Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kompakt aber trotzdem groß: Das iPhone X im Praxistest
Nach vielen Jahren der Verweigerung setzt nun auch Apple beim iPhone X auf drahtloses Laden über den Qi-Standard. Die Ladegeräte gibt es im Zubehörhandel.

Kompakt aber trotzdem groß: Das iPhone X im Praxistest

Foto: dpa-tmn
Nach vielen Jahren der Verweigerung setzt nun auch Apple beim iPhone X auf drahtloses Laden über den Qi-Standard. Die Ladegeräte gibt es im Zubehörhandel.
Lifestyle 4 Min. 02.11.2017

Kompakt aber trotzdem groß: Das iPhone X im Praxistest

Zum Jubiläum „Zehn Jahre iPhone“ hat Apple einen großen Wurf versprochen. Das iPhone X zeige die Richtung, in die sich die Entwicklung der Smartphones im kommenden Jahrzehnt bewege, sagte Konzernchef Tim Cook. Ein Realitätscheck.

(dpa/tmn) - Zehn Jahre nach dem ersten iPhone geht jetzt das neue iPhone X an den Start. Ein beinahe randloses Display, kein Home-Button und eine komische Einbuchtung oben am Bildschirm: Auf den ersten Blick wird klar, dass es sich nicht um eine Weiterentwicklung der Vorgängermodelle handelt. Das spürt man auch gleich, wenn man das Gerät in die Hand nimmt.

Obwohl das iPhone X von den äußeren Abmessungen her im Vergleich zum iPhone 8 Plus deutlich kompakter ausfällt, hält man das größte Display in der Hand, das Apple bislang in einem iPhone verbaut hat. Die Bildschirmdiagonale beträgt 5,8 Zoll bei einer Auflösung von 2436 x 1125 Pixel. Das ist möglich, weil das Display oben und unten nun beinahe ohne Rand auskommt.

Gesichtserkennung statt Fingerabdruck: Das iPhone X wird per FaceID entsperrt. Die Einrichtung geht recht schnell.
Gesichtserkennung statt Fingerabdruck: Das iPhone X wird per FaceID entsperrt. Die Einrichtung geht recht schnell.
Foto: dpa-tmn

Für die runde Home-Taste mit Fingerabdrucksensor war kein Platz mehr. Deshalb setzt Apple beim iPhone X auf eine dreidimensionale Gesichtserkennung namens Face ID. Sie lässt sich einfach und flott einrichten. Man muss wie bei einer Selfie-Aufnahme das iPhone X vor das Gesicht halten und zwei Mal hintereinander mit der Nase eine kreisförmige Bewegung vollführen - das war es schon.

Im Praxistest funktioniert Face ID mindestens so zuverlässig wie die Entsperrung mit dem Fingerabdruck bei den vorherigen iPhone-Modellen. Nur bei einer spiegelnden Sonnenbrille macht Face ID nicht mit. Auf fremde Gesichter reagiert das Gerät nur mit einer kurzen Vibration.

Schweinchen, Hase, Alien

Die Gesichtserkennung kommt auch bei einer netten Spielerei zum Einsatz, den Animojis. In der Nachrichten-App kann man animierten Emojis wie Schweinchen, Hase, Alien, Kothaufen oder Einhorn mit seinem Gesicht Leben einhauchen, mit der eigenen Stimme sprechen lassen und als iMessage versenden.

Einen Nachteil gibt es aber: Konnte Touch ID sich fünf Fingerabdrücke merken, speichert Face ID nur ein einziges Gesicht. Wollen andere Menschen das Gerät nutzen, ist das nur über den Sperrcode möglich.

Über eine neue Wischgeste vom unteren Bildschirmrand nach oben kann man auch aus einer App auf den Home-Screen wechseln. Daran gewöhnt man sich nach kürzester Zeit. Etwas gewöhnungsbedürftiger ist die Geste, um zwischen geöffneten Apps zu wechseln. Dazu muss man beim Wischen von unten in der Mitte des Bildschirms stoppen. Das Kontrollzentrum wird nun per Wisch von rechts oben aufgerufen.

