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Kleines Dorf, großer Skispaß
Lifestyle 3 Min. 05.12.2018

Kleines Dorf, großer Skispaß

Blick von der Spitze des 
benachbarten Berges Siplingerkopf: Das Skigebiet Balderschwang bietet Urlaubern rund 40 Kilometer Pisten.

Kleines Dorf, großer Skispaß

Blick von der Spitze des 
benachbarten Berges Siplingerkopf: Das Skigebiet Balderschwang bietet Urlaubern rund 40 Kilometer Pisten.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 3 Min. 05.12.2018

Kleines Dorf, großer Skispaß

Das deutsche 360-Seelen-Dorf Balderschwang liegt auf 1 044 Höhenmetern und ist Deutschlands kleinste und höchstgelegene eigenständige Gemeinde – und zugleich wohl eines der besten Skigebiete des Nachbarlandes.

von Hanne Walter

Balderschwangs berühmteste Sehenswürdigkeit ist ein Baum. Genauer eine Eibe. Noch genauer: mit mindestens zweitausend Jahren auf dem knorrigen Buckel der älteste Baum Deutschlands. Das war aber auch lange Zeit das Einzige, was man über das Dorf im Allgäu, gelegen im Dreiländereck Deutschland, Österreich und Schweiz, wusste. Als Enklave war der Ort wie geschaffen für schmerzhafte Strafversetzungen. Bis in die 1960er-Jahre führte der Weg zu der Handvoll Häuser nur über Österreich. Erst seit Deutschlands höchste Passstraße entstand, der Riedbergpass, ist die Gemeinde mit dem Bahnhof Fischen verbunden.

Dennoch verguckte sich schon 1951 Fleischermeister Karl Traubel in den fast weltentrückten Ort und erahnte vielleicht bereits sein touristisches Potenzial. Jedenfalls zog er mit Sack und Pack hinauf in die Berge, eröffnete mit seiner Frau ein Lebensmittelgeschäft und versorgte ab sofort das ganze Tal mit Back- und Metzgerwaren. Die Kundschaft kam von weither, also gedachte der findige Kaufmann einige länger versorgen zu können und etablierte seine ersten beiden Ferienappartements mit direktem Anschluss an seine berühmte Hirschsalami und die Schinkenspezialitäten. Der Erfolg blieb nicht aus, die neidischen Blicke nach Oberstdorf, wo der Fremdenverkehr längst boomte, wurden weniger, und weitere Dorfbewohner widmeten sich dem Gastgewerbe. Mittlerweile zählt man 1 200 Gästebetten und rund 200 000 Übernachtungen pro Jahr.

Die kleine Kirche St. Anton von Balderschwang.
Die kleine Kirche St. Anton von Balderschwang.
Foto: Hanne Walter

Vom kleinen Laden zum Hotelbetrieb

Um den einstigen Lebensmittelladen und die gute Stube der Familie Traubel herum wuchs über die Jahre das stattliche Hotel Hubertus Alpin Lodge & Spa – eingebettet in das kleine Dorf und umgeben von glasklaren Bächen, urigen Almhütten, saftigen Wiesen, imposanten Bergpanoramen und dem besonderen Heilklima. Karl Traubel jr., seine Frau Christa und Sohn Marc, die heute gemeinsam das Haus führen, haben den klassischen Stil der Vorfahren gewahrt. Im Spa setzen sie auf die Urkraft Allgäuer Bergkräuter, und auch die Küche arbeitet fast nur mit regionalen Produkten.

„Na ja, Orangen haben wir noch nicht aus eigenem Anbau“, räumt Hotelchef Karl Traubel schmunzelnd ein. „Aber dafür liefern unsere fünfzehn eigenen Schweine Schinken in Bioqualität, der den Vergleich mit einem guten Serrano nicht scheuen muss. Unser Käse kommt von den Sennalpen, auf denen die Milch direkt vor Ort verarbeitet wird. Dass jede der vielen Sorten so großartig schmeckt, verdanken wir unserer einzigartigen Lage im größten Rohmilchkäsegebiet Europas und der gesunden Lebensweise der Kühe. Den ganzen Sommer über fressen sie Gräser und Bergkräuter. Deren Aromastoffe und ätherischen Öle geben dem Balderschwanger Bergkäse seine ganz eigene Würze.“

Übersichtlich wie Balderschwang ist, beginnen quasi vor jedem Hotel und jeder Ferienwohnung Wanderwege oder im Winter frisch präparierte Loipen. Langlauffans können sich hier auf 122 Kilometern austoben. Sie führen auf kürzestem Weg zu den elf Skiliften und somit zu 40 Kilometern Piste, durchziehen den Naturpark Nagelfluh, und ermöglichen sogar Touren weit in das Nachbarland Österreich hinein, ohne einmal die Spur zu verlassen. Allein die Grenzlandloipe ist einundvierzig Kilometer lang. Auf dem Wannenkopf gesellen sich zu den angereisten auch echte Schneehasen, die sich ihr Refugium mit Schneehühnern teilen. Weniger beschaulich geht es bei den Riedbergerhornliften zu, wo beim sogenannten Snowtubing dicke Reifen zu rasanten Abfahrten einladen.

Dieses Miteinander von anspruchsvollem und gemütlichem Skivergnügen, guter Infrastruktur, faszinierender Natur, Schneesicherheit und einzigartiger Luftqualität führte dazu, dass der Erholungsort vor einigen Jahren zum besten deutschen und zweitbesten europäischen Skigebiet gekürt wurde. Doch nicht nur in Sachen Wintersport hat Balderschwang die Nase vorn – auch bei den Wahlen sind die Allgäuer ganz vorne mit dabei. Die Gemeinde ist dafür bekannt, an Wahlsonntagen stets als erste in Bayern ihre Ergebnisse zu liefern, die meist die Augen der CSU-Führungsriege zum Leuchten bringt. Bei der letzten Landtagswahl stimmten rund 80 Prozent für die Regierungspartei.


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