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Musizieren per App
Lifestyle 2 Min. 22.04.2017 Aus unserem online-Archiv
Kinderleicht

Musizieren per App

Einfacher geht's nicht: In jeder der acht farbigen Kacheln der Sampler-App Keezy kann ein aufgenommener Sound hinterlegt und dann abgespielt oder geloopt werden.
Kinderleicht

Musizieren per App

Einfacher geht's nicht: In jeder der acht farbigen Kacheln der Sampler-App Keezy kann ein aufgenommener Sound hinterlegt und dann abgespielt oder geloopt werden.
Foto: dpa
Lifestyle 2 Min. 22.04.2017 Aus unserem online-Archiv
Kinderleicht

Musizieren per App

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
Sie bringen einem Instrumente bei, erleichtern das Spielen oder bieten Produktionsmöglichkeiten für komplette Songs: Musik-Apps sind der neueste Trend bei Anfängern, Hobbymusikern und auch Profis.

(dpa/tmn) - Ob praktisch oder einfach nur lustig: Die App-Stores quillen vor Angeboten über - und längst ist auch etwas für Musiker und Musikbegeisterte dabei: von der Anwendung, die einem beim Gitarrestimmen hilft, bis hin zum Synthesizer oder zu Apps, die einem Klavierspielen beibringen. Doch ob solche Anwendungen jemals einen Musiklehrer aus Fleisch und Blut oder ein reales Tonstudio ersetzen können, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Aktuell gibt es über 50.000 Musik-Apps in der Kategorie Musik und Audio in den App-Stores von Apple und Google. „Die meisten dieser Apps sind für das Abspielen von Musikaufnahmen geeignet“, sagt Matthias Krebs von der Forschungsstelle Appmusik an der Universität der Künste Berlin. „Neben den zahlreichen Player- und Radio-Apps werden ebenso rund 5.000 Apps angeboten, mit denen der Nutzer auf vielfältige Weise Musik machen kann.“ Diese Apps unterstützen das Musikmachen mit herkömmlichen Instrumenten wie Klavier und Gitarre oder mit Gesang. Beispielfunktionen wären hier Stimmgeräte, Metronome, Akkordtabellen für Gitarristen oder Noten-Anwendungen.

Viele Möglichkeiten für Fortgeschrittene: Die App Korg iMS-20 simuliert auf dem iPad unter anderem den analogen Syntesizer Korg MS-20.
Viele Möglichkeiten für Fortgeschrittene: Die App Korg iMS-20 simuliert auf dem iPad unter anderem den analogen Syntesizer Korg MS-20.
Foto: dpa

Bei unbekannteren Musik-Apps ist es wie bei jeder anderen Anwendung auch sinnvoll, Erfahrungsberichte zu lesen. „Bewertungen sollten aber auch nur bedingt als Indikator herangezogen werden, da nie auszuschließen ist, dass nicht auch Fake-Bewertungen enthalten sind“, warnt Verbraucherschützerin Katharina Grasl. Hier sei es sinnvoll, falls möglich immer mehrere Quellen zurate zu ziehen.

Mischpult-Apps sind Standard

Aber mit der richtigen App werden Touchdisplays zu Spielinterfaces von App-Instrumenten, und die eingebauten Bewegungssensoren zu Modulatoren für den Klang. „In Studios oder auf großen Konzertbühnen weltweit sind dagegen Mischpult-Apps heute Standard“, weiß Krebs. Aber auch viele Hobbymusiker verwenden Apps als mobile Studios. Und: „Meiner Erfahrung nach haben Musik-Apps das Stimmgerät und das Metronom schon bei sehr vielen Musikerinnen und Musikern ersetzt.“

Mit einem Dutzend Schlagzeug-Geräuschen, die zur Auswahl stehen, überfordert Keezy Drummer (iOS) selbst Anfänger nicht.
Mit einem Dutzend Schlagzeug-Geräuschen, die zur Auswahl stehen, überfordert Keezy Drummer (iOS) selbst Anfänger nicht.
Foto: dpa

Dass Apps jemals Instrumente ersetzen können, glaubt Musikforscher Krebs aber nicht: „Jedes Instrument hat seine eigenen Qualitäten, da ersetzt die E-Gitarre nicht die Akustikgitarre und das Keyboard nicht das Klavier“, sagt der Experte. So seien auch Apps wieder eigenständige Musikinstrumente mit spezifischen Eigenschaften in Klangerzeugung und Handhabung, die geübt werden wollen. Hilfreiche Video-Tutorials finden sich oftmals auf Youtube & Co.

Kurze Reaktionszeit von Vorteil

Das vom deutschen Bildungsministerium geförderte Musikapp-Netzwerk „tAPP“ hat insgesamt zwei Dutzend empfehlenswerte Anwendungen zum Musizieren identifiziert und getestet - fast alle für iOS, weil das mobile Betriebssystem eine besonders kurze Reaktionszeit bietet, was insbesondere zur Imitation von Musikinstrumenten wichtig ist. Zu den empfohlenen Apps zählt etwa der kostenlose Drum-Computer „Keezy Drummer“ für Anfänger oder „iSpark“ als umfangreiche Lösung für fortgeschrittene Beats-Produzenten sowie die Sample-App „Samplr“.

Die iOS-App Samplr bietet ein intuitives Bearbeiten von Sounds, Geräuschen und Musikaufnahmen.
Die iOS-App Samplr bietet ein intuitives Bearbeiten von Sounds, Geräuschen und Musikaufnahmen.
Foto: dpa

Aber auch die Anwendung „Loopy“ eignet sich „tAPP“ zufolge für Musikinteressierte. Bei dieser werden Sprachaufnahmen in Beats umgewandelt, indem die eigene Stimme mehrmals eingespielt wird. Diese Aufnahmen können dann je nach Gusto aufeinander und nacheinander gelegt werden. Besonders eignet sich die App zum Üben von Beatboxing. Auch „Pyka_Loop“ ist eine Anwendung zum Loopen von Mikrofonaufnahmen, während sich mit der App „Das Orchester“ unter anderem der komplette Tonumfang von Orchesterinstrumenten abspielen lässt.

Krebs empfiehlt Einsteigern etwa die kostenlose App „SoundPrism“ für iOS. Dabei handelt es sich um einen Generator für harmonische Klangtexturen zum Komponieren von Akkordfolgen oder ganzen Songs. Für Android-Geräte und ebenso gratis ist die Anwendung „GrooveGrid“, mit der auch ohne Musik-Vorkenntnisse Tracks gestaltet werden können. Profis finden zudem in „Cubasis 2“ (iOS) eine Komplettlösung zum Aufnehmen, Bearbeiten, Abmischen und Verbreiten.


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Foto: Christin Klose