Wählen Sie Ihre Nachrichten​

„LEIWE BOY“ von Jacques Schneider: Mode, nicht nur für nette Jungs
Luxemburger Mode von Jacques Schneider.

„LEIWE BOY“ von Jacques Schneider: Mode, nicht nur für nette Jungs

Foto: Pierre Matgé
Luxemburger Mode von Jacques Schneider.
Lifestyle 3 Min. 22.01.2018

„LEIWE BOY“ von Jacques Schneider: Mode, nicht nur für nette Jungs

Bekannt ist Jacques Schneider vor allem für seine künstlerischen Arbeiten. Seit dieser Woche können die Besucher seines Ateliers im Bahnhofsviertel auch Kleidung mit von ihm entworfenen Motiven erstehen – Mode, die ursprünglich nur für ihn gedacht war.

von Michael Juchmes

„So schnell habe ich noch keine Idee umgesetzt.“ Jacques Schneider steht in seinem Atelier, der „Kritzel Fabrik“ in der hauptstädtischen Rue Jean Origer, und zeigt voller Stolz die von ihm entworfenen Kleidungsstücke, die die Aufdrucke „LEIWE BOY“ und „garçon grand-ducal“ tragen. Zwischen Weihnachten und Neujahr war der franko-luxemburgische Künstler auf der Suche nach einer Jogginghose aus fair gehandelter Biobaumwolle.

„Meine Schwester, die diesen Sommer zwei Monate bei mir gelebt hat, hat großen Einfluss auf mein jetziges Einkaufsverhalten“, so der 32-Jährige. „Sie ist Veganerin und achtet sehr darauf, welche Kleidung sie kauft.“ In den hiesigen Geschäften wurde der Künstler nicht fündig. Ein Grund sei nicht zuletzt sein Budget gewesen. „Ich wollte keine 150 Euro für eine Jogginghose ausgeben.“

Fair und bezahlbar

Der Weg zur eigenen Kollektion war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr weit: Um den Jahreswechsel herum arbeitete der Künstler bereits an den Drucken – als Basis diente ein Löwe, der bereits bei einem seiner anderen Projekte Einsatz fand. Im neuen Jahr machte er sich dann gleich auf die Suche nach einem Produzenten der Basismodelle – was gar nicht so einfach war.

Er gab den Unternehmen als Anhaltspunkt für ihre Berechnungen gleich die Preise an, zu denen er die Kleidungsstücke verkaufen wollte: 25 Euro für ein T-Shirt, 50 Euro für eine Jogginghose oder 60 Euro für ein Kapuzensweatshirt. Laut Schneider Preise, die jeder Luxemburger, auch die mit weniger hohem Einkommen, bezahlen könnte.

Einig wurde er sich schließlich mit der belgischen Marke Stanley/Stella. Den ersten Kontakt stellte Schneider am 2. Januar her, die Produktion – die Zusammenführung von Basisprodukt und Aufdruck erfolgt in Nancy – startete einen Tag später. Am Freitag vergangener Woche wurden schließlich die fertigen Kleidungsstücke in sein Atelier im Luxemburger Bahnhofsviertel geliefert.

Die ersten, die Schneiders Entwürfe bewundern durften, waren ihm bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte Blogger. „Ich wollte nicht nur Freunde einladen, die sowieso alles toll finden, was ich mache“, erklärt er. Die Präsentation war ein voller Erfolg: Drei Viertel der bestellten Ware wurde bereits am ersten Abend verkauft.

Die restlichen Stücke der ersten Kollektion, die das ganze Jahr über erhältlich sein wird, findet man in seinem Atelier – und bald auch im Luxemburg-Shop am Flughafen Findel und im Luxembourg House in der Innenstadt. Die Frage nach einem möglichen Onlinevertrieb verneint er. „Das ist nicht geplant – ich bin schließlich kein Modedesigner.“ Auch auf bewusste Werbung für die Stücke der Marke „LEIWE BOY“ verzichtet er – schließlich verbreite sich die Kunde auch gratis über die sozialen Netzwerke, allen voran Insta-gram.

Die Kollektion sieht Schneider übrigens nicht als Ausläufer des viel besprochenen Nation Branding. „Ich will kein Land verkaufen“, erklärt der Künstler mit Nachdruck. „Das ist einfach meine Vorstellung von Mode aus Luxemburg. Und die Leute sollen Spaß daran haben.“

Zukunftspläne

Neben der Basis-Kollektion, die in den Farben Blau, Schwarz, Weiß, Rot und Grau gehalten ist, plant Schneider, weitere Capsule Collections zu lancieren. „Ich kenne viele Künstler“, sagt er voller Begeisterung. „Es wäre cool, mit zehn von ihnen jeweils eine Kollektion rauszubringen.“ Limitierte Stückzahlen – und natürlich zum „petit prix“.

Was jedoch schon heute feststeht: Von der kommenden Woche an wird auch eine eigene Linie für Damen erhältlich sein. „Mehrere Freundinnen von mir haben sich beschwert, dass es ja gar nichts für sie gibt“, so der Künstler. „Daher gibt es jetzt auch einige Frauenmodelle.“ Zu denen, die ihn zu diesem Schritt gedrängt hätten, zählt auch seine Schwester, mit der er täglichen Kontakt pflegt. „Sie hat den Grundstein zu meiner Idee gelegt“, sagt Schneider. Ihr habe er auch während des Entstehungsprozesses immer alle Designs gezeigt. „Und sie findet die Sachen cool.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

IMM Cologne: Zarte Farben bei Möbeln und Deko
Bei Möbeln, Tapeten und Einrichtungsgegenständen sind 2018 sanfte Töne angesagt: Etwa ein Rosa mit Nuancen von Beige. Auch Grau und Schwarz sind beliebt - gemischt mit Blau, Grün oder Rot. Das zeigt sich derzeit auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln.
Einrichtungsmesse IMM: Die neue Schlichtheit
Auf der Messe IMM in Köln werden derzeit über 100 000 verschiedene Möbel gezeigt. Es ist für alle Geschmäcker etwas dabei - doch unter den wegweisenden Designfirmen lässt sich eine Tendenz ausmachen: Es wird schlichter.
Zum Themendienst-Bericht «Die neue Schlichtheit - Möbel werden auf das Notwendigste reduziert» von Simone Andrea Mayer vom 15. Januar 2018: Der Stuhl Fl@t von Tonon bleibt bis zum Aufbau im Handel oder zu Hause flach. Das in Stoff eingeschlagene Pappmaterial wird dann erst mit zwei Schrauben an den Seiten zur Schale geformt und auf einen Unterbau gesetzt. 
(ACHTUNG - HANDOUT - Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des nachfolgenden Credits.) Foto: Tonon/dpa-tmn
Design aus Weinresten: Wenn Reste zu Dekor werden
Für ihre „Tresta“-Designobjekte aus Traubenabfällen erhielt Katharina Hölz, Master-Absolventin der Trierer Hochschule, mehrere Preise. Ihre Idee kommt an, denn sie vereint Nachhaltigkeit und Stil.