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Luxemburger lieben das „Hotel Mama“
Lifestyle 3 Min. 02.06.2012 Aus unserem online-Archiv

Luxemburger lieben das „Hotel Mama“

Ausziehen ist nicht leicht, vor allem wenn eine Alternative fehlt. In Luxemburg geben 35 Prozent der jungen Leute an, dass nicht genügend erschwinglicher Wohnraum zur Verfügung steht.

Luxemburger lieben das „Hotel Mama“

Ausziehen ist nicht leicht, vor allem wenn eine Alternative fehlt. In Luxemburg geben 35 Prozent der jungen Leute an, dass nicht genügend erschwinglicher Wohnraum zur Verfügung steht.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 3 Min. 02.06.2012 Aus unserem online-Archiv

Luxemburger lieben das „Hotel Mama“

Die eigenen vier Wände - das ist der große Traum vieler Jugendlicher. Allerdings bietet eine eigene Wohnung nicht nur viele Freiheiten, sondern bringt auch jede Menge Kosten und Arbeit mit sich. Für zahlreiche junge Frauen und Männer ist deshalb das sogenannte „Hotel Mama“ eine Alternative, die sie gerne in Anspruch nehmen.

Die eigenen vier Wände - das ist der große Traum vieler Jugendlicher. Allerdings bietet eine eigene Wohnung nicht nur viele Freiheiten, sondern bringt auch jede Menge Kosten und Arbeit mit sich. Für zahlreiche junge Frauen und Männer ist deshalb das sogenannte „Hotel Mama“, also der Verbleib im Elternhaus, eine Alternative, die sie gerne in Anspruch nehmen. Ein stets gefüllter Kühlschrank, immer frische Wäsche und ein geputztes Bad sind Vorzüge, auf die viele nicht so schnell verzichten wollen. Kommen dann noch knappe Finanzen hinzu kann sich der Auszug weiter verzögern.

Das Alter, in dem junge Menschen das Elternhaus verlassen, weicht innerhalb von Europa deutlich voneinander ab. Nur eines ist in allen EU-Ländern gleich: In allen Staaten entschließen sich Frauen früher zum Auszug als ihre männlichen Altersgenossen. Von den 18- bis 24-jährigen Frauen leben noch gut zwei Drittel (68 Prozent) bei den Eltern, während es bei den gleichaltrigen Männern sogar 80 Prozent waren. Ganz besonders früh stehen Jugendliche in Finnland auf eigenen Füßen. Dort hat sich die Mehrheit der 18- bis 24-Jährigen bereits eine eigene Wohnung gesucht: Nur 24 Prozent der Frauen in dieser Altersgruppe und 41 Prozent der jungen Männer leben noch bei den Eltern.

Hohe Mietpreise und fehlende Alternativen

Luxemburgs Jugend hingegen zieht im EU-Vergleich spät von zu Hause aus. Frauen verlassen das Elternhaus im Schnitt mit 25 Jahren, während Männer noch bis 27 Jahre im Hotel Mama logieren. In den Ländern Italien, Slowenien und Malta sind diese Zahlen weitaus höher: Dort lebten 90 Prozent oder sogar noch mehr weiterhin im Elternhaus. In Italien beispielsweise ziehen Männer durchschnittlich erst mit 30,9 Jahren aus, Frauen mit 29,5. Auch in Spanien und Griechenland leben junge Frauen und Männer noch sehr lange im Elternhaus.

Als einen der Gründe geben nur 24 Prozent der jungen Menschen (15 bis 30 Jahre) in Luxemburg an, sich keine eigene Wohnung leisten zu können. Damit sind die Luxemburger Schlusslicht. Denn: Im EU-Schnitt geben 45 Prozent der Jugendlichen zu teure Miet- oder Kaufpreise als Hauptgrund an. In Luxemburg sind es laut Meinung der jungen Leute vor allem die fehlenden Alternativen, die sie dazu bringen, bei den Eltern zu bleiben: Rund 35 Prozent sagen, es stehe nicht genügend erschwinglicher Wohnraum zur Verfügung. 

Belgier lieben Gemütlichkeit

Hoch ist auch der Prozentsatz der jungen Leute aus Luxemburg, die angeben, aus Komfort noch bei den Eltern zu wohnen: 23 Prozent. Der EU-Schnitt liegt bei 17 Prozent. Spitzenreiter der Gemütlichkeit sind die Belgier (27 Prozent). Fünf Prozent der befragten Luxemburger gaben an, ihre Eltern finanziell zu unterstützen. Damit liegen die jungen Menschen aus Luxemburg gleichauf mit den Letten an erster Stelle.

Aber nicht nur für die Jugendlichen oder jungen Erwachsenen ist der Auszug aus dem Elternhaus ein großer Lebenseinschnitt - auch für die Eltern: Die eigentlich jung gebliebenen Eltern, die sich mit Teeniethemen wunderbar auskennen und die immer das Haus voller Leute hatten, sind auf einmal mit sich alleine. Die Wohnung ist leer, die Großpackungen aus dem Supermarkt sind überflüssig. Da fühlt man sich schnell alt und ungebraucht. Fällt diese Phase dann noch mit dem Beginn der Rente zusammen oder lebt man allein, dann ist der Begriff „Abstellgleis“ nicht weit. Deshalb liebe jungen Leute: Auch mal Verständnis für die Eltern zeigen und ab und an mal anrufen!