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Megasmog: Luftverschmutzung fordert 7 Millionen Tote
Lifestyle 2 Min. 25.03.2014 Aus unserem online-Archiv

Megasmog: Luftverschmutzung fordert 7 Millionen Tote

Verheerende Smogphasen sind im Norden Chinas auf viele Jahre zu erwarten.

Megasmog: Luftverschmutzung fordert 7 Millionen Tote

Verheerende Smogphasen sind im Norden Chinas auf viele Jahre zu erwarten.
Foto: AFP
Lifestyle 2 Min. 25.03.2014 Aus unserem online-Archiv

Megasmog: Luftverschmutzung fordert 7 Millionen Tote

In den aufstrebenden Regionen der Welt wuchern immer neue Megacities. Oft zahlen die Bewohner einen hohen Preis: Millionen Todesfälle jährlich, schätzt die WHO.

(dpa) - Die Skyline ist im Dunst kaum mehr zu erkennen, Passanten suchen sich mit Atemmasken zu schützen: Peking ist mit seinem immer wiederkehrenden Smog zum Symbol für Luftverschmutzung geworden. Die chinesische Hauptstadt sei „für Menschen nahezu unbewohnbar“, urteilten Wissenschaftler des Landes in einer kürzlich veröffentlichten Studie.

Etwa drei Viertel der Smog-Todesfälle weltweit entfallen auf China und Indien, berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer aktuellen Analyse. Demnach sterben jährlich insgesamt etwa sieben Millionen Menschen infolge der Luftverschmutzung. Sie ist damit das größte auf Umweltfaktoren beruhende Gesundheitsrisiko: Jeder achte Todesfall weltweit gehe auf Smog in der Umwelt und in Innenräumen zurück, so die WHO.

Mit dem rasanten wirtschaftlichen Aufschwung in den 1990er Jahren hat in China auch die Luftverschmutzung enorm zugenommen.  Filteranlagen und Einschränkungen des Schadstoffausstoßes auch bei Privathaushalten sind dringend notwendig.

Umweltsünder China und Indien

China ist der größte Kohleproduzent und -verbraucher weltweit. Etwa 70 Prozent des Energieverbrauchs wird damit gewonnen. Unternehmen produzieren auf Hochtouren, zudem hat sich das Verkehrsaufkommen binnen weniger Jahre vervielfacht. Etliche Male wurden in Peking in den vergangenen Wochen von der WHO empfohlene Feinstaubgrenzwerte um das Zehn- bis Zwanzigfache überschritten.

In Indien spielen neben dem Verkehr auch Industrie, Hausbrennstoffe und Müllverbrennung eine große Rolle. Die Luftverschmutzung ist in Delhi und anderen indischen Metropolen genauso verheerend wie in China.

Mit dem Wachstum der Millionen-Metropolen sind sowohl mehr als auch heftigere Smog-Episoden zu erwarten. Vor allem für Herz und Kreislauf sind Staub und Gase in der Luft ein Risikofaktor. „Die häufigsten durch Luftverschmutzung bedingten Todesursachen sind Schlaganfälle und Erkrankungen der Herzkranzgefäße, gefolgt von chronischen Lungenerkrankungen“, so die zuständige WHO-Direktorin Maria Neira.

Besonderes Risiko für Atemwegserkrankungen

Besonders empfindlich reagierten unter anderem Asthmatiker, die bei hohen Smogwerten mehr Anfälle bekämen, sagt Barbara Hoffmann vom Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF) in Düsseldorf. Auch bei Kindern mit Asthma sei das so.

Noch in den 1970ern erreichte die Luftbelastung in europäischen Ballungsräumen durchaus ähnliche Niveaus wie nun in Asien. Tagelangen dichten Smog gibt es in Mitteleuropa inzwischen nicht mehr - ein Thema ist die Luftverschmutzung aber weiter. In den Innenstädten ist der Ruß der Dieselfahrzeuge immer noch ein großes Problem. Kritisch zu sehen ist auch der Schadstoffausstoß der Schifffahrt. Neu ist die Problematik der Kaminöfen, die mit steigenden Energiepreisen immer mehr Absatz fänden.

Ein weiterer Aspekt wird unterschätzt: Ammoniak aus der Nutztierhaltung. Er werde bei der Düngung von Feldern freigesetzt und zähle mit Umwandlungsprodukten wie Ammonium zu den wichtigsten Luftschadstoffen. Die Luft in Europa mag vielfach klarer sein als in Asien. Sauber und gesund zu sein, davon ist aber auch sie noch weit entfernt.