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Ländliche Perlen im Alentejo
Lifestyle 7 Min. 10.11.2021
Unterwegs in Portugal

Ländliche Perlen im Alentejo

Die raue Küste und die steilen Klippen am Cabo Sardão faszinieren nicht nur Vogelbeobachter.
Unterwegs in Portugal

Ländliche Perlen im Alentejo

Die raue Küste und die steilen Klippen am Cabo Sardão faszinieren nicht nur Vogelbeobachter.
Foto: Marc Willière
Lifestyle 7 Min. 10.11.2021
Unterwegs in Portugal

Ländliche Perlen im Alentejo

Südlich der portugiesischen Hauptstadt lädt die spärlich besiedelte Region Alentejo zur Entdeckung in aller Ruhe ein.

Von Marc Willière

In Lissabon pulsiert das Leben. Wie in jeder Metropole. Aber bereits wenige Kilometer südlich ist die portugiesische Welt eine ganz andere. Jenseits des Tejo schwindet die Hektik. Und die Zeit scheint langsamer voranzuschreiten. Die Einsamkeit des südlichen Alentejo ist wie gemacht für Menschen, die dem Stress des Alltags entfliehen und in der Abgeschiedenheit einer – wenn auch nicht immer unberührten – Natur vorübergehend zur Ruhe kommen wollen. Und dabei können sie sich gleichzeitig an vielen versprengten Perlen erfreuen.

Auf der Vasco-da-Gama-Brücke überquert der Besucher den Tejo – mit etwa 1.007 Kilometern der längste Fluss auf der Iberischen Halbinsel – und kehrt der Hauptstadt Portugals den Rücken. Sein Ziel ist aber nicht die viel besuchte Ferienregion Algarve in knapp 300 Kilometer Entfernung im Süden. Sozusagen bereits vor der Haustür der Lissabonner will der weniger bekannte Alentejo entdeckt werden. Fast für jeden Geschmack hält er etwas bereit – unter der Voraussetzung, dass der Gast sich Zeit nimmt und längere Wege nicht scheut.

An der portugiesischen Westküste führt auch der fast 400 Kilometer lange Wanderweg Rota Vicentina vorbei.

Reiseführerin Olga hat allen Grund, von ihrer Heimatregion zu schwärmen. Einst das Armenhaus Portugals, ist der Alentejo heute ein Geheimtipp für Naturliebhaber. Gegenüber der Halbinsel von Setúbal erstreckt sich bereits auf einer Fläche von über 23.000 Hektar die „Reserva Natural do Estuário do Sado“.

Das Naturreservat an den Ufern des Sado-Deltas ist nicht nur ein Rückzugsgebiet für seltene Vogel- und Fischarten. Der einzigartigen Dünen- und Wattlandschaft schließen sich zudem ausgedehnte Sandstrände an den Gestaden des Atlantiks an. Von Tróia bis Sines ist auf einer Länge von 60 Kilometern immer noch genug Platz für Erholungsuchende – auch wenn ihre Zahl ständig zunimmt. 

Frischer Fisch vor der Haustür 

Haupterwerbsquellen bleiben aber weiterhin der Reisanbau und die Salzgewinnung. Und natürlich die Fischerei. Als Kunstwerk der volkstümlichen Architektur gilt der in den 1950er- und 1960er-Jahren auf unregelmäßigen, scheinbar zerbrechlichen Holzpfählen erbaute Palafítico Pier von Carrasqueira nordöstlich von Comporta. Ein Spaziergang auf der Stelzenmole mit ihren farbenfrohen Fischerhütten und vertäuten Holzbooten ist ein Muss.

Der baufällige Pier auf Holzstelzen beim kleinen Fischerdorf Carrasqueira in der schlammigen Mündung des Sado ist einer der Letzten seiner Art in Europa.
Der baufällige Pier auf Holzstelzen beim kleinen Fischerdorf Carrasqueira in der schlammigen Mündung des Sado ist einer der Letzten seiner Art in Europa.
Foto: Marc Willière

Ein pittoreskes Fischerstädtchen ist weiter südlich Porto Covo mit seinen kleinen, weiß getünchten Häusern. Der Marques de Pombal hat den Ort nach dem Erdbeben von 1755, das ebenfalls Lissabon fast vollständig zerstört hatte, wieder aufbauen lassen. Die vor der Küste liegende, heute verlassene Ilha do Pessegueiro soll einst Piraten als Zuflucht gedient haben. Besonders Mutige schwimmen gerne hinüber auf die kleine Insel. 

Erholsamer sind indes die schönen Strände. Man muss sie aber suchen, sind sie doch entlang der Steilküste meist versteckt gelegen. An der portugiesischen Westküste führt auch der fast 400 Kilometer lange Wanderweg Rota Vicentina vorbei. Besonders eindrucksvoll gestalten sich die Passagen entlang der zerklüfteten Klippen, an denen sich die Wogen des Atlantiks mit voller Wucht brechen. Einen Abstecher lohnt Vila Nova de Milfontes. Obwohl die Kleinstadt entgegen ihrem Namen weder neu ist, noch tausend Brunnen zählt, vermag sie aber mit ihrem Panorama dank ihrer dominanten Position oberhalb der Mündung des Rio Mira in den Atlantik zu beeindrucken. 

