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Krakau: Die Schöne an der Weichsel
Lifestyle 6 Min. 20.02.2020

Krakau: Die Schöne an der Weichsel

Ausgangspunkt der Tour ist der Bischofspalast, wo einst der spätere Papst residierte.

Krakau: Die Schöne an der Weichsel

Ausgangspunkt der Tour ist der Bischofspalast, wo einst der spätere Papst residierte.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 6 Min. 20.02.2020

Krakau: Die Schöne an der Weichsel

Auf einen Spaziergang durch die Stadt Krakau auf den Spuren von Johannes Paul II., dem ehemaligen Oberhaupt der katholischen Kirche.

Von Karsten-Thilo Raab

In diesem Jahr wäre Papst Johannes Paul II. 100 Jahre alt geworden. In seiner Heimat Polen wird er noch heute hoch verehrt. Insbesondere in Krakau, wo sich auf den Spuren des einstigen Oberhauptes der katholischen Kirche eine spannende Entdeckungsreise erleben lässt. Das ehemalige Kirchenoberhaupt ist auch anderthalb Jahrzehnte nach seinem Tod am 2. April 2005 in der Stadt an der Weichsel allgegenwärtig.

Schon kurz nach der Landung auf dem internationalen Flughafen in Krakau-Balice, der seit 1995 den Namen des ehemaligen Papstes trägt, fällt der Blick auf ein Relief mit dem Konterfei des berühmtesten Sohnes der Stadt. Der am 19. Mai 1920 im nahegelegenen Wadowice geborene Karol Józef Wojtyla hat vor seiner Ernennung zum Papst im Jahre 1978 den Großteil seines Lebens in Krakau verbracht und kehrte sechsmal im Rahmen von offiziellen Pilgerfahrten hierher zurück.

„Einer der einflussreichsten Polen“

„Karol Wojtyla bleibt für uns unvergesslich. Er war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Polen, die es je gegeben hat“, erklärt Barbara Zolnówska voller Hochachtung. Fast täglich führt die Deutschlehrerin Touristengruppen durch ihre Heimatstadt – fast täglich auf den Spuren von Johannes Paul II. Insgesamt 25 Stationen umfasst ein im Jahre 2006 eingeweihter Rundweg, der den Lebensweg des Erzbischofs von Krakau, des Kardinals und späteren Papstes in der Stadt nachzeichnet – vom Palast der Krakauer Bischöfe über den Steinbruch Zakrzówek, in dem Wojtyla von 1940 bis 1941 als Zwangsarbeiter dienen musste, bis zum geheimen Priesterseminar am Collegium Novum, an dem Karol Wojtyla während des Zweiten Weltkrieges trotz Verbotes sein Studium absolvierte.

Ein Muss für Krakau-Touristen: die Kathedrale auf dem Stadtberg Wawel.
Ein Muss für Krakau-Touristen: die Kathedrale auf dem Stadtberg Wawel.
Foto: Shutterstock

„Das Wirken und die Vielseitigkeit dieses Mannes können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, fährt Barbara fort. „Wojtyla war nicht nur ein Sohn der Kirche und ein großer Geistlicher, sondern auch Poet, Schauspieler, Arbeiter und Hochschuldozent“, weiß sie zu berichten.

Eigentlich beginnt in Krakau jede Stadtführung, jeder Spaziergang, fast jede Verabredung auf dem herrlichen Hauptmarkt, dem Rynek Glowny, der mit seinen gigantischen Ausmaßen von 200 mal 200 Meter als größter Platz in Europa gilt. Und obwohl Karol Wojtyla auch hier, etwa als Prediger und Beichtvater der Marienkirche mit ihren beiden unterschiedlich hohen Türmen, seine Spuren hinterließ, bildet der Palast der Krakauer Bischöfe den Startpunkt für die ungemein abwechslungsreiche Johannes-Paul-II.-Tour.

Hier wohnte Wojtyla ab 1944 als Student, hier erhielt er 1946 die Priesterweihe, hier wirkte er ab 1958 als Bischof und ab 1964 als Metropolit von Krakau, und hier wohnte er während seiner offiziellen Pilgerfahrten nach Krakau. Über der Toreinfahrt befindet sich das Fenster, von dem aus der Heilige Vater die versammelten Gläubigen zu grüßen pflegte. Heute ziert ein riesiges Mosaik mit dem Konterfei des Pontifex den Portalbogen. Im Hof des Bischofspalastes, in dem anhand von überdimensionalen Tafeln die wichtigsten Stationen im Leben von Johannes Paul II. dargestellt werden, wurde ihm durch den Künstler Jole Sensi Croci zudem ein Denkmal gesetzt.

