Mobile Neuheiten auf der CES

Hightech statt Heavy Metal

Rollendes Mobilgerät: In der neuen Mercedes-Benz A-Klasse – in Las Vegas noch im Tarnkleid unterwegs – kommt erstmals das Multimediasystem MBUX zum Einsatz.
Rollendes Mobilgerät: In der neuen Mercedes-Benz A-Klasse – in Las Vegas noch im Tarnkleid unterwegs – kommt erstmals das Multimediasystem MBUX zum Einsatz.
Foto: Daimler

von Thomas Geiger

Im riesigen Convention Center in Las Vegas dreht sich längst nicht mehr alles um Flatscreens und Smartphones. Weil sich das Auto beim Weg über die Datenautobahn immer mehr zum ultimativen „Mobile Device“ auf Rädern entwickelt, hat auch die PS-Branche den Elektronikgipfel für sich entdeckt.

Statt mit Metall und Hubraum zu glänzen, wollen sich Daimler und Co. dort mit Hightech einen modernen Anstrich geben und einmal mehr beweisen, dass sie sich die Deutungshoheit über die Zukunft des Automobils nicht aus dem Silicon Valley abnehmen lassen.

Neues Nutzererlebnis

Ihre Themen sind dabei die gleichen, wie bei allen anderen Ausstellern. Es geht vor allem um Vernetzung und um eine möglichst einfache Bedienung. Das beste Beispiel dafür liefert das neue Nutzererlebnis von Mercedes-Benz, das in der neuen A-Klasse an den Start geht und dem Smartphone näher kommt als je zuvor. Denn künftig gibt es bei den Stuttgartern nicht nur den überfälligen Touchscreen mit den schnellsten und besten Grafikprozessoren der Autowelt und die Online-Karten von Here, sondern sie führen mit dem Startkommando „Hey Mercedes“ auch eine Sprachsteuerung ein, gegen die Siri, Alexa und Co. seltsam schüchtern und schweigsam wirken.

Der zweite große Themenkomplex auf der diesjährigen CES ist das autonome Fahren, das in Las Vegas längst keine ferne Vision mehr ist. Während draußen Dutzende führerlose Prototypen ihre Runden drehen, überbieten sich drinnen die Hersteller mit der Sehschärfe ihrer Sensoren und der Rechenleistung ihrer Prozessoren und schwärmen davon, wie sie auch schwierigste Aufgaben autonom meistern – vom autonomen Pizza-Bringer bei Ford bis zur S-Klasse bei Mercedes-Benz, die im Rahmen des „Intelligent World Drive“ in den vergangenen fünf Monaten auf fünf Kontinenten unterwegs war.

Dass derart moderne Autos noch mit Verbrennern fahren, passt so gar nicht ins Bild. Deshalb sind die Autos auf der CES natürlich alle elektrisch – selbst der Supersportwagen Projekt One, den Mercedes-Benz mit auf den Stand gerückt hat, kann schließlich ein paar seiner über 1 000 PS auch aus dem Akku ansteuern. Daneben gibt es aber sehr viel greifbarere Modelle wie einen vollelektrischen Niro bei Kia oder die zweite Generation der Brennstoffzelle bei Hyundai, die als Nexo zu einem gefälligen SUV mit knapp 800 Kilometer Reichweite wird.

Autokino 2018: Das Armaturenbrett der Byton-Studie besteht aus einem breiten Bildschirm, den der Fahrer unter anderem über Berührung und 
Gesten steuern kann.
Autokino 2018: Das Armaturenbrett der Byton-Studie besteht aus einem breiten Bildschirm, den der Fahrer unter anderem über Berührung und 
Gesten steuern kann.
Foto: Byton

Doch auch dieses Spiel spielen die bekannten Größen längst nicht mehr alleine und in Las Vegas stoßen in diesem Jahr ein paar weitere Wettbewerber hinzu. Ob aus dem G3 des chinesischen Herstellers XPeng je etwas werden wird, das kann man bezweifeln. Schließlich gibt es für das SUV weder technische Daten, noch sonst irgendwelche Informationen.

Lautloser China-SUV

Doch zumindest Byton sollte man auf dem Zettel haben. Nicht nur, weil das elektrische SUV der China-Marke schon 2019 in China und 2020 auch auf anderen wichtigen Märkten in den Handel kommen soll. Sondern weil dahinter keine Fantasten stehen wie bei Faraday Future, sondern ein paar erfahrene BMW-Manager, die dort den i3 und den i8 durchgeboxt haben und deshalb wissen sollten, wie es geht.

Autonom, vernetzt, immer online, so einfach zu bedienen wie nie und natürlich mindestens mit Akkus, wenn nicht gar mit Brennstoffzelle – mit der Idee, wie wir sie heute noch vom Auto haben, haben die meisten Exponate auf der Consumer Electronics Show nicht viel zu tun. Und auch wenn uns die Aussteller weismachen wollen, dass diese Zukunftsvision aus der Glitzermetropole näher ist als man denkt, macht die PS-Branche jetzt erst einmal den Reality Check – und der Zirkus zieht gleich weiter nach Detroit. Das liegt nicht nur rund zweitausend Meilen weiter im Nordosten, sondern vor allem ganz im Hier und Heute – mit weniger Hightech und deutlich mehr Metall.