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Mike Horn: „Ich bin halt nicht George Clooney“
Lifestyle 11 1 5 Min. 19.07.2020

Mike Horn: „Ich bin halt nicht George Clooney“

Extrem-Abenteurer und Uhrenbotschafter Mike Horn setzt seine Träume auf knallharten Touren mit Stärke und Entschlossenheit in die Tat um.

Mike Horn: „Ich bin halt nicht George Clooney“

Extrem-Abenteurer und Uhrenbotschafter Mike Horn setzt seine Träume auf knallharten Touren mit Stärke und Entschlossenheit in die Tat um.
Foto: Panerai
Lifestyle 11 1 5 Min. 19.07.2020

Mike Horn: „Ich bin halt nicht George Clooney“

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Der Extrem-Abenteurer Mike Horn spricht im Interview über ambitionierte Ziele, den Reiz des Ungewissen und den Vorteil einer mechanischen Uhr.

Der Südafrikaner Mike Horn hat alle Kontinente bereist, den Äquator umrundet und den Amazonas durchschwommen. Sein Projekt, die Erde von Süden nach Norden über beide Pole zu umrunden, hat ihn fast das Leben gekostet. Was antreibt stets „groß“ zu träumen und wieso ihm seine Armbanduhr so wichtig ist, hat er dem „Luxemburger Wort“ bei einer Begegnung in Paris verraten. 

Mike Horn, kurz vor Ende Ihrer Expedition „Pole2Pole“ sind Sie dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen und doch trainieren Sie schon für neue Projekte. Liegt Ihnen das Abenteuer im Blut?

Man wird nicht zum Forscher oder Abenteurer, sondern wird so geboren. Ich kam in Südafrika zur Welt und meine Eltern erlaubten mir und meinen Geschwistern viele Freiheiten. Sie übertrugen uns auch die damit verbundene Verantwortung. Mein Vater gab mir Tipps, wie ich mich in der Wildnis verhalten sollte.

Freiheit und Eigenverantwortung als Schule fürs Leben?

Das hat bei mir funktioniert. Ich habe auch meinen Töchtern eine solche Erziehung mit auf den Weg gegeben. Wir sind nicht in den klassischen Urlaub gefahren, sondern ich habe sie an meinen Abenteuern teilhaben lassen. Das hat sie geprägt, besonders, wie sie mit anderen Menschen umgehen, aber auch gelehrt, Ängste zu überwinden und sich selbst zu fordern. Sie waren die bislang jüngsten Kinder, die am Nordpol Ski fuhren.

Auf Ihren Reisen beobachten Sie, wie der Klimawandel die Welt verändert. Wie lautet Ihre Botschaft an zukünftige Generationen?

Man muss es zumindest versuchen. Wer aufgibt, erreicht nichts. Es ist ungeheuer wichtig, junge Menschen zu haben, die auf unsere Welt von Morgen achten. Sie machen mir Hoffnung. Mit meinem Sponsor, dem Uhrenhaus Panerai, rief ich 2008 das Pangaea-Projekt ins Leben, bei dem wir unterstützt von Wissenschaftlern während einer Weltreise auf einem Segelschiff mehr als 200 Jugendliche unterschiedlichster Nationen zu Umweltbotschaftern ausgebildet haben. Weltweit wurde darüber berichtet und es hat Zigtausende Menschen inspiriert.

Sie sind Markenbotschafter von Panerai. Wie wichtig ist die Wahl eines Partners bei Ihren Reisen?

Ohne gute Betreuung kann eine Expedition nicht gelingen. Mit Panerai verbindet mich eine 20-jährige Partnerschaft. Es ist entscheidend, dass man sich auf seine Gefährten verlassen kann. Das gilt auch für die Ausrüstung.

Aber wieso vertrauen Sie einer mechanischen Uhr?

