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Kosmetik für den Bentley Bentayga

Kosmetik für den Bentley Bentayga

Kosmetik für den Bentley Bentayga

Kosmetik für den Bentley Bentayga


von Claude FEYEREISEN/ 19.10.2020

Sein Kühlergrill steht nun noch steiler im Wind: Der geliftete Bentley Bentayga lässt keinen Zweifel daran, wer der Chef im Ring ist. Foto: Guy Wolff

Bentley hat den Bentayga geliftet. wort.lu hat ihn bereits fahren dürfen – als „Einstiegsversion“ mit V8 und 550 PS.

Von Adel und Erbe über Fußballprofi und Immobilienhai bis hin zu Verbrecher und Zocker: Auf dem  Supermarktparkplatz sorgt der Bentley Bentayga für offene Münder und fragende Gesichter. Man sieht den Einkaufswagen schiebenden Kunden regelrecht an, wie in ihren Köpfen gerade alle gängigen Klischees bemüht werden.

Bentley zu fahren bedeutet, einen starken Charakter zu haben und sich nicht von missbilligen Blicken aus der Fassung bringen zu lassen. Der Bentayga-Fahrer ignoriert geflissentlich und genießt stattdessen, selbst am Steuer zu sitzen – ganz im Stil eines Gentleman Driver. 

Genussmomente gibt es im aufgefrischten Bentley zuhauf: Rein äußerlich stechen an der Front die neu gestalteten Scheinwerfer mit LED-Matrix-Technologie und geschliffenem Kristallglas sowie der nunmehr steiler im Wind stehende Kühlergrill ins Auge. Am Heck sorgen die neu gestaltete Kofferraumklappe mit neuerdings elliptisch geformten Leuchten im Continental-GT-Stil sowie das nunmehr nach unten in den Stoßfänger gewanderte Kennzeichen für einen (noch) edleren Anblick. Dass dem Hinterteil bei den designerischen Anstrengungen besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, dürfte damit zusammenhängen, dass die meisten den Bentley Bentayga V8 ohnehin nur aus dieser Perspektive zu sehen bekommen.

Nullhundert in 4,5 Sekunden

4,5 Sekunden für die Standardisziplin von 0 auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 290 km/h sind beim einem SUV dieser Gewichtsklasse immer noch eine Ansage. Immerhin kratzt der Bentayga V8 mit Fahrer an der Zweieinhalb-Tonnen-Grenze. Nichts destotrotz lassen die Ingenieure nichts unversucht, wie der Bentley-Internetseite zu entnehmen ist: „Eine nennenswerte Gewichtseinsparung von 21,5 kg verleiht diesem Fahrzeug ein noch besseres Ansprechverhalten.“

Für Vortrieb sorgt ein 4,0-Liter-V8-Biturbomotor.
Für Vortrieb sorgt ein 4,0-Liter-V8-Biturbomotor.
Foto: Guy Wolff

Im Maschinenraum tut der bewährte Biturbo-V8-Benziner mit 550 PS und 770 Newtonmetern Dienst. Seine Kraft reicht er via eine Acht-Gang-Automatikbox an die vier angetriebenen 22-Zoll-Räder (Option) weiter. Im normalen Fahrbetrieb operiert der Motor fast immer unterhalb der 2.000-Touren-Marke, zumal ab hier das maximale Drehmoment anliegt. Im Zusammenspiel mit dem ruckfrei arbeitenden Automaten ergibt sich ein derart geräuschloser und vibrationsfreier Fahrkomfort, dass man sich beinahe in einem Elektro-Auto wähnt. Zurückhaltend gefahren, entspricht der Durchschnittsverbrauch der Werksangabe von rund 13 Litern Benzin je 100 Kilometer (WLTP) – ein durchaus vertretbarer Wert.

Groß, breit, stark

Aber der Bentayga V8 kann auch anders, wenn der Gentleman Driver mal die Contenance verliert oder sich bewusst über britische Anstandsformen im Straßenverkehr hinwegsetzen möchte. Dazu genügt ein beherzter Tritt aus Gaspedal, der „Bentley Mode“ – gewissermaßen der Automatikmodus unter den einzelnen Fahrprogrammen – kümmert sich um den ganzen Rest. Er reißt dann beispielsweise die Auspuffklappen auf, damit die Umgebung auch akustisch über das im Tiefflug befindliche Trumm in Kenntnis gesetzt wird und im Idealfall vorsorglich die Straße räumen kann.