Das Kontrollzentrum des Geräts rufen iPhone-X-Nutzer jetzt mit einem Wisch von der oberen rechten Bildschirmecke aus auf.
Das Kontrollzentrum des Geräts rufen iPhone-X-Nutzer jetzt mit einem Wisch von der oberen rechten Bildschirmecke aus auf.
Foto: dpa-tmn

Beim Bildschirm setzt Apple erstmals auf die OLED-Technologie, also auf organische, selbst strahlenden Leuchtdioden. Das Ergebnis ist ein helles kontrastreiches Display ohne große Farbverschiebungen bei unterschiedlichen Blickwinkeln. Fotos und Videos stellt es brillant dar. Mancher wird sich an der Aussparung am oberen Bildschirmrand stören, dort, wo die „TrueDepth“-Kamera sitzt. Im Test fällt der dunkle Bereich - von Apple-Kritikern spöttisch „the notch“ (die Kerbe) getauft - aber schon nach wenigen Stunden kaum mehr auf.

Kabelloses Aufladen

Damit Apps komplett in dem länglichen Bildformat dargestellt werden, müssen die Programme ans neue System angepasst werden. Bei den eigenen Apps hat Apple das schon erledigt. Auch Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter und einige andere Apps sind vorbereitet. Viele andere Entwickler müssen noch nachbessern.

Wie beim iPhone 8 verbaut Apple bei iPhone X auf der Rückseite Glas. Damit wird es möglich, ein iPhone drahtlos aufzuladen, indem man es auf eine Ladematte legt, ohne das Smartphone mit einem Ladekabel anzustöpseln. Bei der Kamera kommen - wie beim iPhone 8 Plus - zwei Sensoren und Linsen zum Einsatz. Erstmals sind beide mit einem optischen Verwacklungsschutz ausgestattet. Zudem ist das Teleobjektiv ein wenig lichtstärker als beim 8 Plus (Blende f/2.4 statt f/2.8).

Apples iPhone X besteht aus einem glänzenden Metallrahmen und vorne wie hinten robustem Glas. Die stabilisierten Kameras stecken in einem aus der Gehäuserückseite herausragenden Modul.
Apples iPhone X besteht aus einem glänzenden Metallrahmen und vorne wie hinten robustem Glas. Die stabilisierten Kameras stecken in einem aus der Gehäuserückseite herausragenden Modul.
Foto: dpa-tmn

Bei hellem Licht ist im Alltag kaum ein Unterschied zu erkennen. Bei Kerzenschein oder wenig Licht geraten die Bilder des iPhone X aber ein wenig detailreicher. Spürbar besser als beim iPhone 8 fallen auch die Selfies aus, weil mit der „TrueDepth“-Technologie erstmals ein spezieller Porträtmodus auch für die Frontkamera angeboten wird. Damit kann man bei Selfies den Hintergrund unscharf erscheinen lassen, so wie bei professionellen Porträtfotos.

In anderen Bereichen vertraut Apple auf die Komponenten, die auch im iPhone 8 stecken. Herzstück ist der iPhone-Chip A11 Bionic mit sechs Rechenkernen. Er soll besonders stromsparend arbeiten. Im Vergleich zum iPhone 7 (rund 15 Stunden bei durchschnittlicher Nutzung) fällt die Akkulaufzeit zwei Stunden länger aus.

Fazit

Ein quasi randloser OLED-Bildschirm, eine funktionierende Gesichtserkennung und eine sehr gute Kamera: Die Hauptvorteile des iPhone X sind schnell aufgezählt. Der entscheidende Vorteil ist aber, dass man sich auf der Suche nach dem stärksten iPhone nicht mehr für die große Plus-Variante des iPhones im Phablet-Format entscheiden muss, sondern ein deutlich kompakteres Gerät auswählen kann.