Auf Reisen, wie ich sie unternehme, nimmt man keinen technischen Schnickschnack mit. Diese wasserdichte Taucheruhr von Panerai mit Automatikwerk steckt einiges weg und zeigt mir nachts deutlich die Zeit an, die man leicht aus den Augen verliert, wenn es während des Polarwinters rund um die Uhr stockfinster ist. Sie ist zudem ein wichtiges Navigationsinstrument.

Wie soll man sich das vorstellen?

Optischen Erkennungspunkten kann man nicht trauen, da sich die Umgebung etwa in der Antarktis witterungsbedingt dauernd verändert. Eine Eisscholle dreht sich und schon verliert man die Orientierung. Man kann aber seine Richtung anhand des Stundenzeigers und der Sonnenposition bestimmen – wenn die Uhr präzise ist. Geht sie falsch, sind deine Berechnungen nicht korrekt. Du marschierst womöglich im Kreis, verschwendest Energie und verirrst sich. Das ist lebensgefährlich.

Die nach Mike Horn benannte Taucheruhr der „Submersible“-Reihe von Panerai besteht aus recyceltem Eco-Titan.
Die nach Mike Horn benannte Taucheruhr der „Submersible“-Reihe von Panerai besteht aus recyceltem Eco-Titan.
Foto: Hersteller

Ihre Armbanduhr scheint weniger gelitten zu haben als Sie selbst.

Sie hat die Strapazen schadlos überstanden. Ich hatte Erfrierungen im Gesicht, habe Zehennägel verloren und auch schon Finger abschneiden müssen. Letzteres zwar nicht dieses Mal, aber mit den Jahren kommt Einiges zusammen. Es ist schon couragiert für eine Luxusmarke, einen Botschafter zu wählen, der manchmal etwas lädiert aussieht. Ich bin halt nicht George Clooney. (lacht)

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Könnten Sie sich nicht weniger gefahrvolle Ziele stecken?

Es ist jedes Mal ein harter Test. Man wirft mir oft vor, zu groß zu träumen. Doch ich entgegne dann „Nein, du träumst zu klein“. Wenn ich die Grenzen des Erreichbaren nicht ausweite, wird es jemand anders tun. Die Menschen, die mich unterstützen, denken genauso und glauben an mich. Ich riskiere mein Leben wenn etwas schief geht, und sie ihr Image.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie unterwegs sind?

Das funktioniert ein wenig wie die Bedürfnispyramide des Psychologen Maslow. Wenn ich starte, bin ich satt und ausgeschlafen. Es geht mir gut, ich denke an Freunde und Familie. Je länger der Weg und je härter die Strapazen werden, desto mehr fallen diese Gedanken ab, bis nur ich übrig bin und mein Ziel, anzukommen. Die Eisschmelze wurde mir vor Kurzem fast zum Verhängnis. Ich rutschte ins eisige Wasser ab und dachte, ich würde sterben.


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Haben Sie keine Angst vor dem, was Sie erwartet?

Das Ungewisse ist Teil meines Lebens, ebenso wie die Frage, ob ich den nächsten Tag noch erlebe. Die meisten fühlen sich in solchen Situationen verloren. Mich erstickt es, wenn alles im Voraus feststeht. Das Unbekannte reizt mich.

Ticken Sie völlig anders?

Ich sage nicht Schwarz, weil jemand Weiß sagt, aber man muss auch raus aus seiner Komfortzone. Wer nur auf Sicherheit bedacht ist und sich abschottet, wird zum Zuschauer seines eigenen Daseins. Viele leben heute eine Existenz aus zweiter Hand – die der Stars im Fernsehen oder der Influencer im Netz. Wo bleibt da die Lebenserfahrung?

Sie fordern mehr Authentizität?

Man sollte ehrlich mit sich sein und menschlich bleiben. Wer mit den Füßen fest auf dem Boden steht, darf auch hoch fliegen und nach den Sternen greifen. Der kann sich nach einem Absturz wieder aufrappeln. Wo es aber nur um den schönen Schein geht, sieht es nicht so rosig aus, wenn der Lack ab ist. Wer derart abgehoben lebt, sollte nicht fallen. 

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