Luxusuhren

Zeitmesser mit Seele

Von Manon Kramp (Genf)

2018 wird für die Hersteller von Luxusuhren nicht alles anders, aber dennoch wesentlich besser, so das Credo auf dem „Salon International de la Haute Horlogerie“ (SIHH), der diese Woche in Genf stattfand.

Nach einem für die Branche flauen Jahr, das manchen Manufakturen arg aufstieß, regt sich Optimismus, der sich in einer Vielzahl an neuen Modellen und Konzepten offenbart.

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Die „Connected Watch“ war auch dieses Jahr kein Thema, allerdings liebäugelt so manche Marke mit den Millenials als Kunden und potenzielle Sammler. Ob knackige Werbespots und Marketingkampagnen reichen, um diese junge Zielgruppe zu verführen sei dahingestellt. Denn die auf der SIHH vorgestellten Modelle bewegen sich weit ab des Preissegments um die 200 bis 600 Euro, in dem sich die Mini-Computer am Handgelenk in der Regel bewegen. Bei der Balz um neue Kunden senken einige Luxusmarken ihre Einstiegspreise, sodass immer mehr Uhrenmodelle in Stahlausführung und sogar mit In-House-Werken schon ab 2 000 Euro zu haben sind.

Für viele Uhrenliebhaber sind hochwertige Modelle sowie Unikate und limitierte Auflagen in kleinen Stückzahlen weiterhin eine gute Investition. Einzelne Stücke mit fliegenden Tourbillons, skelettierten Werken, ewigen Kalendern oder Joaillerie-Varianten sind bei Sammlern so begehrt, dass sie schon während der Schau einen Abnehmer fanden und somit gar nicht in den Handel kommen.

Denn bei den auf der SIHH vorgestellten Uhren geht es nicht ausschließlich um das Messen von Zeit, sondern auch um Stil, um das Zeigen von Geschmack, das Vorführen von Kompetenzen und Kunstfertigkeit, und nicht zuletzt um das Hochhalten eines Jahrhunderte alten Handwerks, das, bereichert durch moderne technologische Erfindungen, noch manche Entwicklungen in petto hat. Für etliche Modelle besinnen sich die Uhrenhäuser auf historische Kollektionen und interpretieren diese mit zeitgemäßen Technologien und aufgefrischtem Design neu.

Stilvoll und wandelbar

Auch der modische Aspekt spielt mit, wobei dem Armband eine tragende Rolle zukommt mit anschmiegsamen Lederarten in vielen Farbnuancen, Metallgliedern oder Kautschuk und textilen Geweben. Immer mehr Hersteller setzen auf Armbänder, die dank einer Klickvorrichtung schnell und einhändig ausgewechselt werden können und somit jenen Kunden entgegenkommen, die Wert auf Wandelbarkeit legen.

Die Vorliebe der Damen limitiert sich nicht nur mehr auf Schmuckuhren. Ihrer Begeisterung für Technik und Herrenuhren kommen die Marken mit Unisex-Modellen entgegen, deren kleinere Gehäuseausmaße auch an schlankeren Handgelenken gut aussehen.

Das Interesse der Uhren-Aficionados ist ungebrochen. Die Veranstalter rechneten mit rund 20 000 Besuchern, wobei Montag bis Donnerstag einem reinen Fachpublikum vorbehalten waren und der Andrang am Freitag entsprechend groß war.

Unter #SIHH2018 wurden insgesamt 400 000 Einträge in den sozialen Netzwerken sowie auf Blogs und Webseiten gepostet, die noch während des Salons weltweit rund 288 Million Menschen erreichten.

35 Aussteller

Das steigende Interesse daran, sein Können in kleinerem, aber dafür erlesenen Rahmen abseits des Getümmels üblicher Messen zu präsentieren, zeigt sich auch am Ausstellerzuwachs: Für diese Ausgabe gesellte sich Hermès zu den bereits präsenten historischen Häusern A. Lange & Söhne, Audemars Piguet, Baume & Mercier, Cartier, Girard-Perregaux, Greubel Forsey, IWC, Jaeger-LeCoultre, Montblanc, Panerai, Parmigiani Fleurier, Piaget, Richard Mille, Roger Dubuis, Ulysse Nardin, Vacheron Constantin und Van Cleef & Arpels.

Der unabhängigen Manufakturen gewidmete Bereich „Carré des Horlogers“ mit Christophe Claret, Grönefeld, H. Moser & Cie, Hautlence, HYT, Kari Voutilainen, Laurent Ferrier, MB&F, Ressence, Romain Gauthier, RJ-Romain Jerome, Speake-Marin und Urwerk erfuhr mit Armin Strom, DeWitt, Chronométrie Ferdinand Berthoud, Élégante by F.P.Journe and Romain Gauthier gleich fünf Neuzugänge.