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„Mondial de l'automobile": Revolution an der Seine
Lifestyle 17 3 Min. 30.09.2016

„Mondial de l'automobile": Revolution an der Seine

Lifestyle 17 3 Min. 30.09.2016

„Mondial de l'automobile": Revolution an der Seine

Marc BOURKEL
Marc BOURKEL
Die Autobranche erfindet sich neu, und die Revolution beginnt mal wieder in Paris. Nachdem die Hersteller jahrelang große Reden über die Zukunft geschwungen haben, lassen sie nun erstmals Taten folgen.

Von Thomas Geiger

„Die Zukunft des Autos ist emissionsfrei“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche, legt in Paris symbolisch einen Schalter um und bläst zu einer elektrischen Offensive, wie es so lautstark und nachdrücklich bisher noch kein PS-Boss gemacht hat: Binnen zehn Jahren will er unter der neuen Submarke EQ nicht nur zehn batteriebetriebene Autos am Start haben, sondern er will 15 bis 20 Prozent seines Volumens mit Akkufahrzeugen machen.

Damit man seinem Engagement auch Glauben schenkt, hat er die Keimzelle dieser neuen Ära gleich mitgebracht. Generation EQ heißt die Studie, die bis 2019 als erstes dieser Elektroautos zu einem Preis von etwa 70 000 Euro in Serie geht – mit mehr als 400 PS, bis zu 500 und 600 Kilometern Reichweite und allem, was man an Komfort, Sicherheit und Performance von einem Mercedes-Benz erwartet, wie Zetsche verspricht.

Käfer der neuen Zeit

„Bereit, wenn Sie es sind!“ – mit dieser Aufforderung meldet sich aber nicht nur Mercedes-Benz startklar für die Ära der Stromer. Sondern genau wie Zetsche fühlt sich auch VW-Chef Matthias Müller am Anfang einer neuen Zeit, und genau wie die Stuttgarter setzen die Wolfsburger dafür auf eine völlig neue Architektur, die Elektroautos alltagstauglich und erschwinglich machen soll.

Einen Ausblick darauf gibt der VW I.D., der ebenfalls seriennah und für 2020 angekündigt, zum Volkswagen unter den Elektroautos, zum Käfer der neuen Zeit werden soll – mit 400 bis 600 Kilometern Reichweite und einem Preis auf dem Niveau eines vergleichbaren Golf. Und fünf Jahre später soll er auch noch autonom fahren können und damit den zweiten Megatrend dieser neuen Auto-Ära bedienen, der einher geht mit ungeahnter Connectivity und vielen neuen Mobilitätsdienstleistungen.

Allenfalls zweite Sieger

Was VW und Mercedes-Benz da zeigen, das sieht nach Aufbruch aus und will uns Fortschritt glauben machen. Und zumindest im Silicon Valley bei Tesla, Google & Co. wird man die Pariser Premieren sehr genau unter die Lupe nehmen. Doch auch, wenn die Herren Zetsche und Müller wohl am liebsten um die Pole Position auf dieser „Road to the Future“ streiten würden, sind sie allenfalls zweite Sieger. Denn bezahlbare Elektroautos mit alltagstauglicher Reichweite kann man bei anderen Marken schon viel früher kaufen.

Renault zum Beispiel zeigt an der Seine ein Update für den Zoe, der mit neuen Akkus bis zu 400 Kilometer weit kommt und Opel zieht das Tuch vom Ampera-e. So groß wie ein Corsa, aber geräumiger als ein Astra kommt er im Mai 2017 in den Handel und will mit über 500 Kilometer Reichweite beweisen, dass man keinen Tesla braucht, wenn man sorglos mit Strom ans Ziel kommen will: „Unser Ampera-e ist kein Öko-Luxus, kein Spielzeug, kein reiner Zweitwagen“, sagt Opel-Chef Karl-Thomas Neumann.

Zwar haben die Automanager noch nie so deutlich, und vor allem glaubwürdig gesagt, dass sie die Zukunft beim emissionsfreien Antrieb, beim autonomen Fahren und bei intelligenten, weil flexiblen Mobilitätsdienstleistungen sehen, doch so ganz ohne klassische Karossen mit konventionellen Motoren geht es zumindest in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten doch noch nicht.

Neue SUV-Welle

Dabei setzen Audi und Co. mehr denn je auf SUV. Sport Utility Vehicles und Geländewagen in allen Formen und Formaten bestimmen deshalb bei den aktuellen Serienmodellen das Bild: Im Kleinen mit Autos wie dem Suzuki Ignis, im Großen mit einem neuen Land Rover Discovery oder einem Audi Q5, und im breiten Feld dazwischen sind es Fahrzeuge wie die beiden Peugeot-Geschwister 3008 und 5008, der mutige Toyota C-HR und vor allem der Skoda Kodiaq, die in den nächsten Jahren das Straßenbild prägen sollen.

Daneben schaffen es in diesem Jahr nur ein paar Brot- und Butter-Autos auf den Radar der Messegäste: Ein charmanter Citroën C3, ein ungewöhnlich aggressiver Nissan Micra, ein nobler Kia Rio und ein gefährlich nahe an den VW Golf gerückter Hyundai i30 sonnen sich in ungeahnter Aufmerksamkeit.

Das einzig echte Traumauto steht in Paris ausgerechnet am Renault-Stand. Und leider macht Designchef Laurens van den Acker keinen Hehl daraus, dass dieser elektrische Supersportwagen Trézor auf immer ein Traum bleiben wird ...


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