Das alles hat aber seinen - für manche Interessenten wohl utopisch hohen - Preis: Das iPhone X mit 64 Gigabyte (GB) Speicher kostet um die 1150 Euro. Mit 256 GB müssen sogar um die 1300 Euro investiert werden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Super Nintendo Classic Mini im Test: Ein kleiner Kasten Nostalgie
Für viele etwas ältere Videospieler war der Super Nintendo einst die erste Konsole. Und vielen Kennern gilt der unscheinbare graue Kasten bis heute als eine der besten. Nun kommt er als Mini-Ausgabe zurück - und bringt sogar ein bisher unveröffentlichtes Spiel mit.
Zum Themendienst-Bericht von Tobias Hanraths vom 2. Oktober 2017: Hinter der Klappe an der Vorderseite des Super Nintendo Classic Mini stecken die Anschlüsse für die Controller, der Steckplatz für die Spielmodule ist nur Verzierung.
(Bild vom 02.10.2017/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Die Apple Watch 3 LTE im Praxistest: Freiheit in Grenzen
Die Smartwatch von Apple war bislang komplett auf das Zusammenspiel mit dem iPhone angewiesen. Mit der dritten Auflage der Apple Watch kann die nun auch unabhängig vom iPhone kommunizieren. Allerdings bringt dies auch einen Nachteil mit sich.
Zum Themendienst-Bericht von Christoph Dernbach vom 27. September 2017: Für die Apple Watch 3 gibt es zahlreiche neue Ziffernblätter. 
(Bild vom 22.09.2017/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn
Durchwachsenes Ergebnis: Akku-Heckenscheren im Praxistest
Noten von „gut“ bis „mangelhaft“ hat die Stiftung Warentest akkubetriebenen Heckenscheren gegeben. Die Schwächen schlechterer Geräte lagen eher in der Handhabung oder Haltbarkeit, während die besten Geräte mit dem Ergebnis ihres Schnittes punkteten.
Zum Themendienst-Bericht vom 25. Juli 2017:  
Mit elektrischen Heckenscheren lässt sich das Grün schnell stutzen. Wichtig ist bei großen Flächen eine ausreichende Laufzeit des Akkus. 
(Archivbild vom 10.06.2011/Nur zur 
redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Kai Remmers/dpa-tmn
Im Praxistest : Was kann das neue iPhone 7?
Gehen Apple im zehnten iPhone-Jahr die Ideen aus? Auf den ersten Blick könnte man das schnell meinen. Im Praxistest überzeugt das iPhone7 allerdings mit neuem Kamera-Konzept und besseren Akku-Laufzeiten.
Zum Themendienst-Bericht von Christoph Dernbach vom 13. September 2016: �u�erlich sind die neuen iPhone 7 (l) und 7 Plus kaum von den Vorg�ngern zu unterscheiden. 
(Archivbild vom 12.09.2016/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) 
Foto: Andrea Warnecke
Das iPhone 6S und 6S Plus im Praxistest: Drück mich ganz fest
Auf den ersten Blick kann man die neue iPhone-Generation nicht von den Vorgängermodellen unterscheiden. Dennoch hat Apple eine Menge geändert. Mit 3D Touch bietet das iPhone nun ein neues Bedienkonzept. Außerdem überzeugt es mit einer hervorragenden neuen Kamera.
Zum Themendienst-Bericht von Christoph Dernbach vom 22. September 2015: Neues Telefon, neue Preise. Das ohnehin schon recht kostspielige iPhone wird noch einmal teurer. Das 6S gibt es mit 16 GB Speicher ab rund 740 Euro, 64 GB kosten 110 Euro mehr. Das iPhone 6S Plus gibt es ab 849 Euro aufw�rts. 
(Archivbild vom 18.09.2015/Die Ver�ffentlichung ist f�r dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.)  Foto: Andrea Warnecke