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Magie bei den „Journées de la Passion“
Lifestyle 4 Min. 13.11.2019

Magie bei den „Journées de la Passion“

Die Detailarbeit begeistert viele Menschen für das Uhrmacherhandwerk.

Magie bei den „Journées de la Passion“

Die Detailarbeit begeistert viele Menschen für das Uhrmacherhandwerk.
Foto: Veranstalter
Lifestyle 4 Min. 13.11.2019

Magie bei den „Journées de la Passion“

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Seit fast 30 Jahren gibt es die Uhrenausstellung „Journées de la Passion“ – Jean Perini spricht im Interview über ihren Ursprung und großen Erfolg.

Vom 15. bis zum 17. November finden im Cercle Cité in Luxemburg die „Journées de la passion“ statt. Die Uhrenausstellung hat in den vergangenen Jahren teilweise 8 000 Besucher an einem Wochenende angelockt. Der „Erfinder“ des Events, Jean Perini (80), hat mit dem „Luxemburger Wort“ über das Programm der diesjährigen Ausgabe gesprochen.

Jean Perini, was erwartet die Besucher in diesem Jahr?

Neu sind vor allem die Vorträge, zum Beispiel über eine Uhr auf dem Mond und die Geschichte der Omega Speedmaster. Ich selbst halte einen Vortrag über die Geschichte der Uhrmacherei. Eine zweite Neuheit: Wir haben versucht, das Digitale in die Ausstellung einzubinden. Die Besucher können das Universum der Uhrmacherei so viel besser erkunden. Das alles machen wir mit Hilfe unseres Kooperationspartners, der FHH (Fondation Haute Horlogerie, Anm. d. Red.) aus der Schweiz. Und dann versuchen wir natürlich, so viel wie möglich von den Neuheiten zu präsentieren, die die großen Marken im Februar bereits in Genf vorgestellt haben.

Das Familienunternehmen: Jean-Yves Perini, Lara Perini, Jean Perini (v. l.)
Das Familienunternehmen: Jean-Yves Perini, Lara Perini, Jean Perini (v. l.)
Foto: Veranstalter

In den vergangenen Jahren konnte man auch Uhrmachern bei der Arbeit zuschauen ...

Ja, dieses Element ist uns wichtig. Als ich die Ausstellung zum ersten Mal gemacht habe, war ich vorher in der Schweiz, im Vallée du Joux. Dort spielt sich die Entwicklung des Uhrmacherhandwerks ab, und es gibt viele Betriebe. Erst, wenn man sie besucht, bekommt man eine Idee vom Genie des Uhrmacherberufes. Das wollte ich in den Ausstellungen zeigen. Deshalb kommen jedes Jahr mehrere Hersteller mit ihren Handwerkern – Uhrmachern, Juwelieren oder ähnlichen Berufen – denen man bei der Arbeit zuschauen kann.

Was liegt dieses Jahr bei den Uhren im Trend?

Ich würde sagen, die Uhrmacherei ist recht traditionell. Sie entwickelt sich Schritt für Schritt. Was man an Neuheiten sehen wird, ist vor allem technischer Natur. Seit vier oder fünf Jahren haben manche Hersteller wie Patek Philippe, Rolex oder Breguet eine neue Komponente integriert – Silizium – das stark zur Funktionsfähigkeit beziehungsweise Zuverlässigkeit der Uhren beiträgt, also zur Präzision.

Was schätzen die Leute an der Haute Horlogerie?

Es ist ein magischer Beruf. Seit der Entstehung vor mehreren Jahrhunderten leistet der Uhrmacher eine Miniaturisierungsarbeit – auf eine kleine Oberfläche reduzieren, was vorher Wanduhren von manchmal zwei oder drei Metern waren. Das ist faszinierend. Wenn sie Uhrmacher arbeiten sehen, wie sie eine Uhr zusammensetzen, hat das etwas Magisches. Das zieht die Besucher sicherlich an.

Über 30 Aussteller sind bei der diesjährigen Ausgabe mit dabei.
Über 30 Aussteller sind bei der diesjährigen Ausgabe mit dabei.
Foto: Veranstalter

Wie sieht der Markt der Uhrmacher in Luxemburg aus?

