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Mehr als nur Raucherhusten
Lifestyle 2 Min. 12.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Mehr als nur Raucherhusten

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung tritt in erster Linie bei 
starken Rauchern auf.

Mehr als nur Raucherhusten

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung tritt in erster Linie bei 
starken Rauchern auf.
Foto: Getty Images
Lifestyle 2 Min. 12.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Mehr als nur Raucherhusten

"Nur ein bisschen Raucherhusten" – das ist häufig eine starke Untertreibung. Der Husten, den unter anderem starke Raucher haben können, ist ein Symptom für eine schwere Lungenerkrankung.

von Birgit Pfaus-Ravida

Eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung – im Fachjargon "chronic obstructive pulmonary disease" (COPD) genannt – ist eine Erkrankung, bei der verschiedene Symptome wie Husten, Auswurf und Atemnot auftreten. Durch eine chronische Bronchitis oder eine Überblähung der Lungen, das sogenannte Lungenemphysem, werden die Lungenbläschen fortlaufend zerstört, was vor allem die Ausatmung beeinträchtigt – das Atmen wird "obstruktiv". Im Volksmund werden die Symptome von COPD häufig als Raucherhusten bezeichnet.

Verbreiteter als gedacht

"COPD tritt vor allem bei Rauchern auf oder bei Personen, die über einen langen Zeitraum hinweg einer hohen Belastung der Atemluft mit giftigen Gasen oder anderen Schadstoffen ausgesetzt sind – etwa im Bergbau oder in der Chemieindustrie", erklärt André Schulz, Psychologe an der Universität Luxemburg. Tatsächlich werde COPD sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer Gefährlichkeit oftmals unterschätzt. Weltweit seien mindestens 600 Millionen Menschen betroffen, in Industrieländern schließen Schätzungen auf etwa zehn Prozent der Bevölkerung.


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"Da die Krankheit fortschreitend und unheilbar ist, ist sie bereits jetzt die vierthäufigste Todesursache", gibt André Schulz zu bedenken. Im Gegensatz zu anderen Todesursachen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Infektionen nehme die Zahl der Todesfälle weltweit weiter zu, was mit der fehlenden Kenntnis vieler Menschen über COPD und einer steigenden Anzahl weiblicher Patienten zu tun habe. Denn eine fortschreitende COPD genau wie auch vorübergehende Krankheitsschübe (Exazerbationen) sind mit immer stärkeren Symptomen, vor allem mit Atemnot, verbunden.

Aber warum befassen sich nun Psychologen der Universität Luxemburg mit dem Phänomen? "Neben körperlichen Einschränkungen sind psychische Störungen bei COPD sehr häufig", erklärt Schulz, der im Rahmen einer Arbeitsgruppe im Bereich der Gesundheitspsychologie zusammen mit Arbeitsgruppenleiter Claus Vögele mehrere Studien betreut. "Atembeschwerden und Erstickungsgefühle führen bei COPD dazu, dass mindestens die Hälfte der Betroffenen eine Angststörung entwickeln", sagt Schulz. Etwa 25 Prozent der Patienten erlitten sogar eine Depression – das seien deutlich höhere Werte als in der Allgemeinbevölkerung. Natürlich kämen auch je nach Grund der Lungenerkrankung auch Schuldgefühle wegen des eigenen Verhaltens hinzu. Etwa die Hälfte der Patienten erleide Angstsymptome.

"Man würde dabei denken, dass diese Angstsymptome umso stärker ausgeprägt sind, je schwerer die objektive Beeinträchtigung der Lungenfunktion ist", erläutert der Wissenschaftler. Überraschenderweise sei dies aber nicht der Fall, wie die Arbeitsgruppe in eigenen Untersuchungen festgestellt hat. Also müsse die Entwicklung von Angstsymptomen wahrscheinlich durch andere psychologische Prozesse begünstigt werden. Nicht die Atemprobleme selbst könnten der Grund für die Angst sein, sondern die unterschiedliche Wahrnehmung der Symptome.

Wie entwickeln sich nun die Symptome psychischer Störungen bei COPD? Das zu verstehen, ist wichtig, um Risikogruppen früh zu identifizieren und den Betroffenen die bestmögliche Therapie anzubieten – und diese sollte eben nicht nur medizinischer, sondern auch psychologischer Natur sein, denn Angst und Depression können Patienten das Leben stark erschweren.

Neues Projekt der Universität

Das Projekt "Respiratory interoception in chronic obstructive pulmonary disease" (RESPIC), das von André Schulz als Projektleiter, Eva Münch als Studienleiterin und Claus Vögele als Arbeitsgruppenleiter an der Universität Luxemburg durchgeführt wird, untersucht darum die Wahrnehmung von Körperprozessen bei COPD als möglichen Faktor der Entstehung von Angstsymptomen. Dafür werden sowohl COPD-Patienten mit als auch solche ohne Angstsymptome sowie gesunde Kontroll-Probanden gesucht.

Artikel aus der „Neue Zürcher Zeitung“, Syndizierungspartner des „Luxemburger Wort“


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