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Naturschätze, Promenaden – und Bausünden
Lifestyle 3 Min. 12.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Perle Montenegro

Naturschätze, Promenaden – und Bausünden

Die Bucht von Kotor fasziniert Einheimische und Touristen. Eine Fahrt an Bord eines Schiffes durch die Fjorde sollten sich Besucher nicht entgehen lassen. (Foto: Fern Morbach)
Perle Montenegro

Naturschätze, Promenaden – und Bausünden

Die Bucht von Kotor fasziniert Einheimische und Touristen. Eine Fahrt an Bord eines Schiffes durch die Fjorde sollten sich Besucher nicht entgehen lassen. (Foto: Fern Morbach)
Foto: Fern Morbach
Lifestyle 3 Min. 12.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Perle Montenegro

Naturschätze, Promenaden – und Bausünden

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Weltkulturerbestätten, zerklüftete Berge und türkisfarbenes Meer: Montenegro vereint viele Attraktionen auf kleinem Raum. Die Menschen freuen sich über Touristen, denn die bringen Jobs. Doch es ist noch viel Arbeit zu tun.

Von Leila Hardir (dpa)

Der in die Jahre gekommene Kleinbus rast um eine Kurve. Er kommt aus dem Inland, nun wird der Blick auf die Bucht von Budva frei. Für Busfahrer Andrej ist das staunende „Ah!“ und „Oh!“ seiner Mitfahrer nichts Neues. Viermal täglich fährt er in die Touristenhochburg an der Adriaküste hinein. Aus dem Radio schallt der Balkanpop der serbischen Sängerin Goca Trzan. Andrej drückt auf das Gaspedal. Er nimmt keine Rücksicht auf fotografierende Touristen.

Ein Hauch Toskana

In den öffentlichen Bussen, die alle größeren Städte Montenegros verbinden, befinden sich ohnehin kaum Urlauber. Die Fahrzeuge für bis zu zwölf Insassen sind das Transportmittel Nummer eins für die Einheimischen auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück. Hier an der Adria leben die meisten Menschen vom Tourismus. Zu ihren Schichten als Zimmermädchen, in der Gastronomie oder im Nachtclub nehmen die Montenegriner gerne den Bus.

Die Touristen aus Serbien oder auch aus Frankreich und Luxemburg halten sich lieber in den Straßencafés auf oder besichtigen mittelalterliche Stadtzentren, umgeben von duftenden Feigen- und Orangenbäumen. Sie nehmen einen Mietwagen oder einen der klimatisierten Reisebusse, die auf organisierten  Ausflügen eingesetzt werden. Wer dann durch die Landschaft mit ihren Zypressenhainen fährt, der denkt an die Toskana – und nicht an den Balkan.

Der 35-jährige Andrej macht Pause am Busbahnhof von Budva. Wie überall an viel befahrenen Straßen und Plätzen finden Hungrige kleine Imbissbuden, wo noch echte Balkanküche für wenige Euro angeboten wird. „In den malerischen Buchten rund um die Hotelinsel Sveti Stefan gibt es für uns Einheimische gutes Geld mit Unterkünften, Gastronomie und Ausflügen zu verdienen“, erzählt Andrej mit vollem Mund und in passablem Englisch. Der letzte Bissen Cevapcici wandert in den Mund. Die drei saftigen Hackfleischröllchen im Brötchen hat Andrej selbst mit scharfen Soßen, Zwiebeln, Salat und Gemüse angerichtet. Alternativ bietet sich Pljeskavica an, die serbische Form der Frikadelle, die gerne als Balkan-Burger serviert wird. Wer es süß mag, greift zu Palacinka. Die Pfannkuchen werden mit Obst, Kompott oder Zimt und Zucker gereicht.

Im Sommer machen vor Kotor fast täglich Kreuzfahrtschiffe fest. In der kleinen Altstadt des Ortes wird es dann rasch eng.
Im Sommer machen vor Kotor fast täglich Kreuzfahrtschiffe fest. In der kleinen Altstadt des Ortes wird es dann rasch eng.
Foto: Fern Morbach

Rund 500 Euro im Monat, etwas mehr als das Durchschnittseinkommen, verdient der zweifache Vater Andrej mit seinen täglichen Fahrten zwischen Budva und Kotor. Die mittelalterliche Siedlung mit Stadtmauer, Burg und der herrlichen Bucht von Kotor wurde 1979 zum Weltkulturerbe erklärt. Sie ist heute Montenegros Nationalstolz.

Die Geschichtsstudentin Ksenia ist auf dem Weg, ihre Eltern in der Künstlerstadt Herceg Novi zu besuchen, etwa 40 Kilometer Luftlinie weiter nordwestlich. Dafür steigt sie in Budva um. Die Mittzwanzigerin verdient sich als Reiseleiterin Geld für das Studium dazu. Es gebe einfach zu wenig Arbeit, sagt sie. Noch. Denn die Industrie und auch der Tourismus erholen sich vom Jugoslawien-Krieg, aus dem sich Montenegro so gut es ging herausgehalten hat.

Geldverdienen bleibt schwierig

Wer die Touristenbucht von Budva erreicht, schaut nicht nur auf das türkisblaue Wasser der Adria, die historische Hafenstadt und die Insel Sveti Nikola. Sondern auch auf Hotelbunker der sechziger und siebziger Jahre. Mancher empfindet sie regelrecht als Beleidigung für das Auge. Doch es werden weitere Anlagen gebaut: Am Ortsausgang entsteht ein riesiger Komplex mit 36 Häusern und 200 Luxus-Apartments mit Meerblick: „Dukley Gardens“. Hier hat sich ein reicher Investor aus dem Ausland ein Filetgrundstück in Hanglage gesichert.

Das Geldverdienen gestaltet sich aber zum Teil schwierig. Seit 2010 wird abwechselnd gebaut und gestoppt. Die Bauarbeiten nehmen immer dann wieder Fahrt auf, wenn einige Parzellen an investitionswillige Europäer veräußert wurden. Während viele Städte Europas gelernt haben, ihr kulturelles Erbe zu schützen und die Landschaft nicht zu verschandeln, steht der Umweltschutz in Montenegro noch ziemlich am Anfang.

Als eher lieblos könnte man diese Ferienhotellerie in Budva bezeichnen. An der Küste Montenegros finden sich immer noch viele Bausünden.
Als eher lieblos könnte man diese Ferienhotellerie in Budva bezeichnen. An der Küste Montenegros finden sich immer noch viele Bausünden.
Foto: Leila Hardir