Museum im Dechantenhaus

Gegenüber der Bischofsresidenz liegt die Franziskanerkirche, in der Wojtyla ganz bescheiden in einer der hinteren Reihen einen eigenen Sitzplatz hatte, der mit einem Messingschild markiert ist. Nur einen Steinwurf entfernt liegen das Priesterseminar und das Dechantenhaus, in dem Wojtyla als Bischof von 1958 bis 1967 wohnte. Heute ist hier das Museum der Erzdiözese untergebracht. Natürlich bilden viele persönliche Gegenstände des Papstes – wie sein Talar, der einstige Schlafplatz oder sein Arbeitszimmer – einen wichtigen Teil der Sammlung.

Papst-Ausstellung im Museum der Erzdiözese, dem ehemaligen Dechantenhaus.
Papst-Ausstellung im Museum der Erzdiözese, dem ehemaligen Dechantenhaus.
Foto: Karsten-Thilo Raab

Auf dem Wawel, dem Stadtberg am Ufer der Weichsel, fällt neben einem der prächtigsten Renaissance-Schlösser Europas jene Kathedrale ins Auge, in der über Jahrhunderte die Krönungs- und Begräbnisfeierlichkeiten für die polnischen Könige stattfanden. In der Krypta des Heiligen Leonhard im Untergeschoss des Gotteshauses hielt Wojtyla als junger Priester am 2. November 1946 seine erste heilige Messe ab. Direkt gegenüber dem Hauptportal wurde in Erinnerung an den Pontifex ein weiteres Denkmal errichtet.

Am südlichen Ufer der Weichsel befindet sich in der Tyniecka-Straße Nummer 10 das einstige Wohnhaus von Karol Wojtyla und dessen Eltern. Eine Gedenktafel und eine Fahne markieren das inzwischen im Privatbesitz befindliche Gebäude, ebenso wie das wenige Gehminuten entfernt liegende Haus in der Szwedzka-Straße 12, in dem sich der spätere Papst nach einem Autounfall im Jahre 1944 erholte.

„Irena Szkocka, eine Freundin der Familie Wojtyla, und ihr Mann haben den jungen Karol gepflegt, nachdem er von einem Lastwagen angefahren wurde“, weiß Barbara Zolnówska zu berichten. Und auch, dass in dem unscheinbaren Haus regelmäßig ein Treffen junger Schriftsteller, Schauspieler und Maler stattfand, zu denen auch der spätere Pontifex zählte.

Unweit des Nationalmuseums liegt der Henryk-Jordana-Park, in dem ein weiteres Denkmal für Johannes Paul II. zu finden ist. Die Statue war auch Startpunkt des sogenannten „Weißen Marsches“ am 17. Mai 1981.

Papst-Denkmal im Henryk-Jordana-Park.
Papst-Denkmal im Henryk-Jordana-Park.
Foto: Karsten-Thilo Raab

„Damals machten sich rund eine halbe Million Menschen, ganz in Weiß gekleidet, im Schweigen auf den Weg zum Krakauer Hauptmarkt“, erinnert sich Barbara. Mit dieser Aktion wollten die Gläubigen gegen sinnlose Gewalt demonstrieren und gleichzeitig ihr Mitgefühl gegenüber dem Papst ausdrücken. Dieser war am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom bei einem Attentat durch den türkischen Extremisten Mehmet Ali Agca durch drei Kugeln schwer verletzt worden.

Picknick auf dem Krakauer Anger

Nur durch eine Straße vom Henryk-Jordana-Park getrennt ist der Krakauer Anger (Błonia). Die 48 Hektar große Wiese ist insbesondere in den Sommermonaten bei Picknickfreunden, Ballsportlern und Heerscharen von Erholungssuchenden beliebt. Während seiner Pilgerreisen nach Krakau hielt der Pontifex hier vor Millionen von Gläubigen Freiluftgottesdienste ab. Ereignisse, an die ein 26 Tonnen schwerer Granitstein erinnert. Unter den Stein haben viele Gläubige kleine Kieselsteine mit Inschriften im Gedenken an den verstorbenen Papst oder mit Fürbitten platziert.


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Mit dem Denkmal des Papstes im Park Strzelecki, dem Grab der Eltern von Johannes Paul II. auf dem Rakowicki-Friedhof oder der Basilika des heiligen Florians, in der Wojtyla von 1949 bis 1951 als Vikar tätig war, sind weitere Stationen, die mit dem Leben des Pontifex verbunden sind, bequem fußläufig zu erreichen.

Einige Kilometer außerhalb des Zentrums liegt das Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes im Stadtteil Łagiewniki, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft am 17. August 2002 eine riesige Basilika mit 4 500 Plätzen durch den Papst eingesegnet wurde. Von der Aussichtsplattform des modernen Kirchturms ist das Areal der ehemaligen Soda-Werke „Solvay“ zu sehen, in denen Karol Wojtyla während des Zweiten Weltkrieges arbeitete. Von hier oben bietet sich zudem ein herrlicher Blick auf die Umgebung von Krakau und auf eine Stadt, die bis zum heutigen Tag auf ganz besondere Weise mit dem einstigen Oberhaupt der katholischen Kirche verbunden ist. 


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