Auch die Weißstörche scheinen die Abgeschiedenheit der eher unwirtlichen Gegend zu lieben, ansonsten hätten sie ihre Nester wohl nicht in abenteuerlichen Höhen erbaut. Nicht umsonst sind sie dann auch an der gezackten Küstenlinie des rauen Kaps Cabo Sardão eine beliebte Sehenswürdigkeit. Überhaupt haben sie eine besondere Vorliebe für ausgefallene Brutstätten. Es gibt kaum einen Hochspannungsmasten, auf dem die Störche in Portugal nicht ihre mehrere Kilogramm schweren Horste anlegen, für die sie neben Ästen auch gerne Steine und Schlamm verwenden. 

Störche haben den Alentejo mit ihren beeindruckenden Nestern übersät. Auch die abgeernteten Reisfelder bei Comporta dienen ihnen als Futterquelle.
Störche haben den Alentejo mit ihren beeindruckenden Nestern übersät. Auch die abgeernteten Reisfelder bei Comporta dienen ihnen als Futterquelle.
Foto: Marc Willière

Die in den 1980er-Jahren ergriffenen Schutzmaßnahmen haben zwar ihr drohendes Aussterben abwenden können. Heute aber empfinden nicht wenige die für Wohlergehen und Glück stehenden Vögel als Plage. Nahrungsangebot und Klima im Alentejo behagen ihnen derart, dass sie das ganze Jahr über bleiben und nicht mehr anderswo überwintern. Dass sie zudem kaum vom Menschen gestört werden, scheint ein weiterer Grund für ihr ständiges Bleiben zu sein.

Berührte Natur 

Von kleinen abgelegenen Dörfern und ausgedehnten Agrarflächen abgesehen, prägen Schirmpinien, Stein- und Korkeichen sowie Olivenbäume das Landschaftsbild im Alentejo. Unberührt ist die Natur dabei aber nicht immer, hat doch der Mensch wiederholt seine Hand im Spiel: In vielen Olivenhainen stehen die jungen Bäume neuerdings in Reih und Glied, während künstliche Bewässerungssysteme für ihr Überleben bei Temperaturen von über 40 Grad Celsius im Sommer sorgen. 

Für ausreichend Wasser sorgt unter anderem der Alqueva-Stausee. Er ist etwa 85 Kilometer lang und setzte etwa 250 Quadratkilometer unter Wasser, was auch nicht ohne Einfluss auf das Klima blieb. Seit der Schließung der Fluttore im Jahr 2002 ist Nebel kein Fremdwort mehr in der Region. An seinen langen Ufern sorgt er aber andererseits für reizvolle Landschaften sowie für alle Arten von Sport und Erholung am und auf dem Wasser. Boote kann man mieten, auf denen man auch übernachten muss. Nachts ist nämlich jeder Schiffsverkehr auf dem See verboten. 

Mit 250 Quadratkilometern ist der Stausee von Alqueva einer der größten künstlichen Seen in Europa.
Mit 250 Quadratkilometern ist der Stausee von Alqueva einer der größten künstlichen Seen in Europa.
Foto: Marc Willière

Malerisch erhebt sich die Kleinstadt Mértola auf einer Felsnase über der Mündung des Rio Oeiras in den Rio Guadiana. Für einen Besuch bleibt keine Zeit. Stattdessen geht die Fahrt weiter ins Hinterland. Wie schon zuvor an den Ufern des Stausees kommen auch hier Ornithologen auf ihre Kosten. Wer etwas Geduld mitbringt, kann Geier beobachten, die in der aufsteigenden Hitze der Mittagssonne ihre Kreise über den ausgedehnten Ebenen rund um die kleine Kapelle Ermida de Nossa Senhora de Aracelis ziehen. 

Das mittelalterliche Monsaraz mit seinen Stadtmauern und Straßen aus Schiefer bezaubert und überrascht Gäste aus aller Welt.
Das mittelalterliche Monsaraz mit seinen Stadtmauern und Straßen aus Schiefer bezaubert und überrascht Gäste aus aller Welt.
Foto: Marc Willière

Einer der ältesten und besterhaltenen historischen Orte des Alentejo ist Monsaraz nur wenige Kilometer von der spanischen Grenze entfernt. Viele historische Gebäude der alten Templerdomäne sind bis heute erhalten ebenso wie die durchlaufende geschlossene Stadtmauer. Nicht allein der Blick von der Burg auf die zahllosen Arme des gestauten Flusses Guadiana beeindruckt. In den späten Abendstunden vermag ein Besuch in der Sternwarte OLA dabei helfen, den Geheimnissen des Weltalls auf die Spur zu kommen. Beim Blick durchs Teleskop grüßt Saturn mit seinem Planetenring. 

Ausflug nach Evora 

Menhire und Megalithanlagen säumen die Straße nach Evora, Höhepunkt und Schlussetappe unserer Entdeckungsreise durch das Alentejo. Der gut erhaltene Diana-Tempel mit seinen monumentalen Säulen zeugt davon, dass die Stadt römischen Ursprungs ist. 


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Wie die Altstadt von Luxemburg zählt auch Evora zum Weltkulturerbe der Unesco. Neben Burg und Aquädukt sind vor allem die Kathedrale sowie die seit dem 15. Jahrhundert existierende, aber erst 1979 wiedereröffnete Universität das Ziel von Touristen und Studenten. Erholung und Entspannung suchen und finden alle am zentralen Giraldo-Platz mit seinem Marmorbrunnen und seinen Arkaden.

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