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Kreativ in Berlin
Kreatives Duo: Frank Michels aus Walferdingen (l.) und der 
gebürtige Schweizer David Geckeler.

Kreativ in Berlin

Foto: Mirjam Kluka
Kreatives Duo: Frank Michels aus Walferdingen (l.) und der 
gebürtige Schweizer David Geckeler.
Lifestyle 3 Min. 10.03.2019

Kreativ in Berlin

2013 gründete der heute 35-jährige Frank Michels aus Walferdingen mit seinem Studienfreund David Geckeler ein Designbüro in der deutschen Hauptstadt. Mittlerweile zählen bekannte Unternehmen wie Nike und Nespresso zu ihren Kunden.

von Kelly Niesen (Berlin)

In einem typischen Gründerzeitgebäude im Berliner Bezirk Neukölln befindet sich das 80 Quadratmeter große Atelier des Designerduos GeckelerMichels. Früher befand sich dort ein Blumenladen, heute stehen die Möbelkreationen der beiden Produkt- und Industriedesigner im Schaufenster. So zum Beispiel der „Oyster“-Hocker, der für den German Design Award 2018 nominiert wurde. Die zwei Unternehmensgründer haben sich während des Studiums an der Fachhochschule Potsdam kennengelernt und wussten schon damals, dass sie sich eines Tages selbstständig machen würden.

Eines der bekanntesten Produkte in ihrem Portfolio ist ein Stuhl namens „Nerd“ für die skandinavische Möbelfirma Muuto, der bis heute als Bestseller gilt. Das praktische Stecksystem, klare Linien und das unprätentiöse Design trafen den Nerv der Zeit. Michels erklärt sich die Beliebtheit des Produkts anhand einer eher pragmatischen Theorie: „Der ,Nerd‘-Chair war zur richtigen Zeit bei der richtigen Firma.“

Hocker „Oyster“ für die Möbelfirma Util.
Hocker „Oyster“ für die Möbelfirma Util.
Foto: Nuno Sousa Dias

Künstlergen im Blut

Frank Michels Interesse für Produkt- und Industriedesign wurde schon während seiner Schulzeit entfacht: Auf der E-Sektion im Athenäum merkte er, dass ihm der Gestaltungsbereich besonders liegt. Auch sein Vater, der 2013 verstorbene Künstler Gast Michels, war an seinem späteren Karriereweg maßgeblich beteiligt. „2003 kam er von einer Philippe-Starck-Ausstellung im Centre Pompidou zurück und brachte mir ein Buch mit. Es war nur Text – kein einziges Bild – und dennoch war es so anschaulich beschrieben, dass es etwas in mir auslöste“, erklärt Michels. Von seinem Vater habe er darüber hinaus auch gelernt, Durchhaltevermögen zu beweisen, hart zu arbeiten und immer eine gewisse Selbstkritik zu üben; nur so könne Qualität entstehen.


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Willensstärke bewiesen die Designer nicht zuletzt 2015 bei ihrer Zusammenarbeit mit Nespresso. Für den Kaffeekonzern entwarfen Geckeler und Michels die „Touch“-Kollektion – schlichte Tassen in modernem Design, das von To-go-Bechern inspiriert ist. Eine besondere Herausforderung, die es bei der Entwicklung zu beachten galt, war die Farbe: „Wir wollten von Anfang an schwarze Tassen haben, was von Nespresso gleich abgelehnt wurde. Denn Schwarz bedeutet, dass das Porzellan pigmentiert werden muss.

Man befürchtete, dass der Kaffee so nicht mehr appetitlich aussehen würde. „Dazu gibt es sogar eine Studie“, erzählt Michels. „Wir haben aber auf unserer Idee beharrt, und nach einigen Tests auf Seiten des Unternehmens haben sie ihre Meinung geändert.“ Für den Designer sind Tassen ein „demokratisches Produkt“: das in vielen Haushalten vertreten ist und sich von vielen Menschen geleistet werden kann.

Becher „Touch“ für die Marke 
Nespresso.
Becher „Touch“ für die Marke 
Nespresso.
Foto: Haw-lin Services

Ökonomisch und ökologisch

Gutes Design bedeutet für Michels eben auch, dass es ökonomisch und ökologisch tragbar ist und Menschen langfristig Freude bringt: „Design kann alles sein – vom Zahnstocher bis zur Luxusjacht. Aber nichts ist schlimmer, als Design, das man schnell wieder wegwerfen kann.“ Kein Wunder also, dass die Werke des Duos eine zeitlose Qualität besitzen. Sie sind schlicht, ohne in den Minimalismus abzudriften – eine Charakteristik, die Michels ungern mit seinen Entwürfen in Verbindung bringt. Vielmehr sind sie clever, angenehm bescheiden und passen sowohl in eine Studenten-WG als auch in ein schickes Loft. Eine Anlehnung an die skandinavischen Stilprinzipien ist deutlich, aber nicht klischeehaft übersetzt: „Wir integrieren immer eine humorvolle Note und wollen den Betrachter damit irritieren, um ein anderes Narrativ zu schaffen.“

Neben Möbeln, Geschirr und Accessoires gestaltet das Designstudio auch Interior-Konzepte, etwa für den Sportgiganten Nike. Mit Mode hatte auch eine der jüngsten Arbeiten zu tun: Im Januar dieses Jahres präsentierten GeckelerMichels ihre Taschenmodelle für das japanische Label ZUCCa. „Wir mögen solche Ausreißer im Portfolio, weil sie uns erlauben, von anderen Sparten zu lernen, neue Erfahrungen zu machen und diese in unsere eigene Arbeit einfließen zu lassen“, so Michels.


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Berlin als Imageträger

Und wie lautet das Erfolgsrezept des kreativen Duos? „Nach außen hin sieht unser Portfolio natürlich gut aus, aber wir sind noch sehr jung und einige Produkte erst seit Kurzem auf dem Markt“, erklärt der luxemburgische Designer. Dennoch: Nur wenige junge Kreative können solch namenhafte Kunden für sich gewinnen – und das vor allem in Berlin. Die Stadt zählt nicht umsonst als Hochburg des Laisser-faire-Lifestyles.

Doch gerade darin sieht Frank Michels ihren Vorteil: „Wir profitieren vom Berliner Image und unsere Kunden gleich mit. Wir mögen vielleicht hier leben und unser Büro haben, aber David und ich haben einen anderen Mindset. Wir sind beide sehr fleißig und fokussiert“, erklärt Michels und ergänzt: „Wir sind im Grunde genommen auch nur zwei Zugezogene, die mit universalen Ideen für einen universalen Markt arbeiten.“


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