Fahrwerksseitig ist der Bentayga der Kraft des V8 dank 48-Volt-Wankstabiliserung in jeder Lebenslage gewachsen. Wie von Zauberhand wird Seitenneigung weitgehend unterbunden, so dass sich der Bentayga in der Praxis wesentlich leichter anfühlt, als er tatsächlich ist. Spätestens auf engen, kurvigen Landstraßen holt einen die für ein Luxus-SUV zwar standesgemäße, in jenem Geläuf aber eher hinderliche Karosseriebreite wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und gemahnt einen, es doch bitte nicht zu übertreiben – im Interesse etwaigen Gegenverkehrs.

Also belässt man es bei einigen wenigen, durchaus kurzweiligen Zwischensprints bewenden und genießt die unbeschwerte Art des Dahingleitens, die von Hause ohnehin eher zu einem SUV britischer Provenienz passt. Selbst dann, wenn das Schlachtschiff unter deutscher Flagge segelt.

Achtung, Ablenkungsgefahr!

Der Innenraum ist denn auch derart opulent eingerichtet, dass er zum Fläzen geradezu einlädt. Der mit Leder ausgeschlagene Salon auf Rädern und die Verarbeitungsqualität sind auf einem derart hohen Niveau, dass sich die Freude daran negativ auf die Aufmerksamkeit des Fahrers beim Fahren ausübt. Es sind die vielen kleinen Details – wie die optionale analoge Bretitling-Uhr, die auf dem Armaturenbrett thront –, die den Bentayga von seinen an einer Hand aufzuzählenden, darüber aber weniger stilsicheren Konkurrenten abheben.

Mit dem Facelift hat endlich auch ein zeitgemäßes Navigationssystem mit angemessen großem Touchscreen (10,9 Zoll) Einzug gehalten – bis vor kurzem einer der wenigen Kritikpunkte, die sich der Bentayga gefallen lassen musste. Im Zuge dessen wurde auch die Mittelkonsole umgestaltet. Auffälligstes Merkmal sind neben dem berührungsempfindlichen Bildschirm die Lüftungsdüsen, die nunmehr rechteckig sind.

Zur Sonderausstattung des Testwagens gehörte die Position „Mulliner Driving Specification with Black Specification“ inklusive 22-Zoll-Räder für 22175 Euro - ohne Mehrwertsteuer.
Zur Sonderausstattung des Testwagens gehörte die Position „Mulliner Driving Specification with Black Specification“ inklusive 22-Zoll-Räder für 22175 Euro - ohne Mehrwertsteuer.
Foto: Guy Wolff

Perfektion hat nun einmal ihren Preis: Zum Basispreis in Höhe von 156.900 Euro und Optionen für insgesamt 74.210 Euro addieren sich noch 39.288,70 Euro Mehrwertsteuer, so dass der Kunde am Ende 270.398,70 Euro an den Händler überweisen muss. Nachstehend ein paar Zusatzausstattungen (jeweils ohne Mwst.), die der Testwagen aufwies: die Farbe Hallmark-Grau für 4660 Euro, die „Mulliner Driving Specification with Black Specification“ inklusive 22-Zoll-Räder für 22.175 Euro, die Carbonverkleidung des Innenraums für 3.055 Euro und das Naim-Soundsystem für 6.660 Euro.

Die Kunst, Gutes besser zu machen

Ob der neue Bentayga nun besser fährt als der alte, vermag man auch nach einem mehrtägigen Test nur schwer zu sagen, zumal der Vorgänger ja kein schlechtes Auto war. Letztendlich hat Bentley Gutes nur noch besser gemacht. Geblieben ist ein souveränes Reise-SUV mit Kraft im Überfluss und der zweifelhaften Eigenart, die gefahrene Geschwindigkeit derart gekonnt zu kaschieren, dass es am Ende nur mehr die Tachoanzeige ist, die den Fahrer zu einem umsichtigeren Umgang mit der Kraft des V8 ermahnt. 

Der Bentayga bleibt sich treu und ist alles andere als ein Chauffeurswagen: Hier setzt sich der Gentleman Driver am liebsten selbst ans Steuer. 

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