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Manilva: Umkämpfte Reben
Lifestyle 4 Min. 31.07.2019

Manilva: Umkämpfte Reben

Blick über den malerischen Ort Manilva.

Manilva: Umkämpfte Reben

Blick über den malerischen Ort Manilva.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 4 Min. 31.07.2019

Manilva: Umkämpfte Reben

In der spanischen Stadt Manilva an der Costa del Sol besinnt man sich auf Traditionen. Der Weinanbau rückt wieder in den Fokus.

von Frank Weyrich 

Von der Stadt Manilva haben nur wenige Reisende bisher gehört und wenn, dann hauptsächlich wegen seiner Hotels und seiner Strände. Hier, am westlichen Zipfel der Provinz Malaga in Andalusien, merkt man, wie weit südlich man sich befindet. Kaum ein Blick ist möglich, ohne dass man ihn sieht: den Fels. Gibraltar als südlichste Spitze Europas ist keine 30 Kilometer entfernt und prägt fast alle Aussichten. Weit weg sind hier die Hotelburgen von Torremolinos und Marbella.


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Fast schon gemütlich geht es in Manilva zu. Dabei ist der Strand hier so breit wie sonst fast nirgends entlang der Costa del Sol. Die nächste touristische Hochburg ist Estepona, rund zehn Kilometer weiter östlich. Das alte Manilva liegt oben auf einem Hügel, etwas ins Landesinnere versetzt, und hat mit dem touristischen Treiben unten am Meer nichts gemeinsam. Nur vereinzelt „verirren“ sich Touristen hierher. Und doch verbirgt sich hinter dem verschlafenen Nest mehr als man auf Anhieb meinen könnte.

Immobilien statt Wein

Das Dorf Manilva hat eine lange Tradition im Weinbau. Bereits im 16. Jahrhundert wurde der edle Rebensaft hier hergestellt. In den 1990er-Jahren kam der Weinbau förmlich unter die Räder – oder unter die Walzen. Baulöwen kauften den Winzern ihre Weinberge ab, um stattdessen Häuser oder Wohnanlagen zu errichten. Da die Preise für die Grundstücke ein Vielfaches von dem erreichten, was mit Wein zu erwirtschaften war, erlag mehr als ein Winzer dem Sirenengesang der Immobilienhaie. So schrumpfte im Laufe der Jahre die Anbaufläche mehr und mehr – bis die Gemeindeverantwortlichen die Handbremse zogen und sich auf ihre Wurzeln besannen.

Neubesinnung auf Altbewährtes

Bis zu diesem Zeitpunkt waren aber bereits 70 Prozent aller Flächen für den Weinbau verloren. Seit einigen Jahren wird nun versucht, motivierte Winzer zu finden, die sich der verbliebenen Reben annehmen und sie möglichst nachhaltig bewirtschaften. Einer von ihnen ist Argimiro Martinez Moreno, ein Landwirtschaftsingenieur, der versucht, die verbliebenen Winzer der Umgebung von diesem Projekt zu überzeugen.

Argimiro Martinez Moreno hat sich mit Leib und Seele seinem Wein verschrieben.
Argimiro Martinez Moreno hat sich mit Leib und Seele seinem Wein verschrieben.
Foto: Frank WEYRICH

„Es kann doch nicht sein, dass es nicht möglich ist, aus diesem historisch verwurzelten Weinbaugebiet auch nur eine einzige Flasche Wein außerhalb des Dorfes zu erstehen“, erklärt er seinen Beweggrund. In der kurzen Zeit, in der er zum Winzer geworden ist, hat er bereits eine ganze Menge bewegt: Sein Lieblingsprojekt ist dabei das Weinmuseum, das mitten in der Ortschaft entstanden ist. Hier wird anschaulich ein Blick in die Vergangenheit geworfen – und auch in die Gegenwart – schließlich wird nach wie vor hier Wein angebaut.

Natürlich baut Martinez auch eigenen Wein an, genannt „Nilva“. „Ich wollte ihn ursprünglich Manilva nennen, so wie den Ort, aber das war wegen Marken- und Namensrechten nicht möglich“, erklärt Martinez. „Dann habe ich halt die beiden ersten Buchstaben weggelassen und dann hat's gepasst.“ Dabei blitzt für einen Augenblick ein kleiner Schelm aus seinen Augen vor. Derzeit produziert der Winzer rund 5 000 Flaschen im Jahr – und das mit Erfolg: Mit dem Jahrgang 2016 hat er beim nationalen Weinwettbewerb bereits eine erste Goldmedaille eingeheimst.

Der Weinberg Peñoncillo wartet auch mit einer tollen Aussicht auf.
Der Weinberg Peñoncillo wartet auch mit einer tollen Aussicht auf.
Foto: Frank WEYRICH

Der Weinberg „Peñoncillo“ selbst hat eine Lage, wie sie auf keiner Postkarte besser dargestellt sein kann: Am Ausgang des Dorfes, in leichter Hanglage und mit einer Sicht über das Meer, die sich von Malaga bis nach Marokko erstreckt. Hier wird auch schnell deutlich, warum die Bestellung der Weinberge so beschwerlich ist. Die Muskatreben wachsen nicht hoch, wie etwa an der Mosel, sondern bleiben niedrig und breiten sich in Bodennähe aus.

Erst die Arbeit, dann das Fest

Die Reben stehen nicht in Reih und Glied, sondern scheinen nach dem Zufallsprinzip angeordnet. Warum auch nicht: Eine maschinelle Lese ist nicht möglich, alles geschieht hier per Hand. Man versteht daher auf Anhieb, warum das Weinfest „Fiesta de la Vendimia“ Anfang September einen so hohen Stellenwert hat. Wer im August in mühseliger Handarbeit die Trauben gelesen hat, der darf dann auch mal redlich feiern. Da gehört die religiöse Prozession ebenso dazu wie das Traubentreten.

An der Plaza de la Vendimia schmückt ein wandhohes Mosaik die Ortsmitte.
An der Plaza de la Vendimia schmückt ein wandhohes Mosaik die Ortsmitte.
Foto: Frank WEYRICH

Welchen Stellenwert der Weinbau hatte und wieder bekommen soll, ist unschwer in der Ortsmitte zu erkennen. Ein riesengroßes Mosaik mit Weinbergmotiven schmückt die „Plaza de la Vendimia“. Einen Ausflug, als Abwechslung zum faulen Strandleben an der Costa del sol, ist Manilva in jedem Fall wert. 


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