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Kunst mit Haut und Haar
Lifestyle 10 3 Min. 02.07.2012

Kunst mit Haut und Haar

Lifestyle 10 3 Min. 02.07.2012

Kunst mit Haut und Haar

Bodypainting – das ist eine Kunstform, bei der sich Menschen ganz nahekommen und bei der der Mensch selbst zum Kunstwerk wird. Die Luxemburgerin Lynn Schockmel hat sich seit einigen Jahren dieser Kunst verschrieben.

Von Birgit-Pfaus Ravida

Bodypainting – das ist eine Kunstform, bei der sich Menschen ganz nahekommen und bei der der Mensch selbst zum Kunstwerk wird. Die Luxemburgerin Lynn Schockmel hat sich seit einigen Jahren dieser Kunst verschrieben. Nun nimmt die gelernte Erzieherin ab dem Wochenende an der Bodypainting-Weltmeisterschaft im österreichischen Pörtschach teil. Vorab gewährte sie Einblicke in ihr buntes Schaffen.

Als Lynn Schockmel zum Interview kommt, sagt sie entschuldigend: „Da sind schon wieder Farbflecken an der Hose. Ich habe wirklich immer Farbflecken!“ Dann lacht sie. Farbe, Zeichnen und Malen gehören zu ihrem Leben, seit sie denken kann. Hätte sie nach der Schule vom Beruf der Maskenbildnerin gewusst, hätte sie ihn ergriffen, sagt die 29-jährige Luxemburgerin. Hätten es die Eltern erlaubt, hätte sie Kunst studiert. Sie wurde zwar diplomierte Erzieherin. Doch das Malen verschwand nie aus ihrem Blickfeld.

Aus Hobby wird Geschäft

Es war im Jahr 1997, als Lynn das erste Mal gefragt wurde, ob sie nicht auf einem Kindergeburtstag die Gesichter der kleinen Gäste bemalen wolle. Sie tat es – und fand Geschmack daran, Menschen mit Farbe und Bildern zu schmücken. „Ich habe dann meine Verwandten und Freunde bemalt, nur so aus Spaß“, erinnert sich die junge Frau. Und wie das so ist: Sie wurde immer wieder für Partys gebucht, um Kinder zu bemalen. So wurde aus dem Hobby ein Geschäft. Die erste Webseite entstand.

Ebenfalls aus Spaß nahm sie im Jahr 2009 ein erstes Mal an den Bodypainting-Weltmeisterschaft in Österreich teil. Mit Sprühdose und Schwamm durfte sie dort bei einem Workshop ein Model aus Louisiana bemalen. „Teri ist noch heute eine gute Freundin von mir“, erzählt Lynn. Mit diesem Workshop und dem Schritt, die Scheu zu überwinden und einen fremden Körper zu bemalen, keimte in Lynn Schockmel die Leidenschaft für das Bodypainting auf.

Kugelrunde Bäuche mit farbenfrohen Bildern

Seither hat sie sich und ihre Kunst immer weiter entwickelt. Heute ist sie fast an jedem Wochenende unterwegs, um entweder Privatleute jeden Alters und jeder Statur zu bemalen, Models zu Werbezwecken zu verschönern oder kugelrunde Bäuche von schwangeren Frauen für kurze Zeit zum Kunstwerk zu machen. Kurze Zeit, das ist nach der zwei- bis dreistündigen Bemalung mit speziellen hautfreundlichen Farben vielleicht der Moment, in dem das Foto gemacht wird, oder vielleicht der restliche Nachmittag, an dem die Kunden ihre „Haut-nahe Kunst“ noch ein wenig behalten wollen, und sei es unter der Kleidung. Darum ist die Zusammenarbeit mit Fotografen so wichtig. Denn auch das Foto, das entsteht, ist Kunst. Und die bleibt. Eines der Fotos hängt sogar schon in der ML-Gallery in Philadelphia.

Für die Bodypainting-WM im österreichischen Pörtschach, deren Rahmenprogramm am 2. Juli startet und die bis 8. Juli dauert, bereitet sich Lynn dieses Mal vor. Ihr Wettbewerbsthema lautet „Innere Ängste“. Schwere Kost – wie setzt man das um? „Ich habe schon einmal mit einem Model geübt, das mache ich sonst nie – mein Freund hat mich dazu überredet“, sagt Lynn lächelnd. Außer am Wettbewerb möchte sie an zwei Make-up-Workshops teilnehmen, die sie auch für ihr Schaffen brauchen kann.

Hauptberuflich Bodypainterin zu werden, kann sich Lynn schon vorstellen. „Ich würde mir als Gemeindebeamtin erst mal unbezahlten Urlaub nehmen.“ Aber das wäre „ein großer Schritt.“


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