Luxemburg ist seit jeher ein sehr leistungsstarker Markt. Es gibt mehrere große Familien. Das Haus Schroeder mit einer eigenen Uhrenkollektion. Dann Molitor, die seit vielen Jahren hohes Ansehen in der Uhrmacherei haben und dem Publikum quasi alle großen Marken präsentieren. Ich würde noch ein drittes Unternehmen hinzufügen, Kayser, das auch seit mehreren Generationen die Hauptwerke der höheren Uhrmacherei präsentiert. Und vielleicht noch ein viertes, Windeshausen, die aus Belgien kommen, sich aber auch in Luxemburg niedergelassen haben. Diese vier Häuser zählen sicherlich zu den wichtigsten Vertretern im BeNeLux-Raum.

Was, glauben Sie, macht den Erfolg der Ausstellung aus?

Aufgrund von Sicherheitsproblemen wird es immer schwieriger, in einen Uhrmacherbetrieb hineinzukommen. Mehrere Türen, Sicherheitsleute, – das erschreckt die Kunden. In der Ausstellung haben sie die Möglichkeit, frei alle Marken zu sehen und die Uhren anzufassen. Der Kauf vor allem höherpreisiger Objekte setzt viel Überlegung voraus. Es ist kein Impulskauf. Die Ausstellung erlaubt, die ganze Bandbreite des Angebotes besser zu überblicken. Die Häuser, von denen ich gesprochen habe, sie alle haben eine enge Bindung zu ihren Kunden und kennen sie gut. Auch das ist etwas, was man merkt: In Luxemburg empfangen die Uhrmacher ihre Kunden. Wenn ein Besucher eine Uhr sieht, die ihm gefällt, weiß er sofort, zu wem er gehen wird.

Die hohen Besucherzahlen – bis zu 8.000 pro Wochenende – geben dem Konzept recht.
Die hohen Besucherzahlen – bis zu 8.000 pro Wochenende – geben dem Konzept recht.
Foto: Veranstalter

Sind die Besucher der Ausstellung vor allem Sammler?

In Luxemburg gibt es viele Sammler mit beeindruckenden Modellen. Aber aus Sicherheitsgründen haben sie eines gemeinsam: Sie sind sehr diskret. Der mittlerweile verstorbene Großherzog Jean zum Beispiel hatte eine wunderbare Sammlung. Wir haben sie in einem Jahr auch ausstellen dürfen und er hat uns mit seinem Besuch beehrt.

Ist eine Uhr eine Investition in die Zukunft?

Um ehrlich zu sein, hängt es von der Marke ab. Es ist ein bisschen wie mit Autos. Wenn Sie heute einen Ferrari oder einen Aston Martin kaufen, können Sie ihn in sechs Monaten wieder verkaufen und sie verlieren kein Geld, ganz im Gegenteil. Mit Uhren ist es ähnlich. Wenn Sie eine Breguet, eine Patek Philippe oder eine Rolex kaufen, verlieren Sie nichts, manche Modelle gewinnen sogar an Wert.


Georges Weyer - Gründer Luxemburger Uhrenmarke LOX - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Luxus aus Luxemburg
Georges Weyer aus Bereldingen präsentiert Loxo - eine mechanische Armbanduhr für Puristen, die ganz seinem Geschmack entspricht.

Was ist ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Fast jedes Mal in Luxemburg warten die Leute immer schon vor der Tür. Wir lassen sie nach und nach rein. Wenn es zu viele sind, stoppen wir den Einlass. Es berührt mich wirklich jedes Jahr aufs Neue, was für eine große Zahl an Menschen kommt. Die Arbeit, die wir in die Vorbereitung stecken, wird gesehen und geschätzt. Das macht uns zufrieden.

Die „Journées de la passion“ finden vom 15. bis zum 17. November im Cercle Cité in Luxemburg statt. Für bestimmte Angebote wie die „Masterclass“, in der Besucher ihre Uhren selbst auseinander- und zusammenbauen können oder die Schätzung von eigenem Schmuck und eigenen Uhren durch Sotheby’s ist eine Reservierung erforderlich. Weitere Informationen unter: www.lesjourneesdelapassion.lu 


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