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Mega-Trend „Selfie“: Ich fotografiere mich
Lifestyle 3 Min. 18.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Mega-Trend „Selfie“: Ich fotografiere mich

Meryl Streep und Hillary Rodham Clinton beim trauten Selfie-Knipsen.

Mega-Trend „Selfie“: Ich fotografiere mich

Meryl Streep und Hillary Rodham Clinton beim trauten Selfie-Knipsen.
Foto: AP
Lifestyle 3 Min. 18.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Mega-Trend „Selfie“: Ich fotografiere mich

Justin Bieber tut es, Barack Obama auch: Bilder von sich selbst schießen und ins Internet stellen oder per Handy verschicken. Sind Selfies purer Narzissmus oder nur die Demokratisierung des Selbstporträts?

(dpa) - Es ist eines der Phänomene des Jahres und vom Oxford English Dictionary zum englischen Wort des Jahres 2013 gewählt worden. Mit der Endung „ie“ klingt es fast niedlich: das Selfie. Zurzeit herrscht ein wahrer Hype um die schnell geschossenen Foto-Selbstporträts, mit denen selbst der US-Präsident aufgefallen ist.

Ein Selfie ist ein Bild von einem selbst, bei dem man sieht, dass man es selbst gemacht hat. Es gibt Selfies von sich alleine oder in Gruppen. Irgendwer also hat immer den Arm ausgestreckt und drückt ab. Zuerst aufgetaucht sind digitale Selbstbildnisse unter dem Namen „Selfie“ 2004 auf den Internet-Plattformen Flickr und MySpace. Heute sind Selfies in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram Alltag.

Neben Promis, ihren Fans oder Politikern drücken Ottonormalverbraucher jeden Alters auf den Auslöser. Bei Jugendlichen sind Selfies besonders weit verbreitet. Selfies sind also nicht nur im Internet zu sehen, sondern auch auf Millionen Privat-Handys. Manchmal gehen die Bilder auch um die Welt: Bei einer Nasa-Expedition hat sich der japanische Astronaut Akihiko Hoshide vergangenes Jahr im All selbst fotografiert.

Welche Art von Selfies gibt es?

Es reicht vom Schnappschuss aus der Umkleidekabine („Soll ich das Kleid kaufen oder nicht?“) über das Gruppenfoto von der Samstagabendparty („Wir haben so viel Spaß zusammen und alle sollen es sehen“) bis zum Pärchen in der Abendsonne („Wir sind so verliebt - und alle sollen es sehen“). Bei Promis ist die Spanne ähnlich groß: Sänger Justin Bieber zeigt sich nachdenklich-cool aus der Froschperspektive im Muskelshirt. Barack Obama fotografierte sich jüngst bei der Trauerfeier von Nelson Mandela selbst - zusammen mit der dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt und dem britischen Premierminister David Cameron - und erntete dafür viel Kritik

Was möglich ist, wird gemacht: Tatsächlich haben die meisten Smartphones heute eine integrierte Frontkamera. Dabei haben die Fotografierten Kontrolle: Sie können sehen, wie sie wirken - und das Bild sofort löschen, wenn es ihnen nicht gefällt. Außerdem kann man mit Selfies Nähe herstellen: Familien, Paare und Freunde können ihren Alltag teilen. Promis und Politiker wiederum nutzen Selfies zur Image-Pflege und um mit ihren Fans oder Wählern auf Tuchfühlung zu gehen.

Erst das Foto, dann der Clip

„Man zielt immer auf Likes und Herzchen ab“, sagt der österreichische Blogger und Autor Jakob Steinschaden („Phänomen Facebook“). Selfies macht man schließlich nicht für sich selbst. Es geht darum: Wer bin ich und wie wirke ich auf andere? Dabei ist die Selbstdarstellung so alt wie die Menschheit selbst. Früher hat man Selbstbildnisse für viel Geld in Auftrag geben müssen - heute kann sich jeder selbst ablichten.

Das Netz ist nicht nur voll von Selfies, sondern auch von Internetseiten, die sich mit dem Thema beschäftigen. Auf der nicht ganz ernst gemeinten Seite „Selfies with Scientists“ etwa zeigen sich Wissenschaftler mit ihren Forschungsobjekten. Und auf „Pretty Girls Ugly Face“ werden Selfies gezeigt, die man wohl gerne gelöscht hätte. Eine andere Seite wiederum listet stets aktuell auf, welche Hashtags - also Suchbegriffe - am häufigsten in Verbindung mit dem Selfie gewählt wurden: #me landete Mitte Dezember demnach nur auf Platz drei. Als Nummer eins rangierte #love.

Erst das Foto von einem selbst, dann das Video aus den eigenen Augen: Nach Ansicht des Internet-Experten Jakob Steinschaden könnten Videos aus der Ich-Perspektive in der Online-Welt ein neuer Trend werden. Auch Live-Streams von vor Ort könnten eine noch wichtigere Rolle spielen. Der Trend geht deutlich hin zu mehr Clips. Die Erweiterung vom Stand- zum Bewegtbild ist da.


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