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Kleinod an der Côte d’Azur
Lifestyle 4 Min. 18.09.2019

Kleinod an der Côte d’Azur

Südamerikanische Vegetation vor mediterraner Kulisse: Ein Spaziergang durch den „Jardin du Chili“ bietet Eindrücke unterschiedlicher Art.

Kleinod an der Côte d’Azur

Südamerikanische Vegetation vor mediterraner Kulisse: Ein Spaziergang durch den „Jardin du Chili“ bietet Eindrücke unterschiedlicher Art.
Foto: Domaine du Rayol / Chloé Arregoces
Lifestyle 4 Min. 18.09.2019

Kleinod an der Côte d’Azur

Der Landschaftsgarten „Le Domaine du Rayol“ in Rayol-Canadel-sur-Mer an der Côte d'Azur gilt als absoluter Geheimtipp unter Frankreichurlaubern.

Von Wolf von Leipzig 

Die Côte d’Azur zählt zweifellos zu den meistbereisten Regionen Frankreichs. Und doch findet sich unweit des Massif des Maures, zwischen Saint-Tropez und der Hyères-Halbinsel, unmittelbar am Meer zwischen Cap Cavalaire und Cap Nègre, nahe der Touristenströme und dennoch versteckt, ein landschaftliches und botanisches Kleinod: „Le Domaine du Rayol“ in Rayol-Canadel-sur-Mer. Dorthin gelangt der Besucher entweder über die Küstenstraße D559 oder D91 oder, vom Hinterland kommend, über die D27. Letztere, eine kurvige, stellenweise einspurige Nebenstraße, führt, bevor sie dann steil zur Küste abfällt, zu einer Anhöhe hinauf, von wo sich ein grandioses Panorama auf das Mittelmeer und die Hyères-Inseln bietet.

Rayol-Canadel-sur-Mer ist ein eher beschauliches Küstenstädtchen. Die Hauptattraktion des Ortes liegt versteckt am Ostrand: Der an einem zum Meer hin abfallenden Hang gelegene „Domaine du Rayol“ ist von außen nicht einzusehen, sodass der Besucher leicht achtlos an diesem veritablen Garten Eden vorbeifährt.

Ausblick von der Pointe du Figuier.
Ausblick von der Pointe du Figuier.
Foto: Domaine du Rayol/Chloé Arregoces

Wechselvolle Geschichte

In der sogenannten Belle Epoque, der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, entdeckte Europas „gute Gesellschaft“ die Côte d’Azur. Einige wohlhabende Familien waren von der Schönheit der Corniche des Maures, die sie durch den „petit train des pignes“ entdeckten, wie betört und ließen sich wahre Prunkvillen errichten. Damals erwarb der weltgereiste Geschäftsmann Alfred Courmes dort 40 Hektar verwildertes „Maquis“ als Grund und Boden für seinen Alterssitz und ließ dort erst einen kleinen Bauernhof („La Ferme“) und danach zwei herrschaftliche Villen, das „Hôtel de la Mer“ und die „Villa Rayolet“, sowie ein kleineres Haus, „Le Bastidon“, bauen. Rund um eine Pergola antiker Inspiration, zu der eine großzügige Freitreppe hinaufführt, ließ er nach und nach einen Garten mit Palmen, Eukalyptusbäumen, Dattelpalmen, Agaven, Mimosen und anderen exotischen Pflanzen sowie einen Gemüse- und Obstgarten anlegen.


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Über steilen Klippen
Im französischen Departement Alpes-de-Haute-Provence gibt es eine Reihe von faszinierenden Landschaften.

Der Landschaftsgarten überstand die beiden Weltkriege ohne größeren Schaden und zählte so 1948 bereits über 400 exotische Pflanzenarten. Nach dem Tod Courmes’ war der Besitz in die Hände des Flugzeugbauers Henri Potez gekommen, der sich 1940 dort niedergelassen hatte. 1974 trennte sich Potez von seiner Sommerresidenz. Eine Versicherungsgesellschaft erwarb das Anwesen und hatte bereits ein Immobilienprojekt in der Schublade. Auf Drängen lokaler Vereinigungen kaufte schließlich der französische Staat das einmalige Anwesen im Vallon du Figuier. Danach lag das Grundstück 15 lange Jahre lang brach – bis das staatliche Conservatoire du Littoral sich 1989 entschloss, den Garten wieder herzurichten und einen Park daraus zu machen.

Ein „Mittelmeergarten“

Unter der Leitung des Landschaftsarchitekten Gilles Clément und des Gartenarchitekten Philippe Deliau ist so eine Landschaftsanlage besonderer Art entstanden. Auf den im Département Var typischen botanischen Beständen aufbauend haben beide das Konzept eines „Mittelmeergartens“ („Jardin des Méditerranées“), ja eines „Weltgartens“ („Jardin planétaire“) entwickelt, indem sie Pflanzen aus anderen subtropischen Regionen dort heimisch machten.

Erklärtes Ziel war es, einen „Gondwana“-Garten – benannt nach dem Urkontinent – zu schaffen, der Flora aus Regionen von fünf Kontinenten beherbergt, wo ein ähnlich subtropisches Klima wie rund um das Mittelmeer herrscht. So finden sich hier Pflanzenarten von den Kanarischen Inseln, aus dem subtropischen Asien, des Chaparral in Kalifornien und Matorral in Chile, aus dem Südwesten Südafrikas, der Regionen Mallee und Kwongan in Süd- und Südwest-Australien sowie baumgroße Farne aus Neuseeland. Entstanden ist ein Landschaftsgarten, der seinesgleichen sucht, in dem Natur und Architektur ein Ganzes bilden. Heute ist der Domaine du Rayol 20 Hektar groß, wovon der Landschaftsgarten allein sieben einnimmt. Sieben Gärtner sind damit beschäftigt, die Anlagen zu unterhalten.

Einer der weniger zugänglichen Pfade durch die subtropische Flora des Gartens.
Einer der weniger zugänglichen Pfade durch die subtropische Flora des Gartens.
Foto: Domaine du Rayol/Chloé Arregoces

Im Einklang mit der Natur

Unübersehbar ist das Anliegen, beim Besucher ein Bewusstsein für Landschaft und Natur – und ihren Schutz – zu wecken. Auch wenn Nachhaltigkeit heute gern zu einem modischen Schlagwort verkommt, erscheint diese Haltung nur konsequent. Auf Dünger, Pflanzenschutzmittel und den Einsatz anderer chemischer Stoffe wird weitestgehend verzichtet. Auch kann der Besucher an Ort und Stelle ohne Kunstdünger gezüchtete Pflanzen aus der hauseigenen Baumschule erwerben.

Sogar das Café des jardiniers bietet nur selbst gemachte Speisen und Getränke aus biologischer Herstellung an. Der Gift Shop ist eine wahre Fundgrube an Büchern über Gärtnerei, Botanik und verwandte Themen und dürfte mit rund 3 000 Titeln eine der bestsortierten und umfangreichsten Buchhandlungen dieser Art der ganzen Region, wenn nicht ganz Frankreichs sein. 


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