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„Man muss sich treu bleiben“
Lifestyle 4 4 Min. 28.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Nobieh Talaei

„Man muss sich treu bleiben“

Lifestyle 4 4 Min. 28.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Nobieh Talaei

„Man muss sich treu bleiben“

Nobieh Talaei arbeitet in ihrem Atelier im Berliner Bezirk Mitte an den neuen Entwürfen ihrer Marke Nobi Talai, die 2015 auf der Berliner Fashion Week Premiere feierte. In diesem Jahr zeigte sie bei der Modewoche nur einen Teil ihrer Kollektion – das Gesamtwerk präsentiert Talaei in Paris, wo am Donnerstag die Prêt-à-porter-Schauen starten.

Interview: Michael Juchmes

Nobieh Talaei, bisher haben Sie Ihre Kollektionen auf der Berliner Modewoche präsentiert. Nun zieht es Sie zum zweiten Mal nach Paris. Wie kam es dazu?

Diese Saison habe ich im Vogue Salon der Berliner Fashion Week nur eine kleine Auswahl der „NT04“-Kollektion und auf der Messe „Premium“ die Verkaufskollektion präsentiert. Die gesamte „NT04“-Kollektion werde ich zum zweiten Mal Anfang März in Paris der internationalen Presse vorstellen. Ich habe mich für diesen Weg entschieden, um langfristig globale Wahrnehmung für mein Label zu erreichen.

Welche Bedeutung hat die Modehauptstadt Paris für Sie?

In Paris ist die meiste Fachpresse vertreten – und dort sind auch die ganzen Einkäufer. Mit meinem Auftritt möchte ich auch auf die deutsche Mode aufmerksam machen, denn ich bin der Überzeugung, dass gute Mode nicht immer einen italienischen oder französischen Ursprung haben muss.

Viele Designer zieht es auch zum Arbeiten in die französische Metropole. Haben Sie vor, Ihr Atelier dort einzurichten oder bleiben Sie der Stadt Berlin treu?

Berlin ist eine sehr spannende Stadt mit einer besonderen Dynamik und einer Vielfalt an Kultur und kreativen Impulsen. Ich lebe und arbeite dort seit über 20 Jahren ausgesprochen gerne. Berlin bleibe ich demnach natürlich treu. Hier habe ich auch sehr viel Zuspruch aus der Branche erhalten und werde weiterhin in meinem Atelier an meinen Kreationen arbeiten. Ab der kommenden Saison habe ich beschlossen der Presse, den Einkäufern und auch unseren Kunden unsere Kollektionen in einer Art Salon privé zu präsentieren, bevor es dann nach Paris geht.

Die Stücke Ihrer aktuellen Frühjahr/Sommer-Kollektion wirken farbiger und frischer als die vorherigen Kreationen. Werden Sie im kommenden Herbst nun wieder auf Farbe setzen?

In dieser Saison setzte ich auf jeden Fall auf Ruhe und Zeitlosigkeit. Die Farben gehen einher mit Stimmungen und Inspirationen, die ich beim Entwerfen habe. Die Farbauswahl ist daher viel mehr intuitiv, als dem Trend folgend.

Gerade Linienführung, fließende Stoffe, Lagenlook – Sie haben Ihren Stil gefunden. Wie lange hat dieser Prozess gedauert?

Er ist nicht abgeschlossen! Es sind viele Überlegungen, viele Ansätze und ein Prozess des immer wieder Ausprobierens und Optimierens – und zwar bei jeder einzelnen Kreation. Meine Entwürfe sollen Ruhe ausstrahlen und präzise in der Schnittführung sein. Die Trägerin soll sich in meinen Kreationen wohlfühlen und von dieser Ruhe in unserer hektischen Zeit begleitet werden.

Zwischen Ihrem Abschluss an der Modeschule ESMOD im Jahr 2003 und der ersten Kollektion im Jahr 2015 lag eine Zeit der Selbstfindung, die Sie unter anderem in die Modeindustrie und zum Interior-Design geführt hat. Wie haben Sie sich in dieser Zeit entwickelt?

Es war eine für mich enorm wichtige und wertvolle Zeit, Unternehmen von innen kennenzulernen und ein Produkt zu begleiten. Eine Erfahrung, die mir heute beim Aufbau meines Labels zu gute kommt. Damals, als junge Modedesignerin, habe ich schnell die Naivität verloren und mit der Zeit begriffen, dass es beim Aufbau eines Unternehmens auf soviel mehr ankommt als nur kreative Ideen. Ein Unternehmen muss sauber geführt werden und es darf keine Kompromisse geben, was Qualität und Positionierung angeht. Man muss eine klare Message haben und sich treu bleiben.

Wie fühlt es sich an, auf eigenen Beinen zu stehen und genau das umsetzen zu können, was einem selbst vorschwebt?

Es fühlt sich auf der einen Seite unbeschreiblich schön an und auf der anderen Seite ist es begleitet von enorm viel Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern und nicht zuletzt auch meinen Kunden. Am Ende ist es ein besonderes Privileg, das machen zu dürfen, wofür mein Herz schlägt.

Sie stammen aus dem Iran, sind aber schon als Kind nach Deutschland gekommen.Wie hat sich das Aufwachsen in zwei verschiedenen Kulturen auf Ihr kreatives Denken ausgewirkt?

Meine Kindheit im Iran und meine persischen Wurzeln beeinflussen mich sehr. Zum Beispiel die Lebensart der im persischen Raum lebenden Nomaden, insbesondere die in ihren textilen Werken vorkommende Sachlichkeit und subtile Koloristik. Auf der Durchreise sind sie immer konzentriert auf das Wesentliche, denn die Lebensbedingungen lassen nichts anderes zu. Dies gilt auch für ihre Kleidung. Während meiner Zeit in Deutschland bin ich zum Bewunderer des Bauhaus und der Neuen Sachlichkeit geworden. Beides zusammengenommen bestimmt die DNA der Marke Nobi Talai.

Wie beeinflussen diese kreativen Quellen Ihre Arbeit und Entwürfe konkret?

Für mich findet hier eine kulturelle Begegnung statt, bei der mich beide Seiten prägen, wenn ich entwerfe. Dementsprechend müssen meine Werke auf das Minimum reduziert und die Schönheit des Einfachen in den Vordergrund gestellt werden.

Ihre ursprüngliche Heimat, der Iran, ist stark vom Islam geprägt. Muslimische Mode ist derzeit auch ein großes Thema. Haben Sie sich schon damit beschäftigt oder über eigene Stücke oder gar eine gesonderte Kollektion nachgedacht?

Wir bekommen Anfragen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt, was uns sehr freut. Denn es zeigt,dass die Mode von den unterschiedlichsten Kulturkreisen angenommen wird. Beispielsweise eben auch im Iran.


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