selten bot die „North American International Auto Show“ in Detroit (noch bis 24. Januar) so wenige echte Neuheiten wie in diesem Jahr. Besonders die heimischen Hersteller enttäuschen auf der diesjährigen Naias. Die europäischen Autobauer riskieren da schon deutlich mehr.

(mid) - Das Frühstücksfernsehen ist in den USA eine feste Größe. Da macht die einstige Millionenmetropole Detroit keine Ausnahme. Doch am Eröffnungstag der „North American International Auto Show“ 2016 flimmerten zu morgendlicher Stunde in erster Linie Prominente wie Leonardo DiCaprio und Matt Damon über den Bildschirm. Die abendliche Verleihung der Golden Globes in Los Angeles als wichtigstem Fernsehpreis der Welt hat der „North American International Auto Show“ im winterlichen Detroit einen Strich durch die Rechnung gemacht.

So interessiert viele Amerikaner scheinbar nur am Rande, dass die nationale Autoindustrie gerade das erfolgreichste Jahr ihrer Geschichte hinter sich gebracht hat. 17,4 Millionen verkaufte Autos waren fast sechs Prozent mehr als noch 2014 und verdrängten das bisherige Rekordjahr 2000 auf Platz zwei.

Doch es liegt nicht nur an den amerikanischen Filmsternchen, dass sich die NAIAS diesmal selbst in den lokalen Fernsehanstalten schwertut. Es sind auch die Neuheiten, die im Januar 2016 deutlich rarer gesät sind als erwartet. Gerade das in Detroit allzu gern verhätschelte Hersteller-Dreigestirn aus Ford, General Motors und Fiat Chrysler bleibt weit hinter den Erwartungen zurück.

Da ist der mächtige Großraum-Van Chrysler Pacifica, der mit seinem variablen Innenraum und jeder Menge Platz für acht Personen für echte Aufmerksamkeit sorgt; auch weil der Familien-Transporter erstmals mit Plug-in-Hybridantrieb zu bekommen ist. Nach Europa kommt der bis zu 211 kW (287 PS) starke Schiebetür-Van als Nachfahre des einst so erfolgreichen Voyagers nach der neuen Ausrichtung von FCA nicht mehr.

Kompakter Stromer

Mit dem Chevrolet Bolt – 150 kW (204 PS) stark und 320 Kilometer Reichweite – ist zumindest ein neuer Konkurrent für den BMW i3 und den Nissan Leaf entstanden. Doch das rund vier Meter lange Elektromobil hatte GM-Chefin Mary Barra bereits einige Tage zuvor auf der CES in Las Vegas enthüllt. So bleibt es für die amerikanischen Hersteller bei müden Premieren wie dem Chevrolet Cruze Hatchback oder der Modellpflege des Ford Fusion, der in Europa als Mondeo verkauft wird.

„Unser Star auf der Naias ist der Fusion“, sagt Joe Hinrichs, von Ford of America, „wir setzen verstärkt auf Plug-in-Hybride; auch wenn die Nachfrage wegen der niedrigen Kraftstoffpreise aktuell gesunken ist.“ Ein paar Meter weiter zeigen der Honda Ridgeline und die imposanten Kraftpakete Nissan Titan Warrior Concept sowie Ford F-150 Raptor, dass Pick-ups in den USA die treibende Kraft sind. Der F-150 ist seit 39 Jahren der meistverkaufte „Pritschen-Laster“ in den USA. Weltweit sieht es kaum anders aus. Alle 19 Sekunden wird ein Pick-up aus Dearborne verkauft.

Geht es um die größte Aufmerksamkeit auf der Auto Show in der Cobo Hall, spielen die europäischen Hersteller die Hauptrolle. Neben der komplett neuen E-Klasse präsentiert Mercedes-Benz gleich noch das Luxus-Cabriolet AMG S 65 und von US-Sternchen Ryn Weaver besungen den SLC, der den SLK ablöst.

Audi legt seinen A4 allroad quattro nach und gibt mit dem h-tron quattro concept einen Ausblick in die Zukunft alternativer Kraftstoffe. Das Wasserstoff-Mobil wird von einer 110 kW (150 PS) starken Brennstoffzelle und einem 100-kW-Akkupaket angetrieben. Die elektrische Reichweite beträgt 600 Kilometer.

Imposante Kraftprotze

Porsche und BMW lassen es mit imposanten Kraftprotzen wie dem 911 Turbo S mit 427 kW (580 PS), dem X4 M40i (265 kW/360) PS und dem M2 (272 kW/370 PS) kraftvoller denn je angehen. Da kann allenfalls noch Lexus mit seinem 348 kW (473 PS) starken Luxus-Coupé LC 500 mithalten. Während Volvo mit dem S90 den Limousinen-Bruder des erfolgreich gestarteten XC90 präsentiert, zeigt Fords Luxus-Ableger Lincoln einen neuen Continental, der im Gegensatz zur eleganten Volvo-Limousine nicht nur von einem aufgeladenen Vierzylinder angetrieben wird. Schick und viel versprechend: der neue Infiniti-Doppelpack aus Q50/Q60 mit neuem V6-Doppelturbo.

Zwischen Demut und Optimismus laufen derzeit die öffentlichen Auftritte von VW ab. „2016 wird eines der wichtigsten Jahre für Volkswagen werden“, unterstrich Marken-Chef Herbert Diess auf der Naias. „Wir wollen die Dinge in Ordnung bringen und müssen das Vertrauen in unsere Marke zurückgewinnen.“ Produktmäßig sieht es bei VW jedoch blass aus. Immerhin belegt die Studie des „Tiguan GTE Active Concept“, dass die Wolfsburger die USA weiterhin im Blick haben und bald in jedem Segment einen SUV platzieren wollen.

Den Aufstieg in die Luxusklasse will Hyundai mit seiner neuen Submarke Genesis schaffen. Der neue G90 macht zumindest Geschmack auf den Teilaufstieg. Ob das wie bei der Toyota-Edeltochter Lexus reicht, um zumindest auf dem nordamerikanischen Markt in der ersten Nobelliga mitzuspielen, muss die Zukunft zeigen.


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